Wie gefährlich ist der Riesenbärenklau wirklich?

Der „Riesenbärenklau“ vermehrt sich entlang von Gewässern, insbesondere der Fulda.

Fulda - Im Hochsommer wächst dieses Unkraut scheinbar überall: der „Riesenbärenklau“.

Nun wurde das gefährliche Gewächs auch auf der L3418 an der Brücke des Kohlhäuser Felds gesichtet. Ihn zu entfernen, könnte allerdings gefährlich werden, denn der Saft scheint gefährlich zu sein und ist imstande, die Haut wie Feuer zu verbrennen. Bloßes Abwaschen mit Wasser lindert die Beschwerden in den meisten Fällen nicht. „Fulda aktuell“ hat sich unter anderem mit Anna-Lena Bieneck vom „Biosphärenreservat Rhön“ und Johannes Heller, Pressesprecher der Stadt Fulda, unterhalten, um die wichtigsten Fragen zu dem gefährlichen Unkraut zu klären.

Fulda aktuell: Wie erkennt man den „Riesenbärenklau“?

Anna-Lena Bieneck: Der „Riesenbärenklau“ (Heracleum mantegazzianum), auch „Herkulesstaude“ genannt, hat einige harmlose heimische Verwandte unter den Doldenblütlern, mit denen er oft verwechselt wird – zum Beispiel den wesentlich kleineren „Wiesen-Bärenklau“, den man oft im eigenen Garten findet. Ein wesentlicher Unterschied ist die Größe: Die Stängel des „Riesenbärenklaus“ können bis zu drei Meter hoch werden, die Blätter bis zu einem Meter lang. Im Gegensatz zum „Wiesen-Bärenklau“ finden sich am Stängel rote Flecken. Die Blätter sind tief eingeschnitten mit deutlich sichtbaren Spitzen.

FA: Ist der „Riesenbärenklau“ giftig?

BIENECK: Giftig ist der „Riesenbärenklau“ per se nicht. Die Gefahr liegt in der Verbindung des Pflanzensafts, der in allen Teilen der Pflanze steckt, mit Sonnenlicht: Die Berührung des Saftes, kombiniert mit Sonnenlicht, kann extreme Hautverletzungen, ähnlich einer hochgradigen Verbrennung, auslösen. Durch die starke Schädigung der DNA in den betroffenen Hautzellen kann zudem langfristig Krebs ausgelöst werden. Berührungen mit dem Mund können aufgrund auftretender Schwellungen besonders bei Kindern in seltenen Fällen tödlich enden.

Die eindrucksvollen Stauden haben viele schon gesehen: der „Riesenbärenklau“ wächst meist am Straßenrand und entlang von Gewässern bis zu vier Meter hoch.

FA: Was muss man beachten, wenn man auf die Pflanze trifft?

BIENECK: Trifft man auf den „Riesenbärenklau“, sollte man auf jeden Fall einen großen Bogen um die Pflanze machen und die Fundstelle der zuständigen Gemeinde beziehungsweise in den Schutzgebieten der Rhön dem Biosphärenreservat melden. Hat man die Pflanze berührt, sollte die betroffene Stelle sofort bedeckt und vor UV-Strahlung geschützt werden. Sobald man zuhause ist, die Stelle vorsichtig mit Wasser und Seife waschen und kühlen. Auch in den nächsten Tagen sollte Sonnenlicht gemieden werden. Bei extremem Juckreiz oder der Entwicklung von Brandblasen unbedingt einen Arzt aufsuchen!

FA: Wo findet man die Pflanze?

BIENECK: Der „Riesenbärenklau“ wächst meist entlang von Straßen und Gewässern. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass man ihn auch im Garten findet.

FA: Wer ist für die Entfernung zuständig?

