´Es geht ihnen gut´

Alsfeld/Kalbach/Fulda. - Im Jahr 2005 hatten sich in Alsfeld und in Kalbach knapp 2.300 Menschen als potenzielle Stammzellspender bei der DKMS D

Alsfeld/Kalbach/Fulda. - Im Jahr 2005 hatten sich in Alsfeld und in Kalbach knapp 2.300 Menschen als potenzielle Stammzellspender bei der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei registrieren lassen. Sie alle wollten den damals dreijhrigen Zwillingen Sebastian und Benedikt aus Alsfeld und anderen Patienten helfen, deren einzige berlebenschance eine Stammzelltransplantation war. Inzwischen sind aus den beiden Aktionen bereits sieben Stammzellspender hervorgegangen. Auch die Zwillinge konnten transplantiert werden und es geht ihnen gut, beide besuchen die Schule.

Als vor rund fnf Jahren bekannt wurde, dass die Zwillinge Sebastian und Benedikt aus Alsfeld an einer seltenen Erkrankung des blutbildenden Systems leiden und nur eine Stammzellspende ihr Leben retten kann, lste das in der ganzen Region eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Freunde der Familie setzten alle Hebel in Bewegung, um gemeinsam mit der DKMS Typisierungsaktionen zu organisieren. Rund 100 ehrenamtliche Helfer und Blutabnehmer ermglichten einen reibungslosen Ablauf der Aktionen, bei denen knapp 2.300 neue potenzielle Stammzellspender in die DKMS aufgenommen werden konnten. Auch die finanzielle Untersttzung war enorm. Es kamen ber 130.000 Euro an Spendengeldern zusammen, so dass beide Aktionen voll finanziert werden konnten. Mit dem berschuss in Hhe von 15.000 Euro konnten sogar die Typisierungen weiterer 300 Spender aus anderen, unterfinanzierten, Aktionen ermglicht werden.

Auch Jens Montry hatte sich damals typisieren lassen. Der 32-jhrige Fachinformatiker aus Fulda hatte damals ber seine Mutter von der Aktion erfahren und so bin ich da einfach mal hingegangen", erinnert er sich. Zwei Jahre spter kam er erstmals in die engere Auswahl fr einen Patienten, doch erst im vergangenen Jahr war er dann tatschlich der Richtige. Als ich den Anruf von der DKMS bekam, war ich im ersten Moment schon etwas berrascht und es war ein sonderbares Gefhl. Aber ich musste nicht lange berlegen. Natrlich wollte ich helfen."

Nach einer umfassenden Voruntersuchung in der Entnahmeklinik in Frankfurt gab man Montry ein Medikament mit, welches er sich ber mehrere Tage unter die Haut spritzen musste. Dieser hormonhnlichen Stoff (Wachstumsfaktor) stimuliert die Produktion der Stammzellen, die dann ber ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt werden. Die erste Spritze hat schon etwas lnger gedauert", gibt Montry schmunzelnd zu, doch nach der ersten berwindung ging es ganz easy, mich selber zu spritzen." Whrend dieser Vorbereitungsphase habe er die von der DKMS angekndigten Nebenwirkungen wie Kopf- und Gliederschmerzen gehabt. Mit Paracetamol war das gut auszuhalten. Unangenehmer fand ich die Spende selbst, weil ich mich whrenddessen nicht bewegen durfte. Ich sa also fnf Stunden lang mehr oder weniger regungslos da an dieser Maschine. Aber natrlich kann man auch das aushalten. Man wei schlielich, dass man dadurch vermutlich einem Menschen das Leben retten kann."

In den ersten zwei Jahren mssen Spender und Empfnger anonym bleiben. Danach drfen sie sich - wenn beide das wnschen - kennen lernen. Bislang wei Montry ber die Empfngerin seiner Stammzellen lediglich, dass es sich um eine 58- jhrige Frau aus Deutschland handelt. Drei Monate nach der Spende informierte mich die DKMS darber, dass die Frau auf dem Weg der Besserung und schon wieder zu Hause sei. Das war ein schnes Gefhl", freut sich der Familienvater.

Jens Montry ist bereits der siebte Spender, der bislang aus den Typisierungsaktionen fr Sebastian und Benedikt hervorgegangen ist.

Sieben Spender bedeuten sieben berlebenschancen. Das ist eine tolle Bilanz", freut sich Gertraude Schlitt, die Mutter der in 2005 erkrankten Zwillinge. Das Engagement der Bevlkerung damals war groartig und hat uns sehr viel Kraft gegeben in dieser schwierigen Zeit ."

Fr Benedikt und Sebastian konnte damals weltweit kein passender Fremdspender gefunden werden. Letztlich hat dann doch der Vater fr die Zwillinge gespendet, obwohl er nur zu 50 Prozent gepasst hat und man vorher nicht einschtzen konnte, ob diese bereinstimmung fr eine erfolgreiche Transplantation ausreichen wrde. Zum Glck hat es geklappt", freut sich Gertraude Schlitt. Seit der Transplantation geht es unseren Zwillingen immer besser. Sie gehen beide in die Schule und toben herum wie die anderen Jungs auch."

Alle 45 Minuten reit die Diagnose Leukmie in Deutschland jemand neu aus seinem bisherigen Leben, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Unzhligen Patienten kann nur durch eine Stammzellspende geholfen werden.

Fr eine erfolgreiche Transplantation mssen die Gewebemerkmale eines Spenders nahezu vollstndig mit denen des Patienten bereinstimmen - bei hufigen Merkmalskombinationen kann einer unter 20.000 gefunden werden, bei seltenen Gewebemerkmalen findet sich eventuell unter Millionen kein passender Stammzellspender.

Bereits mehr als zwei Millionen Menschen haben sich als potenzielle Stammzellspender bei der DKMS registrieren lassen. Sie ist die weltweit grte Datei. Seit Grndung der DKMS im Jahr 1991 wurde auf diese Weise ber 20.000 mal die Chance auf Leben geschenkt. Die DKMS vermittelt tglich zehn Stammzellspender, trotzdem findet sich immer noch fr jeden fnften Patienten kein geeigneter Spender. Deshalb ist es wichtig, dass sich mglichst viele Menschen in die Datei aufnehmen lassen. Jeder, der sich heute in die Datei aufnehmen lsst, kann vielleicht schon morgen zum Lebensretter werden. Mitmachen kann jeder, der zwischen 18 und 55 Jahren alt und gesund ist und einen BMI von 40 nicht berschreitet.

Die Typisierung eines jeden neuen Spenders kostet 50 Euro. Als gemeinntzige Gesellschaft ist die DKMS bei der Spenderneugewinnung allein auf Spendengelder angewiesen. Jeder Euro zhlt! DKMS Spendenkonto 25 55 56 bei der Kreissparkasse Tbingen (641 500 20). Weitere Informationen unter www.dkms.de.

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