Erinnerungen: Der Fuldaer Fotograf Günter Zint und Jimi Hendrix

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Im März 1967 fotografierte Günter Zint den Rockmusiker und seine Begleitband, die "Experience", an der Hamburger Außenalster
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Der aus Fulda stammende Fotograf Günter Zint lebt seit vielen Jahren nahe Hamburg.

Ein Rockstar vor der Linse - genauer gesagt: 1967 in Hamburg /  "Er war ein ganz normaler Typ"

Fulda/Hamburg - Vor knapp zwei Wochen, genauer gesagt am 27. November, wäre Jimi Hendrix 75 Jahre alt geworden. Der geniale Gitarrist, Komponist und Sänger starb bereits 1970. Einer, der den Künstler sehr gut gekannt hat, ist der aus Fulda stammende Fotograf Günter Zint. Der 76-Jährige gilt als Chronist der Bundesrepublik und arbeitete in den 60er-Jahren Jahren als Fotoreporter für Magazine wie „twen“, „Stern“ und „Spiegel“. Er fotografierte Stars der Musikszene, aber auch Politiker, Rocker, Prostituierte und ganz gewöhnliche Menschen. Seit 1991 ist Zint Inhaber und Betreiber des „St. Pauli Museums“, zudem gehört ihm das „Panfoto“-Archiv.

Wer also wäre prädestinierter, um sich ein wenig über Jimi Hendrix auszutauschen, den er 1967 in Hamburg fotografiert hatte?

Hier die Erinnerungen des Fuldaers Zint an diese Zeit: „Im März 1967 war Hendrix ein paar Tage in Hamburg, um seine Platte ,Hey Joe’ vorzustellen und im ,Star-Club' aufzutreten. Seine Plattengesellschaft ,Metronome’ erteilte mir den Auftrag, ein Coverfoto und ein paar Werbefotos von ihm und seinen Begleitmusikern, den ,Experience’, zu machen. Sie wohnten im Autohotel in der Lincolnstraße auf St. Pauli. Als ich die drei Musiker dort abholte, war Jimi sehr verärgert, da er in seinem Zimmer keine laute Musik hören durfte. Wir gingen in mein Studio am Berliner Tor, um dort Fotos zu machen und um Musik,die er gerade aus London bekommen hatte, zu hören. Ihn freute auch, dass ich dort eine gemütliche Couch hatte. So hatte ich per sofort einen Untermieter. Er blieb drei Tage und war völlig unkompliziert, völlig normal wie alle Musik-Kumpels und er war einer von ,uns’.

Die Sache mit Colette

 Am folgenden Tag machten wir auch noch Coverfotos an der Außenalster und im PR-Büro von ,Stigwood Yaskiel International’ in der Körnerstraße. Diese Fotos erschienen auch in den USA als Picture-Discs (Durchsichtige Schallplatten mit Fotomotiv). Die Pressekonferenz für ,Hey Joe’ arrangierte ich mit meinem Freund Danny Marino im ,Dannys Pan’, dessen Mitinhaber ich war. Dannys Bruder Fabio und seine Freundin Colette nahmen an dem Fototermin teil, bei dem auch einige alberne Fotos spontan entstanden sind. Jimi gefiel Colette sehr gut, doch er sprach sie mit ,Cutlet’ an. Ich erklärte ihm, dass sie Colette heiße und nicht Cutlet. Er antwortete: ,But I like to eat her!’ So entstanden Fotos von Colette auf dem Tisch mit den Musikern, die mit Messer und Gabel ihr herumalberten. Am Tag darauf war das Foto in der ,Bild-Zeitung’ mit einem an Blödheit nicht zu übertreffenden Text.“

 Günter Zint auf die Frage, welchen Einfluss Hendrix bis heute hat: „Da ist eine Einstellung zur Politik, die er ohne Worte vermitteln konnte. Er spielte schon zwei Jahre vor Woodstock die Nationalhymne der USA mit Düsenjägergeheul, Maschinengewehrfeuer und Bombeneinschlägen auf seiner Gitarre. Das war ein wortloser Protest gegen den Vietnamkrieg, wie er eindrucksvoller nicht hätte sein können“.

Aktuell arbeitet der 76-Jährige an zwei neuen Büchern, an einem Film über St. Pauli und an neun Ausstellungen zu „50 Jahre APO“ in 2018. Zint: „Das schaffe ich aber nur mit meinen vielen Mitarbeitern und Freunden.“

Alte Freunde in Fulda

Zur Barockstadt pflegt er übrigens enge Kontakte: „Ich habe noch Familienmitglieder in Fulda. Mein Bruder Joachim war lange Richter am Fuldaer Gericht. Mein bester Freund und Kollege Christof Krackhardt lebt in Fulda. Auch mit vielen anderen Freundinnen und Freunden aus alten Zeiten und den Organisatoren vom ,Kreuz’ und vom ,Herzberg-Festival’, das von einem verstorbenen Schulfreund gegründet wurde, habe ich ständig Kontakt.“ Nächstes Jahr werde der „Herzberch“ 50 Jahre alt, „und ich bin dabei. Es wird auch ein Jubiläumsbuch dazu geben. Außerdem hatte ich ja in meiner früheren Schule Heinrich von Bibra, aus der ja inzwischen das ,Vonderau Museum’ geworden ist, eine große Werkschau, die von Günter Wallraff eröffnet wurde.“

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