Fuldas Heimattiergarten muss schließen: Das sagt das Veterinäramt

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Der Heimattiergarten in Fulda Neuenberg muss seine Tore für Besucher schließen. Wir haben beim Veterinäramt nach den Gründen dafür gefragt.

Fulda. Der "Heimattiergarten Fulda-Neuenberg", Landwehrweg 1, muss schließen. Das hat das Veterinäramt Fulda beschlossen. Der Verein, der den "Heimattiergarten" seit mehr als 50 Jahren betreibt, darf zwar weiterhin seine Tiere halten, sie aber nicht mehr zur Schau stellen. Ohne die Eintrittspreise stehen dem Verein nun schwere Zeiten bevor."Fulda aktuell" (FA) hat mit dem Fuldaer Veterinärmediziner Dr. Stephan Kraus gesprochen.

FA: Wann genau muss der "Heimattiergarten" schließen?

Dr. Stephan Kraus: Die schriftliche Bestätigung der Untersagung der Zurschaustellung wird dem Heimattiergarten-Verein nächste Woche zugestellt und ab dann wirksam.

FA: Warum muss er schließen?

Kraus: In der Vergangenheit wurden zahlreiche Mängel festgestellt, die seitens des Vereins nicht abgestellt worden sind. Beispielsweise gab es eine Verletzungsgefahr für die Tiere durch die Einzäunung der Gehege oder auch Hygiene- und Versorgungsdefizite.

FA: Wieso dürfen nun keine Besucher mehr in den Tiergarten kommen, der Verein darf aber weiterhin die Tiere halten?

Kraus: Eine Zurschaustellung von Tieren ist gemäß §11 des Tierschutzgesetzes erlaubnispflichtig. Die bestehende Erlaubnis war befristet und kann gemäß der  "Allgemeinen Verwaltungsvorschriften zum Tierschutzgesetz" zur Durchführung des Tierschutzgesetzes zum jetzigen Zeitpunkt nicht verlängert werden. Die bestehenden Mängel müssen trotzdem durch den "Heimattiergarten-Verein" abgestellt werden. Dieser kann zu einem späteren Zeitpunkt erneut einen Antrag stellen.

FA: Wie genau sehen die Kontrollen aus, die Sie im Heimattiergarten durchführen? Was wird kontrolliert?

Kraus: Anlass- und Routinekontrollen erfolgen stets unangemeldet, notwendige Nachkontrollen erfolgen dann in Absprache mit dem Betreiber in einer angemessenen Frist. Rechtsgrundlagen sind unter anderem das Tierschutzgesetz, das Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren sowie die Merkblätter der "Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz" (TVT). Das Gutachten sowie die "TVT"-Merkblätter haben keinen Rechtscharakter, werden von Gerichten jedoch als Expertenmeinung gewertet.

FA: Haben Sie diese Kontrollen in diesem Jahr verstärkt?

Kraus: Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist die Kontrollfrequenz im Jahr 2016 deutlich höher.

FA: Stellen Sie Rechnungen für diese Kontrollen aus?

Kraus: Für die Kontrollen wurden Nachkontrollgebühren nach Zeitaufwand erhoben.

FA: Wie lang sind die Fristen, die Sie zur Beseitigung der Mängel setzen?

Kraus: Die Frist zur Beseitigung der Mängel ist von jedem einzelnen Mangel abhängig. Mängel, die eine akute Gefahr für die Gesundheit der Tiere darstellen, müssen umgehend abgestellt werden. Andere Mängel wie beispielsweise bauliche Maßnahmen werden mit angemessenen Fristen versehen, da dies natürlich auch witterungsabhängig ist.

FA: Was muss der "Heimattiergarten-Verein" nun tun, um wieder eine Erlaubnis für die Zurschaustellung der Tiere zu erhalten? Besteht überhaupt die Möglichkeit, dass er diese wieder erlangt?

Kraus: Der "Heimattiergarten-Verein" muss ein schlüssiges Konzept vorlegen, wie in Zukunft eine Betreuung der  Tiere ausreichend gewährleistet wird. Die Erlaubnis gemäß §11 wiederzuerlangen, besteht selbstverständlich.

FA: Wann würde ein Tierhalteverbot drohen?

