Gefahren der Landstraße

Landstraßen sind als Alternative zur Autobahn sehr beliebt - aber sehr gefährlich.
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Landstraßen sind als Alternative zur Autobahn sehr beliebt - aber sehr gefährlich.

Landstraßen sind als Alternative zur Autobahn sehr beliebt. Was viele aber nicht wissen: Die schwersten Unfälle registriert die Polizei hierzulande auf Landstraßen.

Fulda. FULDA AKTUELL hat mit der Pressestelle des „Polizei päsidiums Osthessen“, der „Verkehrsbehörde des Landkreises Fulda“ und dem „ADAC Hessen-Thüringen“ über Gefahren und Tipps auf Land- und Bundesstraßen gesprochen.

„Das Gefahrenpotential von Landstraßen wird oft unterschätzt. Häufig kommt es an Kreuzungen zu Zusammenstößen und selbst kleine Fahrfehler können zu einem Unfall führen. Auch das Befahren der Landstraßen von Fahrzeugen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und Größe, zum Beispiel Traktoren mit Anhängern, die nur 40 Kilometer pro Stunde fahren können und Motorradfahrern, die man kaum wahrnimmt, haben ein hohes Gefahrenpotential“, so Cornelius Blanke, Leiter der Unternehmenskommunikation bei „ADAC Hessen-Thüringen“.

„Außerdem existieren auf Landstraßen mehr Gefahren, wie Einmündungen, Fußgängerüberwege oder unübersichtliche sowie kurvige Streckenverläufe. Weiterhin verfügen Bundes-, Land- und Kreisstraßen in den meisten Fällen über keine bauliche Trennung zum Gegenverkehr, die vor Begegnungsunfällen schützen. Auch das Fehlen von Überholstreifen beziehungsweise schlechte Überholmöglichkeiten verleitet auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen oftmals zu gefährlichen Überholmanövern“, so die Pressestelle des „Polizeipräsidiums Osthessen“.

Die Unfallzahlen seien jedoch in Osthessen seit der Corona-Zeit stark rückläufig. Mit 9.413 Verkehrsunfällen hat das „Polizeipräsidium Osthessen“ im Vergleich zum Vorjahr 2.231 Unfälle weniger registriert. Im Jahr 2020 ereigneten sich die Verkehrsunfälle zu 19 Prozent auf Bundesautobahnen und zu 40 Prozent außerhalb geschlossener Ortschaften. Während innerorts meist nurSachschäden zu verzeichnen sind, nimmt auf Bundesautobahnen, Bundesstraßen außerorts und Landesstraßen außerorts die Schwere der Unfallfolgen zu.

Jährlich erfolgt im Landkreis eine Auswertung der Unfälle des Regionalen Verkehrsdienst des „Polizeipräsidium Osthessen“ (RVD), um Unfallschwerpunkte (Unfallhäufungsstellen) im Straßennetz auszumachen, berichtet die Pressestelle des Landkreises Fulda. Liegt eine solche Unfallhäufungsstelle vor, so berät die „Unfallkommission“, bestehend aus „RVD“, dem Straßenbaulastträger und der zuständigen Verkehrsbehörde über Maßnahmen zur Entschärfung der Situation. Dies kann die Anordnung einer maximale Höchstgeschwindigkeit, aber auch eine bauliche Veränderung sein.

Auch „ADAC“-Mann Blanke sagt: „Neben baulichen Maßnahmen, können auch örtliche Tempolimits, Überholverbote, Platz für Überholvorgänge aber natürlich auch die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen helfen Unfälle zu verhindern.“

„Alle zwei bis vier Jahre – je nach Straßenklasse und Bedeutung – werden durch die örtlich zuständigen Straßenverkehrsbehörden sogenannte ‚Verkehrsschauen‘ durchgeführt. An diesen Verkehrsschauen beteiligen sich sowohl die Polizei als auch die Straßenbaubehörden. Bei einer ‚Verkehrsschau‘ werden der Zustand und die Sichtbarkeit der Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen sowie Sichtfelder geprüft“, so die Pressestelle der „Polizei Osthessen“.

„Landstraßen weisen höchst unterschiedliche Ausbaustandards auf. Insbesondere nicht klassifizierte Gemeindeverbindungsstraßen sind häufig schmal, kurvig, unübersichtlich und in schlechtem Zustand. Autofahrer und Motorradfahrer verfügen dann nicht über die erforderlichen Sichtweiten, noch können dort die erforderlichen Sicherheitsstandards bei der Trasse vom Verkehrsteilnehmer erwartet werden. In der Regel handelt es sich um schmale Landstraßen bis sechs Meter Breite, die nicht für 100 km/h trassiert worden sind. Deshalb sagen wir, als zulässige Höchstgeschwindigkeit auf schmalen Landstraßen mit einer Fahrbahnbreite bis einschließlich sechs Metern sollte 80 Kilometer pro Stunde gelten. Bei Tempo 100 bestehen auf solchen Straßen nur geringe Sicherheitsreserven, um angemessen auf überraschende Situationen – Hindernisse, Gegenverkehr, langsame Verkehrsteilnehmer – sowie eigene oder fremde Fahrfehler reagieren zu können“, so Blanke.

Die „Polizei Osthessen“ rät: „Auf den Landstraßen treffen Fahrer von verschiedensten Verkehrsmitteln wie Pkw, Nutzfahrzeuge, Motorrädern oder landwirtschaftliche Maschinen sowie Fußgänger, Fahrradfahrer und Reiter aufeinander. Nirgends sonst überschneiden sich die Interessen von Berufsverkehr und Freizeitvergnügen so stark wie auf Landstraßen. Deshalb ist dort eine gegenseitige Rücksichtnahme unabdingbar. Darüber hinaus kann die Nutzung von intelligenten und fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen – wie Spurhalteassistenten, Antikollisionssysteme oder Fußgängererkennungssysteme – hier dem Unfallgeschehen entgegenwirken.

Um Wildunfälle möglichst zu vermeiden ist es wichtig, vorausschauend zu fahren sowie diesbezüglich ein erhöhtes Gefahrenbewusstsein zu entwickeln.“

Die Fahrer und Fahrerinnen sollten insbesondere in Waldabschnitten sowie im Bereich von Feldrändern mit einer Überquerung der Straße durch Wild rechnen, vor allem in den Abend- und frühen Morgenstunden (Dämmerung). Wichtig ist hier, die eigene Geschwindigkeit anzupassen sowie bremsbereit zu sein.

„Viele schwere Unfälle haben immer wieder schwerwiegenden Folgen auf das Leben der Betroffenen. Aus diesem Grund ist es eine besonders wichtige Aufgabe der Polizei, die Hauptursachen für Unfälle zu bekämpfen und damit die Unfallzahlen zu minimieren“, so die Pressestelle des „Polizeipräsidiums Osthessen“. In diesem Zusammenhang appelliert die Polizei an alle Verkehrsteilnehmer, sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten sowie auf riskante Überholmanöver zu verzichten.

Und auch Blanke sagt dazu: Fuß vom Gas! Vorausschauend und verantwortungsbewusst fahren, nicht unter Zeitdruck, emotional aufgewühlt oder körperlich gestresst hinter das Lenkrad setzen“.

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