"Wegweisende Impulse": Fuldas Bischof Gerber zur neuen Enzyklika des Papstes

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Was will Papst Franziskus den Menschen mit seiner Enzyklika "Fratelli tutti" sagen? - Fragen an Bischof Dr. Michael Gerber

Fulda - Papst Franziskus hat am 4. Oktober im Vatikan seine Enzyklika „Fratelli tutti – Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaf“ veröffentlicht. Zentrale Aussage des Papstes ist der Wunsch, einen Planeten zu haben, der allen Menschen Land, Heimat und Arbeit biete. Der Vorsitzende der „Deutschen Bischofskonferenz“, Bischof Dr. Georg Bätzing, würdigte die Enzyklika, in der Papst Franziskus auch auf die „Corona-Pandemie“ eingeht, als einen „eindringlichen Appell für weltweite Solidarität und internationale Zusammenarbeit.“ Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber nahm auf Anfrage von „Fulda aktuell“ Stellung zur Enzyklika.

Die von Papst Franziskus in Assisi unterzeichnete Enzyklika „Fratelli Tutti“ enthält nach Überzeugung von Gerber „wegweisende Impulse für wesentliche und drängende Fragen der Gegenwart.“ Zweifelsohne brauche „es eine angemessene Zeit und Reflexion, um den Schatz dieses Rundschreibens angemessen zu erschließen“. In einer ersten Würdigung hatte Bischof Gerber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums Fulda (via Intranet) auf einige ihm wesentlich erscheinende Punkte hingewiesen – zum Beispiel zur Bedeutung von Dialog.

Unter anderem hieß es darin: „Die Enzyklika dokumentiert, wie unverzichtbar der Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Weltanschauung ist“. Papst Franziskus betone, dass für ihn das Gespräch mit einem hohen islamischen Geistlichen (dem Großimam Ahmad Al Tayyeb) eine entscheidende Anregung für diese Enzyklika war. Dialog meine eine echte Begegnung und sei nicht einfach ein „diplomatischer Akt“.

Mit Blick auf die katholische Kirche, gerade auch in Deutschland, formuliert der Bischof von Fulda dazu: „Darin steckt eine kritische Anfrage für die Art und Weise, wie wir Dialog in der Gesellschaft und gerade auch in der Kirche praktizieren. Wie reden wir miteinander und wie reden wir übereinander, beispielsweise beim ,Synodalen Weg‘“? Papst Franziskus verstehe den Dialog als die „Begegnung mit dem heiligen Geheimnis des anderen und der universalen Gemeinschaft mit der ganzen Menschheit“.

Für wegweisend hält Gerber auch jene Passagen des Papst-Textes, in denen Franziskus nationale Alleingänge zum Bewältigen der aktuellen Krisen kritisiert. Der Papst mahne, globale und lokale Verantwortung als „zwei untrennbare und gleichgewichtige Pole“ zu verstehen. Ausführlich beschreibe Franziskus, wie die Liebe zur eigenen Kultur und zur Heimat einerseits und eine universale Perspektive andererseits sich wechselseitig befruchten könnten.

Das Aufkommen neuer Nationalismen und eine Grundskepsis bestimmter Kreise gegenüber den demokratischen Institutionen fordern uns nach Überzeugung von Bischof Gerber „neu heraus, die Werte von Menschlichkeit und wechselseitigem Respekt tief in unserer Gesellschaft zu verankern“ – eine enorme Herausforderung und Chance zugleich. Papst Franziskus erinnere in diesem Zusammenhang daran, dass „jede Generation sich diese Kämpfe und die Errungenschaften der früheren Generationen zu eigen machen und sie zu noch höheren Zielen führen muss.“

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