Gebürtige Fuldaerin beschreibt Ausmaß der Verwüstung in Sinzig

Private Bilder von Nicole und Martin Hoffmann zeigen das Ausmaß der Zerstörung.
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Private Bilder von Nicole und Martin Hoffmann zeigen das Ausmaß der Zerstörung.

Es ist eine der schwersten Unwetter-Katastrophen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Mindestens 170 Menschen sind bei den Überschwemmungen im Süden und Westen Deutschlands ums Leben gekommen. Die gebürtige Fuldaerin Nicole Hoffmann schildert gemeinsam mit ihrem Mann Martin wie es um ihr neues Zuhause in Sinzig steht.

Fulda/Sinzig. Als Nicole Hoffmann (32) aus Fulda vor einigen Jahren zu ihrem Mann Martin (33) nach Sinzig (Rheinland-Pfalz) zog, war kaum vorstellbar, was dort einmal passieren würde. Zerstörte Häuser und Straßen, umgeknickte Bäume und Autos, die von den Fluten mitgerissen werden – es sind Bilder einer Katastrophe, die seit Tagen in den Medien zu sehen sind.

Viele Menschen haben durch die Hochwasserkatastrophe ihr ganzes Hab und Gut verloren.

Nicole und Martin Hoffmann haben mit FULDA AKTUELL gesprochen und über das Schrecken berichtet.

FULDA AKTUELL: Was waren Ihre ersten Gedanken zur Katastrophe?

NICOLE HOFFMANN: Es war völlig unwirklich. Es war ein Ausmaß der Zerstörung und das konnten wir am Anfang gar nicht richtig begreifen.

FA: Inwiefern waren Sie selbst betroffen?

N.HOFFMANN: Wir selbst waren nur durch Stromausfall und Zusammenbruch der Wasserversorgung betroffen, da wir auf einem Berg wohnen. Mit zwei kleinen Kindern im Alter von 1 und 2, war das aber erst Mal ein Schock. Unsere Versorgung war jedoch am gleichen Tag wieder hergestellt.

FA: Wie ergeht es Ihnen, Ihren Freunden und Nachbarn?

MARTIN HOFFMANN: Wir sind müde aber der Drang zu helfen ist enorm groß. Man wächst zu einer großen Gemeinschaft zusammen und man spürt und sieht diesen Zusammenhalt überall.

FA: Wie ist die aktuelle Lage in Sinzig und was wurde alles zerstört?

M.HOFFMANN: Was alles zerstört wurde, kann man gar nicht zusammen fassen. Brücken sind eingestürzt oder einfach nur weg, unsere Kläranlage wurde sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, Straßen wurden unpassierbar beschädigt. Von den Untergrundschäden an Ver- und Entsorgungsleitungen ist nicht viel bekannt. Einschränkungen liegen hauptsächlich in den Verkehrswegen. Es ist umständlich über den Fluss zu kommen.

N.HOFFMANN: Es ist wirklich erschreckend zu sehen, dass man vor einiger Zeit noch hier und dort lang gefahren ist oder einkaufen war, ein normales Leben geführt hat, und jetzt ist von all dem nichts mehr übrig.

Kaputte, aufgebrochene Straßen.

FA: Was wird getan?

M.HOFFMANN: Überall wird gearbeitet. „Westnetz“ hat Vielerorts Generatoren aufgestellt, die Wasserversorgung wird in kleinen Schritten wieder hergestellt, Feuerwehr und „THW“ sind überall zugegen. Heute habe ich in Bad Neuenahr einen Wasserwerfer der Polizei gesehen, der den Kampf gegen den unerträglich werdenden Staub aufgenommen hat.

FA: Merkt man etwas von dem Spenden der Organisationen und Privatpersonen?

M.HOFFMANN: Ja, definitv. Überall sieht man Ausgabestationen oder auch Tapeziertische mit Lebensmitteln vor Privathäusern. Die Spenden sind dort, wo sie sein müssen. Die Masse an Spenden ist beeindruckend.

FA: Wie erleben Sie die Situation mit Katastrophen-Touristen?

M.HOFFMANN: Zum Glück werden sie weniger. Es regt einen innerlich sehr auf. Man hilft Betroffenen, man wühlt mit den Händen im Matsch und Dreck, es liegen Glasscherben im Matsch von den zerbrochenen Scheiben, man zieht mit drei Mann einen Wohnzimmerteppich aus dem Haus und braucht danach eine Pause. Dann kommen diese Gaffer, filmen und machen ungefragt von dir Fotos, um sie in den sozialen Medien präsentieren zu können. Die Leute vor Ort sind müde, wissen nicht, wie es weiter gehen oder woher das Geld für den Wiederaufbau kommen soll. Und dann sieht man diese „Touristen“. Es ist unbegreiflich, wie egoistisch diese Leute sind.

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