Gefährdet die Trockenheit die Landwirtschaft?

Fulda aktuell hat mit dem Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld über die aktuelle Wetterlage gesprochen und über ihre Auswirkung auf die Landwirtschaft.

Fulda - Ungewöhnlich lange Trockenperioden machen vielen Landwirten Sorge und äußern sich ganz unterschiedlich: Ackerbaubetriebe haben mit erheblichen Ernteausfällen zu kämpfen, teils kommt es sogar zu Noternten, denn wochenlang fiel kein einziger Tropfen Regen.

„Die Monate März und April waren sehr trocken“, heißt es vom „Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld“ auf Anfrage von „Fulda aktuell“. Besonders das Grünland sei Futtergrundlage für die Viehbetriebe der Region. Auch diese leiden unter den Wetterlagen. „Im Mai gab es dann eine Frostperiode. Diese fiel genau in den Zeitpunkt der Blüte der frostempfindlichen Wintergerste. Sie konnte dadurch die Körner nicht richtig ausbilden. Örtlich zeigten sich bei der Ernte hier bis zu 80 Prozent Verlust“, so der „Kreisbauernverband“. Die anderen Getreidesorten wie Weizen und Roggen konnten sich hingegen recht gut entwickeln. Aber auch der Mais hatte durch den späten Frost zu leiden: Als Tropenpflanze verträgt er keinen Frost. Er entwickelte sich daher recht zögerlich im Frühjahr und benötigt dringend Wasser. Gut zu erkennen sei dies an seinen eingerollten Blättern. Und auch das Grünland benötigte dringend Wasser. Nachdem sich die Wiesen von der Trockenheit im Frühjahr erholt hätten und es im Durchschnitt einen relativ normalen ersten und zweiten Schnitt gegeben habe, sehe es für den dritten Schnitt schlecht aus, äußerte der „Kreisbauernverband“.

Milchviehbetriebe wiederum leiden darunter, dass die meisten Wiesen und Weiden aufgrund der Witterung nicht mehr genügend Futter für die Tiere hergeben. Die Folge: Betriebe müssen das Futter teuer zukaufen und die Tiere vorzeitig von der Weide holen und in den Stall schicken. „Milchviehbetriebe sind aktuell sehr stark betroffen“, berichtet der „Kreisbauernverband“. In den beiden letzten, sehr trockenen Jahren seien sämtliche Reserven aufgezehrt worden. Sollte es keinen nennenswerten Niederschlag geben und der dritte Schnitt ausfallen, werde es für viele Betriebe schwierig. Auch viele Mutterkuhhalter, die ihre Tiere auf der Weide halten, müssten aktuell schon das für den Winter bestimmte Futter zufüttern.

Und auch die Pflanzen leiden: „Jede Pflanze braucht Wasser zum Wachsen und Leben, also auch die Kulturpflanzen. Fehlt das Wasser, wird das Wachstum eingeschränkt, fehlt es weiterhin, stirbt die Pflanze früher oder später ab. Besonders kritisch wird es da auch für unsere Wälder, welche nun schon das dritte trockene Jahr in Folge kompensieren müssen“.

Dürre ist eine der häufigsten und finanziell am stärksten wirkenden Schadensursachen in der Landwirtschaft. Auf Dauer könnten Landwirte sich für trockenheitsresistentere Sorten entscheiden und ihre Fruchtfolgen entsprechen umstellen.

„Dies ist jedoch nur in einem kleinen Rahmen möglich“, so der „Kreisbauernverband“. Für eine großflächige Bewässerung fehle sowohl die Infrastruktur in Form von Bewässerungsanlagen, als auch das benötigte Wasser in einer solchen Menge. Zum Vergleich: Mais braucht im Zeitraum Juli und August etwa 100 bis 150 Liter pro Quadratmeter, da in dieser Zeit die Kolben gefüllt werden. Ein Hektar hat 10.000 Quadratmeter, das wären 1.000.000 bis 1.500.000 Liter Wasser pro Hektar. Diese Menge an Wasser könne nicht aus Flüssen oder dem Grundwasser entnommen werden. Dies hätte schwerwiegende, langfristige Folgen. „Daher ist die Landwirtschaft der Region auf Wasser in Form von Regen dringend angewiesen“.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

QR-Code statt des gelben Hefts: Wie und wo kommt an den digitalen Corona-Impfpass?

Seit Donnerstag können vollständig Geimpfte den Nachweis darüber per App auf das Smartphone laden lassen.
QR-Code statt des gelben Hefts: Wie und wo kommt an den digitalen Corona-Impfpass?

Randalierer im Freibad: Bademeister leicht verletzt

Drei männliche Jugendliche sorgten am Freitagnachmittag für Unruhe in einem Freibad im Damenweg.
Randalierer im Freibad: Bademeister leicht verletzt

Falscher Polizist festgenommen

Auf die dreiste Betrugsmasche waren unter anderem zwei Frauen aus Herbstein hereingefallen
Falscher Polizist festgenommen

Gegen Vermüllung des Fuldaer Domplatzes

Stadt kündigt verstärkt Streifen an und mahnt zur Sauberkeit
Gegen Vermüllung des Fuldaer Domplatzes

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.