DRK Fulda gründet Rettungshundestaffel

Christian Erwin, Kreisbereitschaftsleiter; Tim Stennei, Leiter der neu gegründeten DRK-Rettungshundestaffel; Rettungshündin Elly; Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, DRK-Präsidentin; Klaus Apel, Landesfachbeauftragter für das Rettungshundewesen beim DRK-Landesverband Hessen (von links).
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Christian Erwin, Kreisbereitschaftsleiter; Tim Stennei, Leiter der neu gegründeten DRK-Rettungshundestaffel; Rettungshündin Elly; Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, DRK-Präsidentin; Klaus Apel, Landesfachbeauftragter für das Rettungshundewesen beim DRK-Landesverband Hessen (von links).

Bluthündin Elly ist nun offiziell im Dienst.

Fulda - Wenn Bluthündin Elly die Fährte aufgenommen hat, gibt es nur noch ein Ziel: die gerochene Person finden. Die vierjährige Schnüffel-Expertin ist der Grundstock für die neue Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Fulda, für die jetzt weitere Spürnasen und deren Herrchen gesucht werden.

Rettungshundeführer Tim Stennei und seine Elly sind ein eingespieltes Team: Einmal ausgiebig Schnüffeln am Wollschal, dann zieht die Bluthündin los. Die Besitzerin des Schals am anderen Ende des Parks ist schnell gefunden, Elly kann wieder in den Ruhemodus schalten. Bis Rettungshund und Mensch so reibungslos zusammenarbeiten, vergeht viel Zeit: „Bluthunde sind absolute Autisten, sie haben nur diese eine Inselbegabung: einem Geruch folgen, bis der dahinterstehende Mensch gefunden ist. Elly ist jetzt vier Jahre alt. Ich habe sie von der Personenspürhundestaffel der Polizei in Rheinland-Pfalz komplett ausgebildet übernommen“, erklärt Stennei, Leiter der neu gegründeten DRK-Rettungshundestaffel, und berichtet weiter: „Eine Ausbildung dauert insgesamt drei Jahre, dann hat man einen kompetenten und sozial umgänglichen Mantrailer.“

Rettungshundestaffeln bestehen aus Flächenhunden und Personenspürhunden, den sogenannten Mantrailern. Während der Mantrailer mit einem individuellen Geruchsmuster der gesuchten Person, etwa einem Kleidungsstück, das Areal eingrenzt, in dem die Person sich befindet, suchen die Flächenhunde das Zielareal unspezifisch ab: „Der Mantrailer hat einen bestimmten Geruch in der Nase, der Flächenhund dagegen findet alles: die gesuchte Person, aber auch Spaziergänger – oder ein Liebespärchen. Deswegen ist es wichtig, dass der Personenspürhund das Areal im Vorfeld so weit wie möglich eingrenzt“, sagt Klaus Apel, Landesfachbeauftragter für das Rettungshundewesen beim DRK-Landesverband Hessen, und betont: „Dann können seine Flächenkollegen übernehmen, die sich noch nicht so angestrengt haben. Denn einem Geruch für viele Kilometer folgen, das ist mental und körperlich eine Höchstleistung, selbst für so ein speziell gezüchtetes und ausgebildetes Tier.“

Für eine Staffel braucht es fünf Flächensuchhunde. Mantrailer Elly ist der Grundstock für eine eigene Rettungshundestaffel des DRK Fulda. Damit soll das Leistungsportfolio des Kreisverbands ergänzt werden: „In letzter Zeit hatten die Rettungskräfte der Region zwei Personensuchen zu bewältigen. Der Bedarf ist also da. Ausgebildete Rettungshunde sollen helfen und unsere Reiterstaffel, das Geländefahrzeug, Motorrad und Drohnen, die bereits jetzt zum Einsatz kommen, unterstützen. Vorstellbare Szenarien sind Menschen, die aus Seniorenheim, Krankenhaus oder Psychiatrie verschwinden und schnell aufgefunden werden müssen", erklärt Christian Erwin, Kreisbereitschaftsleiter beim DRK Fulda.

Gesucht werden deswegen Hundehalter und deren Spürnasen, die bei der Rettungshundestaffel des DRK Fulda ganz konkret Gutes tun können: "Grundsätzlich kann jeder Hund Rettungshund werden, selbst ein Mops hat eine gute Nase. Der hat aber zu kurze Beine, um kilometerweit im Wald auf Fährtensuche zu gehen", erklärt Apel. Je länger die Nase, desto besser der Geruchssinn: Ein Schäferhund riecht 400-mal so gut wie ein Mensch, außerdem müssen Rettungshunde in Ausbildung gut motivierbar und führbar sein. Die Motivation für Hundehalter ist einfach zu verstehen: „Mein Hund soll etwas Gescheites lernen. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, einen Menschen zu finden und so direkt helfen zu können. Gerade im Winter muss alles schnell gehen, der Einsatz der Hunde entscheidet häufig über Leben und Tod“, so Apel.

Die Ausbildung ist anspruchsvoll: Ab einem Alter von sechs Monaten kann der Rettungshundeeignungstest erfolgen, wo vor allem die Sozialverträglichkeit geprüft wird, die eigentliche Ausbildung erfolgt später und macht neben dem Hund auch den Menschen zum Profi: „Es ist die umfangreichste Ausbildung beim Deutschen Roten Kreuz, weil der Rettungshundeführer mindestens ausgebildeter Rettungssanitäter sein muss. Dazu kommt die hundespezifische Expertise: Transport, Erste Hilfe am Hund, selbst Sicherheitsaspekte bei der Beförderung mit dem Hubschrauber müssen beherrscht werden. Es werden zwei komplette Fachdienste gelernt, die Prüfung muss zudem alle zwei Jahre wiederholt werden. Am Ende hat man eine qualitativ sehr hochwertige Ausbildung, die solche bei privaten Rettungshundestaffeln weit übersteigt“, erklärt der Chef des hessischen Rettungshundewesens beim Roten Kreuz und bescheinigt Fulda entsprechendes Know-how bei diesem neuen Projekt.

„Der Kreisverband Fulda des Deutschen Roten Kreuzes zeichnet sich schon jetzt durch ein sehr breites Leistungsportfolio aus, das alle Felder abdeckt, die dem Menschen helfen, vom Alltag bis zum Notfall. Gerade im ländlichen Raum kann eine Rettungshundestaffel dazu beitragen, verschwundene Menschen schnell aufzufinden. Wir freuen uns zudem, neue Ehrenamtler fürs Deutsche Rote Kreuz zu gewinnen: Wir sind eine große Familie, die aus Liebe zum Menschen agiert“, erklärt Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, Präsidentin des DRK Fulda.

Interessenten können sich im DRK-Knotenpunkt in der Karlstraße 13 in Fulda melden beziehungsweise unter der Telefonnummer 0661/ 90167-496 oder per E-Mail:knotenpunkt@drk-fulda.de.

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