Kraus:  Ein Tierhalteverbot droht immer dann, wenn Tiere über einen längeren Zeitraum vernachlässigt werden, das Leben der Tiere akut gefährdet ist oder Straftaten vorliegen. Ein Tierhalteverbot ist immer eine Einzelfallentscheidung."Unser Bestreben ist es, den Bürgern den Besuch in einem Tiergarten zu ermöglichen und es ist unser Ziel, dass dies auch auf absehbare Zeit wieder möglich ist", erklärte Dr. Stephan Kraus abschließend.

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Ungewisse Zukunft - Ein Zwischenruf

Ich bin ein sehr großer Tierfreund. Hasen, Katzen, Hunde, Pferde:  Ich bin mit diesen Tieren aufgewachsen und habe von klein auf gelernt, wie man sie pflegt und was sie zum Leben brauchen. Die Mutter meiner besten Freundin war Tierärztin und so kam ich in den Genuss, bei Untersuchungen und Operationen und sogar bei Geburten von Kälbern und Fohlen dabei sein und mithelfen zu dürfen. Ich lernte enorm viel über die verschiedensten Tiere.

Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal für einen Artikel in den "Heimattiergarten" gehen sollte, war  ich zunächst nicht wirklich begeistert. Ich hatte zu viel Schlechtes über den Tiergarten gehört. Dort angekommen, führte mich der Vereinsvorsitzende Peter Weber etwa zwei Stunden lang über das Gelände, stellte mir die Tiere vor, zeigte mir sämtliche Gehege, Ställe und Scheunen. Er beantwortete all meine (teils kritischen) Fragen und erzählte mir von seiner Liebe zu den Tieren, aber auch von den vielen Anfeindungen und Beschwerden, mit denen der Verein zu tun hat.Der "Heimattiergarten" ist sicher nicht perfekt. Und es gibt so manche Ecke, an der noch ordentlich gearbeitet werden muss. Eines darf man jedoch in all der Aufregung nicht vergessen: Die Menschen, die so viel Zeit und auch privates Geld in die Tiere dort investieren, tun dies freiwillig. Sie werden nicht dafür bezahlt. Neben Spenden und Mitgliedsbeiträgen sind die Eintrittsgelder die einzige Einnahmequelle des Vereins. Wie soll es nun nach der Schließung für die Öffentlichkeit weitergehen? Weber sagte mir, dass sie wohl einige Tiere verkaufen oder zumindest abgeben müssten, um nun über die Runden zu kommen.

Ich finde es unmöglich, dass man den Verein nun so einfach hängen lässt. Viele der Tiere würden heute vielleicht nicht mehr am Leben sein, wenn es die Tierfreunde nicht gäbe. Verletzte Greifvögel, nicht mehr gewollte Meerschweinchen, die nachts einfach im "Heimattiergarten" ausgesetzt wurden und "ausgemusterte" Schafe und Ziegen, die dem Besitzer einfach zu alt wurden. Doch den Verein nun ohne die Eintrittsgelder vor sich hinvegetieren lassen? Was soll aus den Tieren werden? Sie brauchen schließlich dennoch ihr Stroh und Heu, Kraftfutter und Müsli und Wasser.

Ein großes Problem, das der "Heimattiergarten" hat, ist meines Erachtens, dass Informationen an den Gehegen und Paddocks fehlen. Wie häufig haben sich Besucher schon über das "arme, abgemagerte" Pferd "Ariane" aufgeregt, das  in der Nähe des Eingangs steht. Nicht wissend, dass die Stute mit ihren 35 Jahren bereits ein sagenhaftes Alter erreicht hat. Ein anderes Beispiel ist ein Handyvideo, das nun in einigen Medien herumgeistert, auf dem ein Schaf und daneben zwei Ziegen in jeweils einer sehr kleinen Box zu sehen sind. Große allgemeine Aufregung. Dort fehlt der Hinweis, dass es sich um eine Art "Krankenstation" für die Tiere handelt. Dass sie nur vorübergehend dort untergebracht sind.

Eins ist für mich jedoch ganz klar: Die Grüne Meerkatze, also der Primat, der gemeinsam mit einem Hasen ein Gehege bewohnt, braucht ein neues Zuhause.

Ich würde mir wünschen, dass der Verein mehr öffentliche Unterstützung erhält und sich  mancher vielleicht sogar dazu entschließt, im "Heimattiergarten" mitzuarbeiten. Denn helfende Hände kann der Verein sicher noch gebrauchen.

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