Die Pläne für den Fuldaer Aueweiher

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Stadtbaurat Schreiner bei einer Infoveranstaltung der Grünen zum Thema "Aueweiher und Landesgartenschau"

Stadtbaurat Daniel Schreiner zu Befürchtungen im Vorfeld der "Landesgartenschau 2023" in Fulda

Fulda - Zwar ist es bis 2023 noch ein wenig hin, doch wirft die Landesgartenschau, die nach 1994 wieder in Fulda stattfinden wird, schon jetzt ihre Schatten weit voraus. Im Mittelpunkt steht dabei auch die Frage, wie der Aueweiher in das Format mit einbezogen werden kann. Vor einiger Zeit hatte die „Nabu-Gruppe Fulda-Künzell" dem Fuldaer Stadtbaurat Daniel Schreiner eine Liste mit knapp 3.000 Unterschriften übergeben, um ihren Willen zum Erhalt der Artenvielfalt rund um den Aueweiher zu bekunden. Zudem hatte es ein ausführliches Gespräch mit „Nabu“-Vertretern und Schreiner gegeben.

Bedenken

Vor Kurzem nun wurde bekannt, dass der Arbeitskreis Fulda/Rhön der „ HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz“) alle Bedenken des „Nabu“ teilt. Wie es hieß, werden die Intensivierung der Freizeitnutzung durch einen mehr als 130 Meter langen und 30 Meter breiten Strand mit Beach-Volleyballfeld und der Gastronomiebereich an der Flughalle „erhebliche Störquellen für die dortige auetypische Vogelwelt darstellen“. Die von städtischer Seite signalisierte Umbenennung der „Strandfläche mit Beach & Fun“ in „Strand mit Badeverbot“ stelle keine Lösung des Problems dar.

Langjährige Beobachtungen im Rahmen von Erfassungsprogrammen belegten die Anwesenheit von 120 Vogelarten, wovon sich 60 Arten hier fortpflanzen und ebenso viele Arten, die die Weiher zur Rast und Nahrungssuche nutzten. Die hohe Zahl von 39 Arten mit landesweitem Schutzstatus belege die Bedeutung des Aueweihers als Hotspot der städtischen Vogeldiversität. Durch seine Artenvielfalt sei er für das Umweltzentrum und den Schulen ein leicht erreichbarer und erlebnisreicher Lernort. Vielen städtischen Bürgern diene er seit mehr als fünf Jahrzehnten als wohnortnahes Gebiet der stillen Naherholung.

Die Entscheidung für die Zusammenlegung beider Weiher zu Lasten von Teilen des gesetzlich geschützten Auwaldes sei die alleinige Entscheidung des Fuldaer Magistrats und auch eine Vorgabe für den Gestaltungswettbewerb gewesen. Bei dieser grundsätzlichen Entscheidung sei der städtische Naturschutzbeirat seinerzeit nicht beteiligt worden. Man halte dies „ für einen gravierenden Verstoß gegen die Entscheidungs- und Mitbestimmungsrechte gemäß §22 des HAGBNatSchG („Hessisches Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz“).

Stadtbaurat Schreiner, der vor kurzem auch bei einer Veranstaltung der Fuldaer Grünen zu dieser Thematik Stellung genommen hatte, reagierte auf Anfrage von „Fulda aktuell“ auf die Vorwürfe. Er schreibt: „Eine Gartenschau ist neben den städtebaulichen Komponenten immer auch eine Leistungsschau der grünen Branche, die den Anspruch hat, den Besuchern neueste Trends und Anregungen zur Garten- und Freiflächengestaltung zu vermitteln. Die Gartenschau in Fulda 2023 hat den Anspruch, besonders die Themen Biodiversität, Ökologie, Ressourcenschonung, CO²-Einsparung und Nachhaltigkeit zu beachten und darzustellen. Daneben werden umfangreiche Vorschläge zur Umsetzung im privaten Bereich angeboten.“ Die Eignung des Fuldaer Konzepts sei im Rahmen der Machbarkeitsstudie zur Landesgartenschau überprüft worden, das Umweltministerium habe dem Flächenplan zugestimmt und den Förderbescheid übergeben.

