Fuldas Bischof besucht Flüchtlingscamp

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Bischof Heinz Josef Algermissen und Generalvikar Gerhard Stanke besuchten mit OB Dr. Heiko Wingenfeld das Flüchtlings-Zeltcamp auf dem Münsterfeld.

Fulda. Die Wirklichkeit, die die in Fulda untergekommenen Flüchtlinge beschreiben, ist schrecklich. Alles ist zerbombt, Häuser und Infrastruktur zerstört. In sehr lebhaften Bildern schildert eine Großmutter, die mit ihren Enkeln geflohen ist, Bischof Heinz Josef Algermissen bei einem Rundgang durch das Zeltcamp im Münsterfeld, was sie in ihrer syrischen Heimat erlebt hat. Gemeinsam mit Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld sowie Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke hat der Bischof das Camp besucht, um Solidarität zu bekunden, sich selbst ein Bild von der Lage der Flüchtlinge zu verschaffen und um jenen zu danken, die  die Menschen in der Zeltstadt versorgen.

Beeindruckt von Leistung

"Ich bin fasziniert und tief beeindruckt, von dem, was sie hier leisten", lobt Algermissen das Team um den Leiter des Amtes für Versorgung und Soziales, Eduard Liske, und Christian Erwin, Kreisbereitschaftsleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Frauen, Männer und Kinder kommen wegen ihrer Not. "Wenn wir sie zurückschicken würden, wäre das eine Katastrophe", betont der Bischof nicht zuletzt auch nach einem Gespräch mit einem Flüchtling, der mit seinen sieben Kindern aus den Bergen Nordalbaniens geflohen ist.  Am meisten jedoch sorgt er sich um die vielen Kinder. 134 sind zurzeit im Camp untergebracht. Sie sollen besondere Zuwendung erfahren. Im aktuellen Zustrom von Flüchtlingen sieht der Bischof generell eine "große Herausforderung" und warnt zugleich vor einem "gesellschaftlichen Kollaps, wenn die Probleme nicht kraftvoll angepackt werden." Nur zu folgerichtig sichert Algermissen Oberbürgermeister Wingenfeld jede nur erdenkliche Hilfe zu. Das Bistum stellt über Pfarrgemeinden bereits Wohnungen zur dauerhaften Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung. Auch bei der finanziellen Förderung von Sprachkursen will die Diözese helfen. Schließlich erleichtern gute Deutschkenntnisse die Integration in die Gesellschaft.

Sprachkurse für Kinder

Gegenüber Bischof Algermissen bekräftigt Fuldas OB, das Land nach Kräften bei der Suche nach geeigneten dauerhaften Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge zu unterstützen. Das Zeltcamp sei trotz Beheizung nicht wintertauglich. "Wir hoffen deshalb auf eine schnelle Lösung in den nächsten Wochen." Als wichtig stufen Wingenfeld wie zuvor auch schon Bischof Algermissen und Generalvikar Stanke ein, dass neben den Deutsch-Kursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zusätzliche Kurse für Erwachsene, vor allem aber auch für Kinder angeboten werden. "An sie müssen wir uns zuerst wenden, damit sie kommunizieren lernen." Allerdings bleibt für Fuldas Verwaltungschef die Frage offen, ob genügend Lehrerinnen und Lehrer für Deutsch als erste Fremdsprache zur Verfügung stehen. Dennoch betont Wingenfeld, die Region müsse auf diesem Gebiet "ein Signal setzen" und so hofft er, noch zusätzliche Fachkräfte finden zu können.

Mehrzahl Syrer

Aktuell sind laut Eduard Liske 398 Frauen, Männer und Kinder im Zeltcamp untergebracht (Stand 11. September) Mit 222 stammt die Mehrzahl aus dem Kriegs- und Krisengebiet Syrien. Die überwiegende Mehrheit ist muslimischen Glaubens, lediglich 18 sind Christen. Caterer haben sich zuvor informiert, was den kulturellen Gepflogenheiten der Zeltbewohner entspricht, um sie angemessen zu versorgen, erläutert DRK-Kreisgeschäftsführer Christoph Schwab die im Hintergrund geleisteten Arbeiten und Aufgaben, zu denen auch die soziale Betreuung der Flüchtlinge gehört. Täglich von 7 bis 21 Uhr stehen  sozialpädagogische Begleiter zur Verfügung, um zu helfen, wo immer es notwendig ist. Auch ein ärztlicher Dienst sichert die medizinische Versorgung. Die Rahmenbedingungen stimmen also für die Campbewohner, die am 25. August in Fulda angekommen sind, und nun auf eine dauerhafte Unterbringung in allernächster Zeit warten.

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