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Mordfall Lübcke: Die Saat des Hasses

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Von: Bertram Lenz

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Klartext-Kommentar: "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz zum Mord am Kasseler Regierungspräsidenten

Sehr viele mögen es geahnt und gleichzeitig befürchtet haben, jetzt scheint sich der Verdacht zu bestätigen: Dr. Walter Lübcke ist einem politisch motivierten Mord zum Opfer gefallen. Bekannt ist bisher, dass der mutmaßliche Täter eine rechtsextreme Vergangenheit besitzt und dabei auch vor massiven Straftaten nicht zurückgeschreckte. Die liegen zwar einige Jahre zurück, das Verbrechen an Lübcke aber lässt vermuten, dass sich die Gesinnung des Mannes nicht verändert hat. Auch die Rolle des Verfassungsschutzes wird einmal mehr zu hinterfragen sein.

Welche Dimensionen der Fall anzunehmen beginnt, lässt sich auch daran erkennen, dass bekannt wurde, der Generalbundesanwalt werde die Ermittlungen übernehmen. Dies geschieht immer dann, wenn sich ein länderübergreifender Terrorverdacht abzeichnet.

Wer nun gedacht haben mag, politische Attentate in der Bundesrepublik – sowohl jene der linksgerichteten „RAF“ als auch jene des rechtsextremen „NSU“ – gehörten der Vergangenheit an, der dürfte nun eines Besseren belehrt worden sein. Ebenso wie jene, die dem Irrglauben aufgesessen sind, mit Aufdeckung der Mordserie des erwähnten „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) könnten die Verbrechen aus der rechten Ecke zu Ende sein.

Denn für ein Attentat sprach und spricht die Tatsache, dass der Mord kaltblütig und mit großer Präzision geplant beziehungsweise ausgeführt wurde. Dass es eine DNA-Spur gewesen ist, die den vor einer Woche Festgenommenen in den Fokus rückte, ist letztlich das Ergebnis hartnäckiger kriminalistischer Arbeit der Soko „Liemecke“. Die, und auch dies sollte nicht unerwähnt bleiben, unter Leitung des Fuldaer Kriminaldirektors Daniel Muth steht.

Mit der Kunde von der Festnahme des mutmaßlichen Täters ist der Fall aber noch längst nicht geklärt. Denn noch steht die Schuld des bislang zur Sache schweigenden 45-Jährigen nicht eindeutig fest, werden die Ermittler weiter akribisch arbeiten müssen, um eine Ahnung davon zu bekommen, was genau sich in der Nacht auf den 2. Juni abgespielt hat. Auch ist die Frage nicht geklärt, ob der Tatverdächtige alleine gehandelt hat oder Komplizen eines rechtsterroristischen Netzwerkes hatte.

Und nicht zuletzt: Welche Rolle die Morddrohungen gegen Lübcke wegen dessen Haltung zur Flüchtlingspolitik vor rund vier Jahren spielten. Sollte hier wirklich das Motiv zu finden sein, wäre die schreckliche Tat der Höhepunkt einer beispiellosen Hetze in den Netzwerken, deren Attribut „sozial“ der Wahrheit Hohn spricht.

Die Beleidigungen und üblen Schmähungen, die selbst nach Lübckes Tod nicht endeten, zeigen eines ganz deutlich: Den Feinden unseres demokratischen Systems und unserer Freiheit ist jedes Mittel recht, um gegen diejenigen vorzugehen, die diesen Staat repräsentieren. Unterstützung wird den Tätern dabei von denen zuteil, die ihren Hass anonym im Internet absondern.

Das wirklich Erschreckende daran: Dieser Hass ist längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen.

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