"Stück fuldischer Kulturarbeit" ist bedroht

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Manfred Borg, der den "Ulenspiegel" auch "Mein Wohnzimmer" nennt. 

Gespräch mit Manfred Borg vom "Ulenspiegel": Buchhandlung und Antiquariat in prekärer Lage

Fulda - Seit gut 37 Jahren ist der „Ulenspiegel“, Buchhandlung und Antiquariat in einem, aus Fuldas Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Nun aber gestaltet sich die Lage prekär, wie Inhaber Manfred Borg im Gespräch mit „Fulda aktuell“ betont.

Die Ursachen sind vielschichtig, wie vor Kurzem von Borg auch in einem „Brandbrief“ der Öffentlichkeit kundgetan: Eine rückläufige Kundenzahl, stagnierende Aufträge der Schulen und Institute sowie nicht zuletzt die aktuelle Baustelle und die damit verbundene Sperrung der Löherstraße haben die finanzielle Situation verschärft.

Borg nennt es eine verhängnisvolle Entwicklung, dass immer mehr traditionsreiche, große und von Ketten unabhängige Buchhandlungen schließen. Doch noch mehr seien kleinere Buchhandlungen und Antiquariate aus dem Stadtbild verschwunden – ein Schicksal, das auch dem „Ulenspiegel“ droht. Borg: „Geschuldet ist dieser Trend einmal dem – besonders in dieser Branche – wachsenden Internethandel, steigenden Mieten und einer sich veränderten Gesellschaftsstruktur. In vielen Fällen bedarf es keines Buches mehr, um ein Informationsbedürfnis zu befriedigen, ja, es ist nicht mehr nötig, in einen Buchladen zu gehen, um ein Buch zu kaufen. Manche Bereiche, besonders die Nachfrage nach Jugendbüchern und Ratgebern, sind völlig eingebrochen“.

Der „Stöberer“ im Antiquariat sterbe aus, Internetplattformen erleichterten die Suche nach gewünschten Titeln. Übrig blieben Buchhandelsketten, die sich immer mehr konzentrierten und meist durch zentralen Einkauf ein austauschbares Schmalspur-Topseller-Sortiment anböten: In erster Linie Bestseller bekannter Verlage, kleine unabhängige Verlage blieben außen vor.

Auch der „Ulenspiegel“ sei von dieser Entwicklung betroffen, „doch kampflos wollen wir nicht aufgeben“ (Borg). Kleine engagierte Buchhandlungen, die eine gezielte Nische besetzen, hätten durchaus Überlebenschancen. Wenn sie sich vom Mainstream unterschieden. Borg weiter: „Hier wollen wir dazugehören. Verändern wollen wir unser Erscheinungsbild, indem wir das antiquarische Sortiment verkleinern, das Buchangebot überschaubarer präsentieren und einen größeren Papeteriebereich aufbauen“.

Zudem sollen durch ein umfangreicheres Veranstaltungsangebot wie Lesungen und Matineen der Kundenkontakt verstärkt und weiterhin kleine unabhängige Verlage eingeladen werden, um ihr Programm vorzustellen. Auch von einer verstärkten Präsenz in den Social-Media-Kanälen erhoffe man sich – trotz durchaus vorhandener Skepsis – eine Erweiterung des Kundenkreises. Schulen und Institute bitte man um eine anteilige Berücksichtigung bei ihren Bestellungen, auch im Rahmen der Lehrmittelfreiheit.

Der „Ulenspiegel“ wolle auch weiterhin seinen Beitrag zur fuldischen Kulturarbeit leisten und ein Ort der Begegnung sein, ein Treffpunkt für Literaturinteressierte und Freunde. Auch wenn es manchmal bequemer erscheine, vom Schreibtisch aus bei „Amazon“ zu bestellen, schwäche man damit die „ortsansässigen Kleinkrämer, die zum lebhaften Erscheinungsbild einer Stadt beitragen“.

Leise Kritik klingt hier an der Stadtverwaltung an, die die Löherstraße noch immer ein wenig stiefmütterlich behandle und den Touristen nicht das Gefühl vermitteln solle, die interessanten Ecken bei Stadtführungen hörten am „Goldenen Karpfen“ auf. Das sei schade, bewiesen die Geschäftsleute und Anwohner der Löherstraße doch immer viel Engagement, unter anderem beim „Kulturfest“.

"Sehr sehr beeindruckt“ zeigt sich Borg über die Resonanz, die es bislang in der Öffentlichkeit auf seinen „Brandbrief“ gegeben habe. Dabei komme es ihm nicht auf „kurzfristige finanzielle Unterstützung“, sondern darauf an, dass über Netzwerke auf die Situation des „Ulenspiegel“ aufmerksam gemacht werde.

Aktion

Wegen der positiven Resonanz wiederholt die Buchhandlung „Ulenspiegel“ einen Sonderverkauf antiquarischer Bücher am Samstag, 27. Juli. Das Motto lautet: „Bauzaun meets Literatur“. Zudem gibts Musik, und wer Hunger und Durst verspürt, der kann sich an „Löberswoarscht“ oder auch einem „Ulenspiegelwein“ laben.

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