Wie geht es dem Autohandel  in Osthessen? Gespräch mit Hans L. Scheller

"Kunden treten nahbarer und bescheidener auf"

Fulda - Hans L. Scheller, Seniorchef der „Scheller Beteiligungsgesellschaft mbH“ mit Sitz in Fulda, zur aktuellen Situation der regionalen  Automobilbranche.

FULDA AKTUELL: Wie ist Ihr Autohaus bislang durch die Krise gekommen?

HANS SCHELLER: Bis jetzt sind wir, auch aufgrund unserer eigentlichen laufenden Geschäftspolitik, moderat betroffen. Natürlich tun die fehlenden Einheiten weh, aber es ist verkraftbar. Noch haben wir einen vernünftigen Vorlauf, der aber seitens der Hersteller erst erfüllt werden muss. Dank komplexer Lagerhaltung sind wir auch in der Lage, kurzfristig zu reagieren.

FA: Halten Sie den Lockdown im Nachhinein für gerechtfertigt und sinnvoll?

SCHELLER: Selbstverständlich war der Lockdown notwendig und richtig. Darüber gibt es unsererseits keinen Zweifel. Dass Vorsicht, auch aktuell, geboten ist, sollte jedem bewusst sein. Allerdings sollten wir nun auch wieder das normale Leben anstreben.

FA: Welche Erfahrungen haben Sie in den ersten Wochen der Lockerung gemacht?

SCHELLER: In den ersten Tagen war eine sehr starke Zurückhaltung und vielleicht sogar eine gewisse Unsicherheit bei den Menschen zu spüren. Es ist für jeden gewöhnungsbedürftig, jemandem mit Maske gegenüber zu stehen und ein Verkaufsgespräch zu führen. Gestik und Mimik sind auf einmal nicht mehr erkennbar, aber auch daran kann man sich gewöhnen. Das Interesse ist da, die Kaufentscheidung wird bei dem Einen oder Anderen aber noch aufgeschoben. Erst wurde auf die Entscheidung gewartet, ob Kaufsubvention Ja oder Nein. Nun warten wir auf die Minderung der Mehrwertsteuer.

FA: Wie begegnen Ihnen die Kunden?

SCHELLER: Derzeit habe ich persönlich den Eindruck, dass die Kunden/Interessenten nahbarer und bescheidener auftreten. Vielleicht ist dies auch der Situation geschuldet, dass noch niemand eine Pandemie erlebt hat.

FA: Können/Wollen Sie etwas dazu sagen, wie sich das Kaufverhalten Ihrer Kunden bezüglich Neu- beziehungsweise Gebrauchtwagen verändert hat?

SCHELLER: In den letzten Wochen war, bevor die Reduzierung der Mehrwertsteuer bekannt wurde, mehr Nachfrage nach Gebrauchtwagen zu beobachten. Die Sicherung der Mobilität stand da wohl eher im Vordergrund.

FA: Wie bewerten Sie die Absage der Bundesregierung bezüglich Subventionen für den Kauf von Autos mit Verbrennungsmotor?

SCHELLER: Wir sind und waren der Meinung, dass eine Kaufprämie über das bereits vorhandene Maß hinaus, nicht zwingend notwendig ist und war. Die Erhöhung der Prämien für Elektromobilität und Hybride wird zumindest zum Teil, ins Leere laufen, da die Produktionskapazitäten in diesem Bereich sehr begrenzt sind. Seitens der Politik muss dann sicherlich auch noch geklärt werden, wie es sich zum Beispiel mit der gesenkten Mehrwertsteuer verhält, wenn ein Fahrzeug, und das wird gewiss der Fall sein, eine längere Lieferzeit hat.

FA: Werden Sie die abgesenkte Mehrwertsteuer an Ihre Kunden weitergeben?

SCHELLER: Selbstverständlich werden wir die Minderung des Mehrwertsteuersatzes weiter geben. Hier, und an dieser Stelle, sei auch nochmals betont, dass der Kunde nicht mit seinem Kauf warten muss bis nach dem 1.Juli. Es zählt, vielleicht ist dies noch nicht jedem bewusst, das Datum der Rechnungsstellung und die Auslieferung, also die Erbringung der Leistung, an den Kunden. Also jetzt kaufen und ab dem 1.Juli abholen, ist kein Problem. Es könnte durchaus Sinn machen, den Kauf jetzt zu tätigen, bevor der Run im Juli beginnt.

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