BIENECK: Findet man in den Schutzgebieten der Rhön – zum Beispiel beim Wandern – einen „Riesenbärenklau“-Bestand, kann man sich an die Hessische Verwaltung des „UNESCO-Biosphärenreservats Rhön“ wenden. Außerhalb der Schutzgebiete sind die jeweiligen Gemeinden beziehungsweise die Stadt zuständig.

FA: Was muss man beim Entfernen beachten?

BIENECK: Zur Bekämpfung sucht man sich am besten einen Tag mit wolkenbedecktem Himmel aus. Wichtig ist Schutzkleidung, die die Haut vollständig bedeckt, Handschuhe, Schutzbrille und gegebenenfalls eine Atemmaske. Die entfernten Pflanzenteile bitte nicht zum Kompost geben, sondern am besten direkt in Müllsäcke packen und diese gut verschlossen zum Restmüll tun beziehungsweise den Inhalt verbrennen. Der „Riesenbärenklau“ ist sehr hartnäckig, die Bekämpfung ziemlich mühsam. Wenn sie nicht zur Samenbildung kommt, kann die Pflanze mehrere Jahre überleben, bevor sie abstirbt und dann neue Keimlinge aus den Samen nachwachsen – bei bis zu 50.000 Samen pro Pflanze. Diese bleiben viele Jahre lang keimfähig.

FA: Wo kommt der „Riesenbärenklau“ her und schadet er anderen Pflanzen?

BIENECK: Ursprünglich kommt der „Riesenbärenklau“ im Kaukasus vor. Dort besiedelt er Waldränder und Bachufer. Anders als in Europa bildet die Pflanze dort keine Massenbestände aus. In Europa wurde sie erstmalig 1817 in einem Botanischen Garten in London bekannt, nur elf Jahre später wurde die erste verwilderte Pflanze in England nachgewiesen. Seitdem hat sich der „Riesenbärenklau“ über ganz Europa verbreitet.

Heute gilt der „Riesenbärenklau“ als „invasiver Neophyt“, der gebietsweise – wie seit Jahren im „UNESCO-Biosphärenreservat Rhön“ – hartnäckig bekämpft wird. Die Pflanze neigt zur Massenvermehrung und kann so die zuvor vorhandene Vegetation an Flussufern oder Wegrändern verdrängen. Ihre Wurzeln sind jedoch nicht fähig, die Ufer zu befestigen, sodass es in der Folge leicht zu Erosionen kommen kann.

Der „Riesenbärenklau“ tritt vermehrt an der Brücke L3418 auf.

FA: Können sich auch Tiere an der Pflanze verletzen?

BIENECK: Es gibt immer wieder Meldungen von Hundebesitzern, deren Vierbeiner rote Stellen und Brandblasen zum Beispiel an der Schnauze und den Ohren davongetragen haben, nachdem sie beim Spazierengehen eine Herkulesstaude berührt haben. Auch hier gilt, den Spaziergang sofort abzubrechen und den Hund vor Sonnenlicht zu schützen – auch in den folgenden Tagen. Die betroffenen Stellen sollten so gut es geht mit reichlich Wasser abgespült werden. Bei Hautveränderungen sollte zur Sicherheit ein Tierarzt aufgesucht werden.

Auch die Stadt Fulda ist. laut Heller. dabei, sich dem Problem „Riesenbärenklau“ anzunehmen. Auf Anfrage sagt er: „Die Stadt bekämpft die Pflanze primär an Standorten mit erhöhtem Publikumsverkehr wie zum Beispiel Spiel- und Sportplätzen, an Kitas und Schulen oder entlang von Rad- und Fußwegen“. Weiter heißt es: „Wegen der extrem hohen Reproduktionsfähigkeit der Pflanze, durch Samen und der über viele Jahre anhaltenden Keimfähigkeit der im Boden ruhenden Samen ist die weitere Verbreitung der ,Herkulesstaude‘ im Stadtgebiet kaum mehr aufzuhalten beziehungsweise schwer einzudämmen.“

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