Gemeinsam stark sein

Die „Telefonseelsorge Fulda“ bietet rund um die Uhr eine seelsorgerliche Telefonberatung für Menschen mit persönlichen Fragen und für Menschen in Krisensituationen an.

Die „Telefonseelsorge Fulda“ hilft in schwierigen Zeiten

Fulda. Zum Hörer greifen und bei der „Telefonseelsorge“ anrufen – ein Schritt der sicher nicht jedem leicht fällt. Und doch ist es ein sinnvoller Weg für schwer belastete Menschen, um mit ihren Problemen nicht alleine zu sein.

Seit Corona das Leben vieler Menschen überschattet, hört man Meldungen von deutlich mehr unzufriedenen Menschen. Wie belastet ist die „Telefonseelsorge“ momentan? Und rufen durch die Pandemie mehr Menschen an? „Fulda aktuell“ hat sich mit Pfarrerin Dagmar Scheer, der Leiterin der „Telefonseelsorge Fulda“ unterhalten. Sie startete am 1. März dieses Jahres in ihr Amt als Leiterin der „Telefonseelsorge“ und wird von zwei weiteren Hautamtlichen unterstützt: Hermann Held und Sozialpädagogin Dorotheé Vilmin. Dazu kommen rund 80 Ehrenamtliche.

FULDA AKTUELL: Macht den Menschen, die bei der Telefonseelsorge anrufen, Corona zu schaffen?

DAGMAR SCHEER: Zu einem guten Teil steht in den Gesprächen die persönliche Belastung im Vordergrund und die aktuelle Corona-Situation wird als zusätzliche Belastung empfunden und thematisiert. Dabei hauptsächlich die Begegnungseinschränkung. Corona führt beim Thema Einsamkeit zu einem erhöhten Empfinden.

FA: Rufen durch die Pandemie mehr Menschen an als vorher?

SCHEER: Ja. Zu Beginn der Pandemie war ein deutlicher Anstieg der Anruferzahlen zu verzeichnen. Den Sommer über ist dieser Anstieg abgeflacht und jetzt seit Herbst wieder etwas angestiegen. Nicht so hoch wie während des ersten Lockdowns, aber schon deutlich über dem sonstigen Niveau.

FA: Wie wichtig ist die Seelsorge in dieser Zeit gerade?

SCHEER: Natürlich ist Seelsorge immer wichtig. In diesen Zeiten zeigt sich allerdings deutlich, dass die Pandemie Menschen zu grundlegenden Fragen führt und seelsorgerische Begleitung sie unterstützen kann.

FA: Können die Anrufer immer anonym bleiben?

SCHEER: Ja, klar. Die Anonymität der Anrufenden ist ein Grundprinzip der Telefonseelsorge, das nicht nur in den Statuten verankert ist, sondern auch durch einen hohen datenschutzrechtlichen Standard abgesichert ist.

FA: Mit welchen Problemen werden Sie konfrontiert und wie geht man damit um?

SCHEER: Viele unserer Anrufenden sind in Langzeit belasteten Lebenssituationen. Seien es psychische Erkrankungen, schwierige Lebensverhältnisse oder problematische Lebenssituationen. In solchen Gesprächen stehen zuhören, Verständnis zeigen, aushalten, bestärken und Hoffnung geben im Vordergrund.

Für Anrufende mit aktuellen Problemsituationen sind stärker sortieren, differenzieren, Perspektivwechsel und Lösungsentwicklungen im Gespräch gefragt.

FA: Braucht man eine spezielle Ausbildung um mit diesen Menschen zu sprechen?

Scheer: Unsere Erfahrung zeigt, dass eine gute Vorbereitung auf diesen Dienst eine wichtige Voraussetzung ist, um den Ehrenamtlichen Handwerkszeug und Sicherheit für den Dienst mitzugeben, denn das Gespräch führen sie ja dann alleine und wenn aufgelegt ist, endet erst einmal die Möglichkeit zu begleiten.

Wir bereiten deshalb in einem einjährigen Vorbereitungskurs die ehrenamtlichen auf diesen Dienst vor und danach begleiten wir den aktiven Dienst mit Supervision und Fortbildung.

FA: Was geschieht im Ernstfall, wenn jemand Ihnen anvertraut sich das Leben nehmen zu wollen?

Scheer: Grundsätzlich sind wir bemüht, einen Menschen in seiner schweren Situation Unterstützung, Kraft und Hoffnung zu geben, damit er für sein Leben Perspektiven und Sinn entwickelt. Letztlich sind wir aber natürlich machtlos, welchen Weg ein Mensch geht. Gibt er keinen konkreten Hilferuf an uns weiter, müssen wir ihn am Ende eines Gespräches schweren Herzens in seine Zukunft ziehen lassen.

FA: Wann ist die „Telefonseelsorge“ erreichbar?

Scheer: Die „Telefonseelsorge Fulda“ arbeitet im Verbund mit ihren Nachbarstellen und ist, sofern sich nicht alle Stellen im Gespräch befinden, Tag und Nacht erreichbar. Durch die telefonischen Anfragen bedingt kann es aber leider durchaus sein, dass Anrufende mehrmals versuchen müssen die „Telefonseelsorge“ zu erreichen. Dazu ermuntern wir ausdrücklich.

Unterstützung erhalten die Ehrenamtlichen der „Telefonseelsorge“ seit 2008 vom Förderverein, der sie organisatorisch, finanziell und ideell unterstützt. Die finanzielle Unterstützung des Fördervereins ist ein Ausdruck der Wertschätzung dieses Dienstes. So erfahren die Ehrenamtlichen Anerkennung und Motivation für ihre ehrenamtliche Tätigkeit.

Unter den Rufnummern 0800/ 1110111 und 0800/1110222 ist die „Telefonseelsorge Fulda“ immer erreichbar.

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