Ein Fulda-Höhenweg in Österreich

Wegverlauf mit Blick auf die Gletscherwelt in den österreichischen Alpen.

Elf Kilometer langer alpiner Wanderweg im Tiroler Pitztal wird 60 Jahre alt.

Fulda/Pitztal. Am 10. September 1960 fand im österreichischen Pitztal die feierliche Erstbegehung des „Fuldaer Höhenwegs“ statt. Der rund elf Kilometer lange, alpine Höhenwanderweg auf rund 2.000 Meter Seehöhe wurde von der „DAV Sektion Fulda“ als Geschenk an die „DAV Sektion Frankfurt“ am Main zu deren damaligem 90. Sektionsjubiläum eingerichtet und wird bis heute von der „DAV Sektion Fulda“ gepflegt.

Ein beeindruckendes Panorama begleitet jeden, der den rund elf Kilometer langen Fuldaer Höhenweg im österreichischen Pitztal begeht. Seit dem 10. September 1960 verbindet er die Riffelsee-Hütte 2.289 Meter) mit dem Taschachhaus 2.434 Meter). Dabei führt er den Wanderer hoch über dem Taschachtal in südlicher Richtung oberhalb der Baumgrenze entlang der Sonnenhänge des Grubengrates und des Eiskastenkopfes. Die Landschaft entlang des Weges wechselt zwischen ausgetretenen Pfaden auf Grashängen, steinigen Passagen, sumpfigen Feuchtwiesen und Felsgelände - immer mit Blick auf die umliegende Gletscherwelt mit den vergletscherten Gipfeln von Brochkogel und Wildspitze – mit 3.768 Metern Tirols höchster Berg. Brücken entlang des Weges ermöglichen die Überschreitung der Eiskastenbäche. Die felsigen Passagen sind mit Seilen gesichert.

Seit August 2019 ziert eine Fuldaer Lilie aus Stein den letzten Abschnitt des Fuldaer Höhenweges, die von der „DAV Sektion Fulda“ aus Anlass des 150-jährigen „DAV“-Jubiläums und des 1.275-jährigen Fuldaer Stadtjubiläums errichtet und ihr Standort zu Fuldas höchstem Punkt auf 2.519 Metern ausgerufen wurde. Sie soll ein Symbol für die Zusammengehörigkeit von Sektion und Tal sowie der Sektion und der Stadt Fulda sein.

Die Begehung des Höhenwegs bis zum Taschachhaus dauert je nach Kondition 3-4 Stunden. Der Rückweg führt über die Moränenhänge des Taschachferners mit packendem Blick in dessen Eisbrüche zur Talstation der Materialseilbahn und von hier über einen Fahrweg zurück nach Mandarfen.

Der Weg sollte zur neuen Bergheimat der „DAV Sektion Fulda“ werden und damit den Namen „Fulda“ in die Bergwelt tragen. Den ursprünglich von der Sektion betreuten „Fuldaer Weg“, der vom Südtiroler Ahrntal ins österreichische Zillertal führt, musste die Sektion nach dem Krieg an Italien abgeben.

Heute ist der Fuldaer Höhenweg die zentrale Verbindung aus dem Tal zum Taschachhaus, einem der großen Ausbildungsstützpunkte des Alpenvereins. Aber auch viele Tagestouristen nutzen den Weg, um sich der hochalpinen Gletscherlandschaft im hinteren Pitztal zu nähern.

Möglich macht dies bis heute das Engagement der ehrenamtlich Aktiven der DAV Sektion Fulda, für die der Weg zur alpinen Heimat geworden ist. Ein dreiköpfiges Wege-Team, das von weiteren Aktiven und traditionell von der Jugend der Sektion bei seinen Aufgaben unterstützt wird, ist für die Wegpflege verantwortlich. Dazu gehört die turnusmäßige Begehung nach dem Winter, um potentielle Schäden oder Behinderungen durch Schnee, Geröll oder Lawinen zu beseitigen und ihn wieder fit für die neue Wandersaison zu machen. Auch die Instandhaltung der beiden Brücken sowie der seilversicherten Felspassagen gehört zu diesen Aufgaben. Unterstützung vor Ort, zum Beispiel beim Transport oder der ortsnahen Beschaffung des benötigten Materials, erhalten die Fuldaer durch die am Weg liegenden Hütten sowie dem Tourismusverband Pitztal.

Einer großen Aufgabe sah sich die Sektion im Jahr 2012 gegenüber, als ein massiver Felssturz 1,5 Millionen Kubikmeter Felsmasse brachen in Folge des Permafrost-Rückgangs ab) einen Teil der seilgesicherten Felspassage für immer zerstörte. Ein neuer Wegverlauf wurde gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort gesucht und schließlich gefunden. Coronabedingt finden in diesem Jahr allerdings keine Jubiläumsfeierlichkeiten vor Ort statt, so dass sich die „Höhenwegs“-Schafe, die den Wanderer entlang des Wegs gern ein Stück begleiten, wohl erst im nächsten Jahr über Festgäste freuen können.