Eine neue große Insel

Die bestehenden Inseln des Aueweihers würden von den im Konzept vorgesehenen Umgestaltungen nicht berührt. Durch die Schaffung einer neuen, großen Insel durch die Entnahme der Landbrücke im Zuge der nachhaltigen Gewässersanierung werde für die ansässige Fauna mittelfristig ein deutlich vergrößerter, ungestörter Lebensbereich geschaffen. Schreiner: „Ein Freizeitpark ist nicht vorgesehen, die Angebote für Freizeit und Naherholung werden auf das nördliche Ende (deltaähnliche Erweiterung des Abflussbereiches, Holzdeck mit Wassergarten als Übergang vom Ufer ans Wasser) und das südliche Ende (Kiesstrand mit Spiel- und Freizeitgeräten, Holzdeck zum Sitzen, Liegen, Promenieren als Abgrenzung des Uferbereiches zur angrenzenden Liegewiese) der Wasserfläche konzentriert. Die Längsseiten werden entlastet, beispielsweise durch Wegfall des Kinderspielplatzes auf der Landbrücke“.

Abwägungsprozess

Alle geplanten Maßnahmen müssten die Belange des Naturschutzes und die der Naherholung abwägen, denn neben den Forderungen des „Nabu“ beziehungsweise der „HGON“ gingen bei der Stadt auch Forderungen zur Intensivierung der Freizeitnutzungen (Schwimmen, Bootfahren, zusätzliche Stege, Grillen oder Fitnessgeräte) ein. Als wichtiger Sozialraum dürfe die Fulda-Aue den Bürgern nicht entzogen werden. Schreiner weiter: „Von unseren Fachplanern wurden sämtliche Maßnahmen geprüft. Die jetzt vorgeschlagene Variante ist die wirtschaftlichste Sanierungsvariante, da die notwendige Filterung für das zu sanierende Gewässer nur einmal betrieben und vorgehalten werden muss. Bei jeder Sanierungsvariante gibt es Eingriffe in die bestehende Struktur, die genehmigt und ausgeglichen werden müssen. Einzig die Variante des so genannten Verlandens führt zu keinen Eingriffen, da hierbei das Gewässer langfristig aufgegeben wird und über Jahrzehnte verschlammt. Dieser Variante wollte die Stadt nicht den Vorzug geben“.

Man dürfe nicht vergessen, dass der Aueweiher rein „menschengemacht“ erstellt wurde. Jetzt müsse er „menschengemacht“ saniert und angepasst werden. Im Wissen darum, dass sich Umgebung, Landschaft und Arten genauso verändert haben wie die Bedürfnisse der Gesellschaft. „Der Naturschutzbeirat war von Anfang an eingebunden und hat nach vielen intensiven Diskussionen schließlich der vorgelegten Planung zugestimmt“, so der Baurat.

Durch die Öffnung der Landbrücke müssten im Randbereich einige Erlen, Weiden und Pappeln gerodet werden. Dies beschränke sich jedoch auf das westliche Ufer, wobei hauptsächlich Wiesenflächen und der Kinderspielplatz für die Öffnung beseitigt würden. Die gefällten Bäume und Baumstuppen sollen als Totholz auf der neuen Insel verbleiben und so zusätzlichen Lebensraum bieten. Am Ostufer beschränke sich der Durchbruch auf Rasen- und Wegeflächen. Der Eingriff in das geschützte Biotopmüsse in nächster Umgebung in gleicher Art vor Beginn der Baumaßnahme ausgeglichen werden. Eine erste Ausgleichsfläche sei bereits entlang der Fulda als Ergänzung eines bestehenden Auwaldes umgesetzt worden. Sämtliche Genehmigungsverfahren laufen über die zuständigen Landesbehörden.

Trotz der intensiven Nutzung durch die Naherholung (Radfahrer, Kinderspiel, Jogger, Hunde) hätten sich bereits jetzt empfindliche Arten wie der Eisvogel angesiedelt und dauerhaft etabliert. Wie bereits erwähnt, schaffe die neue Insel zusätzlichen, ungestörten Lebensraum. Hinzu komme, dass im Rahmen der Gestaltung der Uferbereiche, selbige als Flachwasserzonen modelliert würden, um den aktuell nahezu vollständig fehlenden Amphibien und auch dem Fischbestand zusätzliche Lebensräume zu bieten, was wiederum der Vogelwelt als Nahrungsquelle zugute komme. Übergangsbereiche aus Schilf- und Röhrichtzonen würden angelegt, und Hydrobotanik zur Verbesserung des Nährstoffabbaus und der Sauerstoffversorgung angesiedelt, so Schreiner.

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