Wie geht es unserem Wald?

Bestandsaufnahme mit dem Forstamtleiter Hofbieber, Florian Wilshusen.

Hofbieber - Dem Wald geht es schlecht. Dies gilt leider auch für den Zuständigkeitsbereich von Florian Wilshusen, dem Leiter des Forstamtes Hofbieber. Zusammen mit „Fulda aktuell“ hat er eine Tour unternommen, um vor Ort über den Zustand zu informieren.

Mehrere Faktoren

„Seit 2018 leidet der Wald unter einer Abfolge von Stürmen und Dürrephasen in der Vegetationsperiode“, betont Wilshusen zu Beginn. Die Folge: Es fehlen allein in dieser so wichtigen Phase wenigstens 400 Liter Wasser pro Quadratmeter. Der Forstamtsleiter ergänzt: „In 2018 war das Wasserdefizit am größten und schon im Frühjahr extrem. In 2019 war es zwar etwas besser, aber immer noch zu wenig, und auch das Jahr 2020 ist geprägt durch lange Trockenphasen“.

Drastische Zahlen

Die geschwächten Bäume sind anfällig für Schädlinge, besonders Borkenkäfer und Pilze“. Wilshusen nennt drastische Schadenszahlen: Die Absterberate der Bäume hat sich im Durchschnitt versiebenfacht – drei von 100 Bäumen sind tot. Zehn Prozent der Waldfläche sind von flächigen Störungen betroffen – sie sind kahl oder so geschädigt, dass das Waldgefüge zerstört ist. Besonders betroffen sind die in der Rhön so wichtigen Hauptbaumarten Fichte und Buche. Aber auch alle anderen Baumarten leiden unter der Trockenheit. Die Schäden stellen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer vor erhebliche Herausforderungen. Vom Borkenkäfer befallenes Holz muss innerhalb weniger Wochen aus dem Wald gefahren werden, um die Schäden einzudämmen. Das übrige Schadholz kann nur mit Abschlägen oder gar nicht mehr vermarktet werden. Es wird oftmals nicht nur unwirtschaftlich das Holz zu nutzen, sondern es führt zu hohen Aufwendungen, die nicht jeder stemmen kann. Der Aufwand für die Holzernte übersteigt zum Teil die Erlöse und das Problem verschärft sich mit zunehmenden Schadholzanfall.

Alle sind betroffen

„Betroffen sind wir aber alle, nicht nur die Waldbesitzer.“ Das Waldbild in Hessen wird sich erheblich ändern. Kahlflächen und verbuschte Flächen prägen das Bild bereits jetzt in einigen Landesteilen. Auf den geschädigten Flächen wird der Wald auf Jahre nicht alle Waldfunktionen erfüllen können. Mit der Schadholzmenge sinkt zum Beispiel auch der Zuwachs und die zukünftig nachhaltig nutzbare Holzmenge. Das Holz steht den hessischen Bürgern nicht mehr zur Verfügung und es kann auch kein Kohlenstoffdioxid gebunden werden, was gerade aktuell so eminent wichtig wäre. Tote Bäume und Baumteile, wie sie allerorts zu finden sind, erhöhen dann letztendlich auch die Gefahren für alle Waldbesucher.

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