Wegverlauf mit Blick auf die Gletscherwelt in den österreichischen Alpen.

Im Sommer 1958 besuchte Gustav Martins, ErsterVorsitzender der „DAV Sektion Fulda“, gemeinsam mit seiner Frau und einigen Frankfurter Freunden bei einer seiner Bergfahrten das Frankfurter Sektionsgebiet im Pitztal. Dabei stellte er fest, dass die Verbindung von der Riffelseehütte zum Taschachhaus nicht gerade glücklich verläuft, denn: wollte man beide Hütten besuchen, musste man erst 800 Hm hinauf zur Riffelseehütte, wieder zurück ins Tal, auf dem Talboden entlang, um dann zum Taschachhaus aufzusteigen. Abgesehen vom Rauf und Runter war die Aussicht durch die Talwände sehr begrenzt. So sprach Gustav Martins mit den Frankfurten, warum und wieso es keinen Weg auf der Höhe gäbe. Die Antwort: den Frankfurtern fehlten nach der Übernahme von fünf hochalpinen Hütten sowie dem Bau einer weiteren Hütte im Taunus schlicht die Mittel dazu. So fasste Gustav Martins auf dem schlechtesten Teil des Weges bei regnerischen Wetter den Gedanken, diesen Weg, und damit einen alten Plan der Frankfurter, einen Weg über die so genannte Schafsteige zu bauen, umzusetzen. Ein Jahr später, am 5. September 1959, feierte die Sektion Frankfurt ihr 90-jähriges Sektionsjubiläum im Pitztal. Mit dabei, die Sektionsvertreter aus Fulda, die ein ganz besonderes Geschenk auf der Jubiläumswanderung zwischen Riffelseehütte und Taschachhaus mit „im Rucksack“ hatten.

Und bei der Rast an der Mündungsstelle des alten Weges zum neuen „Fuldaer Höhenweg“ wurde dies feierlich überreicht: Gustav Martins machte den Ausbau des Fuldaer Höhenwegs offiziell der DAV Sektion Frankfurt zum Jubiläumsgeschenk. In seiner Ansprache hob er hervor, dass die bestehende Freundschaft zwischen beiden Sektionen durch den Ausbau eine Vertiefung erfahren würde und eine noch bessere Zusammenarbeit gewährleistet wäre.

Die Frankfurter schrieben über das Jubiläumsgeschenk in ihrer Sektionsmitteilung: „Dieser Weg ist mehr als eine Verbindung von Hütte zu Hütte. Er ist Ausdruck einer freundschaftlichen Verbundenheit von zwei Sektionen, ein Zeichen des guten alten Alpenvereinsgeistes.“, der den „jahrelangen Kummer“ der Sektion nun aufheben würde.

Eine erste Abordnung der „DAV Sektion Fulda“ nahm anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten bereits 2/3 des Weges erstmals in Augenschein und markierte die erforderlichen Stellen für Ausbauarbeiten entlang der Almhänge des Kaunergrates mit Steinmanndln. Die Hauptarbeit lag nach Einschätzung der Begeher an einem Stück nahe des Taschachhauses, während die übrigen Arbeiten als leicht und wenig zeitraubend eingeschätzt wurden. Es handelte sich dabei um einen herabziehenden Felsrücken am Köpfle.

Wegverlauf mit Blick auf die Gletscherwelt in den österreichischen Alpen.

27 Teilnehmer der „DAV Sektion Fulda“ besuchten schließlich vom 15. bis 20. Juni 1960 das Pitztal und informierten sich vor Ort über den Arbeitsstand. Die Firma „Eiterer“ aus Landeck hatte bereits unterstützt durch lokale Bergführer mit den Arbeiten am schwierigen Teilstück des Wegs begonnen. Ende Juli/Anfang August sollten dann die jungen Bergfreunde der Sektion Fulda ins Pitztal reisen, um die von ihnen übernommene Ausarbeitung des gewählten Wegstückes zu übernehmen, für September war die Erstbegehung vorgesehen. Und gemeinsam schafften es die Bergsteiger- sowie die Jugendgruppen aus Fulda und Lauterbach der „Sektion Fulda“ in ihren Arbeitseinsätzen, noch vor dem ursprünglich geplanten Termin den Weg fertig zu stellen – einen der schönsten Höhenwege der Ostalpen, so die einhellige Meinung der damaligen Zeitzeugen.

Am 10. September 1960 erfolgte schließlich die Erstbegehung des Fuldaer Höhenwegs. An diesem Tag starteten die Festgäste um 8.15 Uhr an der Riffelseehütte, um über den neuen Weg zum Taschachhaus zu wandern. Nach einer 3/4 Stunde stoppte die Truppe das erste Mal an der Stelle, an der der alte Weg ins Tal und der neue auf die Höhe abzweigt. Hier übergab der damalige Frankfurter Sektions-Vorsitzende Dr. Kalies den Weg an die Sektion Fulda. Glückwünsche benachbarter Sektionen und die kirchliche Weihe folgten. Den weiteren Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass der Weg rasch begeisterte Zustimmung bei anderen Begehern fand.

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