Wie geht es Opfern von Wohnungseinbrüchen danach?

Polizei-Pressesprecher Martin Schäfer im Gespräch mit zwei Einbruchsopfern. Foto: Polizei

Nach einem Einbruch in die eigene Wohnung ist oft das Sicherheitsgefühl zerstört. Wie geht es Opfern von Wohnungseinbrüchen nach der Tat?

Osthessen. Der Einbruch in die eigene Wohnung ist ein schlimmes Ereignis. Es verfolgt die betroffenen Opfer oft über Monate oder länger. Die Einbruchspuren sind beseitigt, der materielle Schaden oft von den Versicherungen ersetzt. Was bleibt, ist das zerstörte Sicherheitsgefühl, das schmerzende Bewusstsein, dass ein Fremder in den eigenen vier Wänden war, in der Privatsphäre herumgestöbert, sich an persönlichen Sachen vergriffen, und die Wäsche durchwühlt hat. Zwei Frauen aus der Region schildern im persönlichen Gespräch, wie sich ihr Leben nach dem Einbruch verändert hat.

An einem Wintertag war der Einbrecher in das schicke Einfamilienhaus in einer ländlichen Gemeinde eingebrochen. Er hatte ein Fenster aufgehebelt, die Wohnung durchsucht und war mit Bargeld und einem gestohlenen Ring entkommen. Die zur Tatzeit 47-jährige Bewohnerin des Hauses schildert ihre ersten Eindrücke: "Nachdem ich registriert hatte, dass in unser Haus eingebrochen worden war, funktionierte ich die nächsten 24 Stunden nur automatisch. Gefühle konnte ich kaum empfinden. Polizei anrufen – Diebesgut feststellen – Handwerker zu Reparaturarbeiten bestellen – Versicherung anrufen – und so weiter. Schlaf fand ich kaum in den nächsten Nächten. Ich wälzte mich im Bett herum und lauschte auf jedes Geräusch. In den späteren Tagen machte sich dann ein permanentes Unwohlsein bemerkbar, ein mulmiges Gefühl in den eigenen Wänden. Besonders schlimm war es, wenn mein Mann nicht zuhause war. Ich konnte den Anblick der Einrichtung nicht mehr ertragen und stellte mir immer wieder vor, dass der Täter alles angefasst hatte. Schließlich haben wir das komplette Erdgeschoss und weitere Räume renovieren lassen, Gardinen erneuert und Mobiliar umgestellt. Durch diese Maßnahmen und mit der Zeit kehrte das Sicherheitsgefühl langsam wieder zurück.

Wir nutzten auch die Möglichkeit zur kriminalpolizeilichen Beratung und bauen seit dieser Analyse die Sicherheitsvorkehrungen an unserem Haus permanent aus. Allerdings bin ich seit dem Einbruch wesentlich vorsichtiger. Ich reagiere sensibler und achte auf jede Veränderung auf unserem Anwesen. Eine große Hilfe ist mir mein Ansprechpartner bei der Kripo Fulda. Er gibt mir wichtige Ratschläge, wenn ich ihn anrufe. Meinem Mann bin ich sehr dankbar für sein Verständnis, gerade bei meinen Wünschen zum Ausbau der Sicherheitsmaßnahmen. Auch wenn inzwischen etliche Monate seit dem Einbruch vergangen sind, er bleibt Gesprächsthema in unserer Familie, vergessen werden wir ihn nie.”

In einem Stadthaus in Fulda: Die Nachtruhe der zur Tatzeit 41-jährigen Frau wird abrupt gestört. Ein ihr unbekannter Mann steht plötzlich in ihrem Schlafzimmer. Laut schreiend fährt sie hoch, springt aus dem Bett und folgt dem flüchtenden Dieb durch das Treppenhaus. Im Erdgeschoss weckt sie ihren schlafenden Mann, die Polizei wird alarmiert.

Wenig später nehmen die Beamten einen Einbrecher fest, zwei können entkommen. In seiner Tragetasche hat er den zuvor gestohlenen Laptop. Die ersten vier Wochen nach dem nächtlichen Einbruch und dem Täterkontakt werden für das Opfer zu einer Tortur. Sie kann nicht schlafen, fühlt sich körperlich unwohl und erkrankt schließlich. Ihr Arzt behandelt sie medikamentös, psychologische Betreuung möchte sie nicht annehmen.

Das Vertrauen in ihre Mitmenschen hat sie zunächst verloren. Bei jedem Mann, der ihr auf der Straße begegnet fragt sie sich: Könnte das der Einbrecher gewesen sein? Bei ihrem Ehemann trifft sie auf Unverständnis mit ihren Befürchtungen. Polizeilich empfohlene Sicherungsmaßnahmen lehnt er grundsätzlich ab, er ärgert sich lediglich über die gestohlenen Sachen.Obwohl seit dem Einbruch auch ein Haustürschlüssel unauffindbar ist, weigert er sich das Schloss auszuwechseln. Zunächst versucht sich die Frau mit der Situation zu arrangieren, der Kinder zuliebe. Sie putzt das ganze Haus von oben bis unten und desinfiziert alles, was die Täter berührt haben könnten. Doch es geht nicht mehr. Der Einbruch führt nun auch zum Bruch der bereits vorher angespannten Ehe. Sie verlässt ihren Mann und zieht in eine andere Wohnung. Nach einem halben Jahr entspannt sie sich langsam.

Sie ist zwar eine starke Frau, doch bei unverhofften Geräuschen, oder wenn sie unerwartet von Männern angesprochen wird, reagiert sie noch immer schreckhaft. Die Gerichtsverhandlung gegen den Einbrecher beginnt in den nächsten Tagen. Sie hat eine Vorladung erhalten. Eigentlich möchte sie dem Mann nicht mehr begegnen, aber sie ist ja eine starke Frau.

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