"Sehr schwierige Situation": Gastronomen Dieter und Benjamin Kehl zur Coronakrise

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Dieter und Benjamin Kehl.

Vater und Sohn Kehl aus Lahrbach über politische Entscheidungen, Zusammenhalt und Chancen

Tann - Gastronomie und Hotellerie stecken tief in der  Coronakrise. Fragen an Dieter und Benjamin Kehl vom „Landhaus Kehl“ in Lahrbach:

Fulda aktuell: Können Sie sich jemals an eine ähnlich vergleichbare Situation erinnern?

Dieter Kehl: Es gibt sicher in jedem Unternehmen immer mal wirtschaftliche Up and Downs. Das haben wir in der Vergangenheit aber immer wieder hinbekommen. Man muss sich halt auch zu 100 Prozent für seinen Betrieb einsetzen. Eine solche Situation wie mit Covit 19 hatte ich aber in den 45 Jahren meiner Selbstständigkeit noch nicht.

Benjamin Kehl: Für mich ist das natürlich eine sehr schwierige Situation, zumal es mein erstes Jahr als Selbstständiger ist. Von daher habe ich natürlich keine Vergleichswerte und muss mich dieser Situation jetzt gezwungener Maßen einfach stellen.

FA: Wie stellt sich für Sie die Lage dar und wie versuchen Sie, das Beste daraus zu machen?

Dieter Kehl:  Es ist eine sehr, sehr schwierige Zeit für uns. Faktisch auf fast null Umsatz zu kommen und das bei doch noch drei Viertel der Kosten, die wir zu leisten haben. Zudem bekommen alle unsere Mitarbeiter 100 Prozent ihres Lohnes weiter gezahlt. Wir wollen damit Dank sagen, aber auch mit unserem Team wieder komplett starten können. Das ist gerade vor dem Hintergrund des Personalmangels vor Corona ein wichtiges Signal.

Benjamin Kehl: Zunächst kann man aus solch einer Krise auch Kraft tanken. Gerade durch die Unterstützung der Mitmenschen, Gäste und Kollegen, die ich als junger „Dorfwirt“ in dieser Zeit erfahre, auch wenn das meinen wirtschaftlichen Schaden nicht kompensieren kann. Zudem tun sich auch neue Kanäle auf, um sich neu zu präsentieren. So sind wir als „Landhaus Kehl“ bei der Initiative „wir-helfen-den-kleinen“ mit dabei und man kann ab sofort auch unsere hausgemachten Produkte dort online bestellen.

FA: Wie beurteilen Sie die bisherigen Entscheidungen der Politik und was erwarten Sie aktuell von den Verantwortlichen?

Dieter Kehl: Ich bin der Meinung, dass unsere Politiker insgesamt einen sehr, sehr guten Job machen. Ob das in Hessen oder dem Bund ist. Das man mit den Entscheidungen nicht alle zufrieden stellen kann, ist uns aber auch klar und dass es in Bundesländern Abweichungen geben kann, ist auch in Ordnung. Wir sollten aber auch unseren Teil dazu beitragen! Sich mal wieder rückbesinnen, etwas mehr Bescheidenheit, Wertschätzung und Respekt und Vorgaben, die uns alle helfen, unterstützen und umsetzen. Und diese müssen klar und gebündelt von der Regierung kommen. Ein starkes Statement seitens der politischen Parteien wäre dabei gerade für die kleineren und familiengeführten Betriebe mehr als gerechtfertigt und wünschenswert. Diese leisten in der Summe einen überaus wichtigen Beitrag für den Tourismus, der Beschäftigung und somit für den Wohlstand der Gesellschaft. Es ist für uns auch wichtig, dass sich nicht immer mehr Politiker, Gesundheits- und Wirtschaftsexperten immer neu zu Wort melden und so für zu viel Unverständnis sorgen. Wie gesagt, hier sind klare Ansagen der Führungsebene gefordert. Reichlich Informationen und Hilfen erfahren wir auch hier vor Ort durch „Dehoga“, „IHK“ und politische Gremien. Es sind aber auch wir in der Gastronomie gefragt, Ideen und Innovation zu entwickeln um dieser Pandemie zumindest teilweise entgegen zu wirken.

Benjamin Kehl:  Für mich stellt sich die Situation schon sehr komplex dar und ich bin aktuell froh, Entscheidungen nur im Interesse meines Betriebes treffen zu müssen. Grundsätzlich glaube ich, dass wir in dieser Pandemie gut aufgestellt sind, gerade wenn man den internationalen Vergleich anstellt. Gleichwohl es unsere Branche, welche das Ziel hat – Menschen zusammen zu bringen – durch die Beschlüsse der Regierung, sehr hart trifft. Die ersten Schritte mit der Sieben-Prozent-Regelung sind gemacht, auch wenn diese zunächst nur für ein Jahr gilt. Es wird sicherlich für alle in der Tourismusbranche eine ganz schwierige Zeit und wir hoffen, dass die Regierung gerade nach der Krise den Dialog mit uns suchen wird, um die bürokratischen Hürden und sehr ausufernden Vorschriften, welche unsere Branche so belasten, zu verbessern.

FA: Österreich will ab Mitte Mai Restaurants und Lokale bis 23 Uhr öffnen. Mitarbeiter müssten dann einen Mund-Nasen-Schutz tragen, für die Zahl der Gäste gilt eine Obergrenze. Wäre dies auch ein gangbarer Weg für Deutschland?

Dieter Kehl: Ich denke, das ist vor dem Hintergrund der Gesundheit ein gangbarer Weg. Alle sollten sich aber an die Vorgaben halten, um nicht einen neuen Anstieg der Infektionen zu riskieren. Eine dann nötige, rückwirkende Änderung der Lockerungen wäre für uns dann auch nicht mehr zu verkraften und es würde der wirtschaftliche Shutdown nicht aufzuhalten sein.

Benjamin Kehl: Für mich gilt hier ganz klar, dass wir uns auf Rahmenbedingungen vorbereiten können, wenn diese konkret definiert sind. In Abstimmung mit der „Dehoga“, die einen wirklich guten Job macht, wären Lösungen wie in Österreich nach meiner Sicht ein gangbarer Weg. Auch in unserem Interesse ist es, dass wir unseren Mitarbeitern und Gästen einen bestmöglichen Schutz bieten. Wichtig wäre aber für alle in Gastronomie und Hotellerie, dass man einen Fahrplan bekommt, der es uns ermöglicht, das Ruder des Handelns in die Hand zu nehmen.

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