Klare Worte der katholischen Kirche  

"Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz beleuchtet den Neujahrsempfang des Bistums Fulda

Fulda - "Entweder am Ende oder auch am Beginn eines jeden Jahres gehört es dazu, dass „Klartext“ geredet wird. Zum einen, um auf Defizite aufmerksam zu machen und diese – falls möglich – abzustellen. Zum anderen aber auch, um sich auf die eigenen Stärken zu besinnen.

Dem Generalvikar des Bistums Fulda, Professor Gerhard Stanke, ist am vergangenen Dienstagvormittag beim traditionellen Neujahrsempfang das Kunststück gelungen, beide Ebenen zu verbinden und einen „Klartext“ zu formulieren, der in seiner mitunter schonungslosen Eindringlichkeit kaum etwas offen ließ. Dies betraf gleichermaßen den Ist-Zustand des so genannten „Pastoralen Prozesses“ mit seinen einschneidenden Veränderungen auf die Bistumslandschaft wie auch den Umgang mit den Missbrauchsfällen, deren ganzes Ausmaß im vergangenen September offenbar geworden war.

Vielleicht hätte man sich solch klare Worte schon früher gewünscht, wonach der sexuelle Missbrauch immer auch ein Machtmissbrauch ist, der wiederum am Nerv und damit an der Existenzberechtigung der Kirche und ihres Auftrages nage. Zudem machte Stanke deutlich, dass sich die Täter nicht sicher fühlen dürften: Die Opfer würden ernst genommen und die Schuldigen ohne Ansehen ihrer Person oder Institution belangt werden. Auch werde die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Staatsanwaltschaften fortgesetzt.

Denjenigen, die Zeugen dieses eindrucksvollen Statements wurden, dürfte dankbar klar geworden sein, dass diesen ankündigenden Worten auch Taten folgen werden. Denn auch Generalvikar Stanke ist sehr bewusst, dass es in dieser Kirche ein „Weiter so“ nicht geben kann und darf. Wenn sie nicht noch mehr an Glaubwürdigkeit einbüßen und Menschen verlieren will, die ihr den Rücken kehren.

Ein ermutigendes Zeichen gleich zu Beginn dieses neuen Jahres. Denn zu viel ist in den vergangenen Jahrzehnten unter den Teppich gekehrt worden – ein Schmutz, unter dem heute noch sehr viele Menschen leiden".

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