Genug vom Wischi-Waschi-Wahlkampf

"Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz
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"Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz

Redaktionsleiter Bertram Lenz über die aktuelle politische Großwetterlage

VON BERTRAM LENZ

Man muss sich nur einmal des Datums bewusst werden: am 26. September ist Bundestagswahl. Würde nicht mindestens einmal pro Woche ein neuer Plagiatsvorwurf gegen einen der Kandidaten erhoben werden, der anstehende Urnengang ginge im besten Sinne des Wortes an vielen von uns vorbei. Um es einmal ganz drastisch zu formulieren: Ich habe ganz selten einen Wahlkampf erlebt, der – ohne die Vorwürfe kleinreden zu wollen – derart von Nebensächlichkeiten geprägt gewesen wäre wie der aktuelle.

Daher ist es kein Wunder, dass es den Wählern inzwischen einfacher fällt, diejenigen Stellen aus den Büchern zu zitieren, die Annalena Baerbock und Armin Laschet abgeschrieben haben sollen), als nur einen Satz aus den Wahlprogrammen von Union, SPD, Grünen etc. zu kennen. Oder man wird von einem nahezu monströsen Katalog an Vorschlägen „für die ersten 100 Tage“ fast erschlagen, wie ihn die Grünen am Dienstag präsentiert haben.

Der einzige, der das gedämpfte Gefühl der gepflegten Langeweile aufbricht, ist der bayrische Ministerpräsident und beinahe Unions-Kanzlerkandidat Markus Söder, der Laschet mit harschen Worten ermahnt, „in den nächsten Wochen noch besser klarzumachen, wofür die Union steht“. Wobei dieses „noch besser“ sehr schmeichelhaft ist, denn von Laschet war diesbezüglich noch sehr wenig zu vernehmen.

Und Söder, der Laschet zwar volle Unterstützung versprochen und dennoch kaum eine Gelegenheit auslässt, um Kontra zu geben, hat klar erkannt, dass es falsch ist, sich auf den Fehlern anderer ausruhen zu wollen beziehungsweise auf Fehltritte der Kontrahenten zu lauern: „Es ist längst nicht selbstverständlich, dass wir als Union die Regierung bilden und das Kanzleramt verteidigen können“, sagt der CSU-Vorsitzende im Gespräch mit dem „Spiegel“. „Im September besteht die Gefahr einer Ampel.“

Hinzu kommt, dass parallel zu Corona die Flutkatastrophe davon abgelenkt hat, welche wichtigen nationalen und internationalen Herausforderungen anstehen. Doch auch angesichts der Wassermassen, die Menschenleben gekostet und viele Existenzen vernichtet haben, lautet die ernüchternde Bilanz des Wahlkampfes: Fehlanzeige! Außer vermeintlich medienwirksamen Bildern und Versprechungen auf finanzielle Hilfe.

Ein Kollege der „Welt“ hat es auf folgenden Nenner gebracht: „Deutschland torkelt nach 16 Jahren Angela Merkel einigermaßen desinteressiert in eine ungewisse Zukunft“. Was fehlt, das sich engagierte Debatten, bei denen sich Führungsstärke herauskristallisieren könnte, und nicht solch ein belangloses Wischi-Waschi-Geplänkel wie bislang.

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