Menschenwürde auch im Seniorenheim

"Klartext"-Kommentar von "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz

Unsere Gesellschaft wird, wie seit einigen Jahren bekannt, immer älter. Daraus lässt sich nun die Konsequenz ableiten, dass diejenigen Senioren, die - aus welchen Gründen auch immer - den Lebensabend nicht in ihrem vertrauten Zuhause verbringen können, im Heim untergebracht werden müssen.

Nicht nur für die alten Menschen, sondern auch für deren Angehörige, bedeutet ein solcher Schritt einen sehr tiefen Einschnitt. Denn mitunter werden die Töchter oder Söhne der Betroffenen mit dem (unausgesprochenen) Vorwurf konfrontiert, die Mutter/den Vater abgeschoben zu haben. Auch wenn es, gerade vor dem Hintergrund der Mobilitäts-Anforderungen, die die heutige Arbeitswelt an viele von uns stellt, oft kaum eine Alternative zum Heim gibt.

Ist dann (nach manchmal vielen Versuchen) endlich ein Ort gefunden, der zu einer neuen Heimat werden soll, ist das Erwachen mitunter ein böses. Ich möchte nicht pauschal die vielen Pflegerinnen und Pfleger verurteilen, die trotz enormen (zeitlichen und personellen) Drucks einen ganz tollen Job machen, aber in so manchen Heimen ist wahrlich nicht alles Gold, was nach außen glänzen soll. Und sich bisweilen der Eindruck verfestigt, als gehe den Betreibern die Gewinnmaximierung über alles.

So richtig ernst aber wird es immer dann, wenn eine sichtbare Vernachlässigung des zu Pflegenden gegeben ist oder wenn der alte Mensch von Furcht ergriffen wird, wenn sich eine bestimmte Person des Personals nähert. Es kann und darf nicht sein, dass in manchen Heimen eine Atmosphäre der Angst regiert und die Menschenwürde mit Füßen getreten wird. Denn die gibt man nicht an der Tür zur Senioreneinrichtung ab.

 Neben der Heimaufsicht sind ganz besonders natürlich die Angehörigen aufgefordert, Augen und Ohren offenzuhalten. Dazu ein Tipp: So oft es die Zeit erlaubt, den alten Menschen einen Besuch abstatten. Denn die freuen sich zum einen darüber, zum andern kann man so vielleicht noch rechtzeitig einen Missstand erkennen, die Verantwortlichen darauf aufmerksam machen und ihn abzustellen versuchen. Ehe sich die Sache dramatisch zu entwickeln droht.

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