Fuldas Landrat Woide nimmt Stellung zu "extremen Reaktionen" auf Tod des Flüchtlings

Chef der Kreisverwaltung kritisiert Hetze im Internet und verurteilt zugleich  "schier unfassbare Deutung des Geschehens"

Fulda - Angesichts der "extremen Reaktionen" auf den Polizeieinsatz, bei dem am frühen Freitagmorgen in der Fuldaer Flemingstraße ein 19-jähriger afghanischer Flüchtling getötet wurde, der in einer Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises Fulda untergebracht war, äußert sich Fuldas Landrat Bernd Woide.

Seit dem Vorfall "überschlagen sich die Kommentare dazu, die bei Facebook und generell im Internet formuliert werden. Es ist unerträglich, wie kaltschnäuzig und unbarmherzig diese menschliche Tragödie für Hetze genutzt wird. Ein Mensch ist gestorben durch die Waffe eines Polizisten im Einsatz. Das ist eine Tragödie für alle Beteiligten – und damit vollkommen ungeeignet, um schnelle Schlüsse zu ziehen, persönliche Deutungen zu verbreiten oder gar Schuld zuzuweisen", so Woide.

Das gelte aber nicht nur für die Seite derer, die in jedem Flüchtling einen potenziellen Terroristen vermuten. Das gelte unbedingt auch für jene, die um den Toten trauern. Bei allem Verständnis für den Schmerz derer, die mit ihm verwandt, befreundet oder bekannt waren – ihr Protestmarsch am Sonntag sei in seiner Form unangemessen gewesen. Mit afghanischen Flaggen seien sie durch die Stadt gezogen und hätten „Wir wollen Gerechtigkeit“ gefordert und schwere Vorwürfe gegen die Polizei artikuliert, die mit großer Aggression vorgegangen sei.

Woide: "Ich sage es deutlich: Für die Trauer um den jungen Mann muss man nicht die Flagge Afghanistans bei sich tragen, die in diesem Zusammenhang geradezu signalisiert, sein Tod habe etwas mit seiner Nationalität zu tun. Was für ein unglaublicher und unsinniger Vorwurf! Dass bei der Demonstration überdies das Geschehen so gedeutet worden ist, als habe die Polizei einen Mann erschossen, der eigentlich nur zwei Brötchen habe kaufen wollen, ist schier unfassbar. Und es zeigt leider auch, dass viele nicht verstehen, welche Regeln und Gesetze bei uns greifen. Fakt ist, die Aggression ging von dem getöteten Flüchtling aus, das ist unstreitig und zeigt sich an den Verletzungen etwa des Auslieferungsfahrers und von Polizisten sowie den eingeschlagenen Scheiben".

Der gesamte Hergang jedoch werde nun aufgeklärt, aber nicht auf der Straße und nicht im Internet, sondern durch das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft. Dafür stehe unser Rechtsstaat. Er garantiere nicht nur die Freiheit, sogar gegen ihn zu demonstrieren, sondern auch objektive Ermittlungen im Fall des am Freitag getöteten Mannes. Die Ergebnisse sollte man vor weiteren Interpretationen und Schuldzuweisungen abwarten. "Unsere Polizei handelt rechtsstaatlich und verdient unser aller Vertrauen und Respekt", betont der Landrat abschließend. 

" Laufende Ermittlungen und Datenschutz"

Auf entsprechende Nachfragen von "Fulda aktuell" hat Leoni Rehnert von der Pressestelle des Landkreises Folgendes mitgeteilt: "Wir erteilen keine persönlichen und detaillierten Auskünfte zu den Fragen bezüglich des am Freitag getöteten 19-Jährigen. Begründet ist das zum einen in dem laufenden Ermittlungsverfahren, zum anderen unterliegen diese Auskünfte dem Datenschutz. Herr J. war Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft in der Flemingstraße, die vom Landkreis geführt wird. Er wurde – wie alle anderen Bewohner – durch Unterkunft, mit Hilfe zum Lebensunterhalt und durch eine Sozialbetreuung unterstützt. Wir gehen davon aus, dass im Zuge der Ermittlungen Fragen an die zuständigen Fachdienste gerichtet werden".

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