Fuldas Verwaltung in der NS-Zeit wird untersucht 

Der damalige Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Danzebrink

Fuldas Verwaltung in der NS-Zeit wird untersucht 

Fulda - Der Magistrat der Stadt Fulda hat beschlossen, ein Promotionsstipendium zur Erforschung der Arbeit der gesamten Stadtverwaltung Fulda während der NS-Zeit auf wissenschaftlicher Grundlage zu vergeben. Hintergrund der Entscheidung ist die öffentliche Debatte um die Rolle des damaligen Fuldaer Oberbürgermeisters Dr. Franz Danzebrink (Amtszeit 1930 bis 45) und heutige Bewertung derselben.

Stipendiat ist Alexander Cramer, der als Student der Geschichte und Politikwissenschaft in Marburg Schüler von Professor Eckard Conze ist. Conze ist durch seine Funktion als Sprecher der vom Bundesaußenministerium eingesetzten Historikerkommission bekannt geworden, welche die NS-Vergangenheit des Ministeriums untersucht hat. Conze betreut überdies zur Zeit die Studie eines Schülers über die Tätigkeit des Tübinger Oberbürgermeisters Hans Gmelin in der NS-Zeit und ist daher auch mit Blick auf die kommunale Dimension bestens in das Thema eingearbeitet. Er hat sich bereiterklärt, eine Fuldaer Studie wissenschaftlich zu begleiten.

Auch der Stipendiat Cramer selbst verfügt bereits über Expertise in der Materie: Im Auftrag der Stadt Marburg fertigte er 2014/2015 zusammen mit einer Coautorin eine Studie zur Wirkungsgeschichte des Nationalsozialismus in Marburg für den Zeitraum von 1929 bis 1949. Das Promotionsstipendium ist zunächst auf zwei Jahre befristetet und mit 1200 Euro monatlich plus 100 Euro Kostenpauschale für Archivreisen und ähnlichem dotiert. Es kann auf drei Jahre verlängert werden. Forschungsschwerpunkt ist nicht nur die Person Danzebrink in den Jahren 1930 bis 1945, sondern das gesamte Verwaltungshandeln der Stadt Fulda in dieser Zeit. Dazu sollen alle noch verfügbaren Akten und Dokumente aus der Stadtverwaltung sowie aus einschlägigen Archiven in Berlin, Wiesbaden und Marburg herangezogen werden.

 „Es ist durch Zeugenaussagen bekannt, dass viele belastende Dokumente unmittelbar vor dem Einmarsch der Amerikaner vernichtet wurden“, betont Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, „jedoch ist gut möglich, dass sich beispielsweise in Personalakten, Unterlagen der Bauaufsicht oder in Einsatzbüchern der Feuerwehr wertvolle Hinweise enthalten haben, die eine Einschätzung des Verwaltungshandels insgesamt und des damaligen Oberbürgermeisters im Besonderen ermöglichen.“ Der Leiter des städtischen Kulturamts und des Stadtarchivs, Dr. Thomas Heiler, spricht von einer „anspruchsvollen Arbeit“, da es bei einer solchen Promotionsarbeit ja auch darum gehe, den Einzelfall in einen größeren historischen Zusammenhang zu stellen und auch möglicherweise vergleichbare Fälle von (Ober-)Bürgermeistern zu beleuchten, die in der Weimarer Zeit gewählt wurden und während der gesamten NS-Zeit im Amt blieben. Ein solch umfassender Ansatz und eine entsprechende Quellenauswertung sei der im ersten Schritt vom Magistrat eingesetzten ehrenamtlichen Historikerkommission nicht möglich gewesen. Trotz der umfassenden Aufgabenstellung rechnet die Stadt damit, dass nach zwei Jahren bereits erste substanzielle Ergebnisse vorliegen werden.

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