Jede Krise hat ihre Gesichter: Öffentliche und Verborgene

Klartext von "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz über Söder, Merkel, Spahn,  Drosten, Wieler, Hopp und die vielen Unbekannten

Fulda - Jede Krise hat ihre Gesichter. So auch die Corona-Pandemie, die binnen weniger Tage nicht nur unser Land auf eine Weise verändert hat, wie wir es zu Jahresbeginn nicht für möglich gehalten hätten.

Die „öffentlichen“ Gesichter der Krise sind für mich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der gewissermaßen als Notfallmanager einen tollen Job macht und sich als Macher präsentiert, den dieses Land gerade zu einem solchen Zeitpunkt bitter nötig hat. Obgleich man Bundeskanzlerin Angela Merkel attestieren muss, am Mittwochabend eine wirklich gute Rede gehalten zu haben, die den bitteren Ernst der Lage verdeutlichte. Auch wenn sie (noch) vor Verkündung der Ausgangssperre als Ultima Ratio zurückschreckt. Was in meinen Augen ein Fehler ist.

Einen guten Job macht derzeit aber auch der bisweilen unterschätzte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Es könnte sein, dass er vorschnell seine Kandidatur um den CDU-Vorsitz zurückgezogen hat...

Ein weiteres Gesicht ist Christian Drosten, der bis vor wenigen Wochen nur Insidern bekannt war. Inzwischen aber ist der Virologe von der Berliner „Charité“ rund um die Uhr auf allen Kanälen präsent: als (nicht unumstrittener) Mann, der uns das Virus erklärt. Dies unaufgeregt und in einer Sprache, die für Laien verständlich ist – dabei aber nichts beschönigend.

Gleiches gilt für Lothar Wieler, den Chef des „Robert Koch-Institutes“ (RKI), der den Deutschen täglich eine neue Bewertung des Gesundheitsrisikos nahebringen muss und dabei stets Klartext spricht. So auch am Dienstag, als er eindringlich daran appellierte, sich an die seit Montag verhängten Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens zu halten. Dinge, von denen einige Zeitgenossen anscheinend immer noch meinen, diese Regeln gälten nicht für sie.

Bliebe noch Dietmar Hopp, Mehrheitseigner der Tübinger Firma „Curevac“, der US-Präsident Donald Trump furchtlos die Stirn geboten hat, als der auf die ihm eigene Weise versuchte, der Hopp-Firma die Exklusivrechte an einem Corona-Impfstoff abzukaufen, an dem „Curevac“ schon länger forscht. Das ist derselbe Hopp, der vor wenigen Wochen von Ultras in den Fußballstadien zum wiederholten Male auf das Widerwärtigste angefeindet wurde. Anstatt ihn im Fadenkreuz zu zeigen und Schmähplakate zu präsentieren, müssten jetzt eigentlich „Danke!“-Schilder gezeigt werden.

Neben diesen in der Öffentlichkeit stehenden Personen aber gibt es die zahllosen Frauen und Männer, die derzeit am Limit schuften, weil sie vielleicht in einem medizinischen oder in einem Pflegeberuf tätig sind. Oder jene, die im Einzelhandel arbeiten und zum Beispiel an der Kasse täglich mit anderen in Berührung kommen oder deren Unwillen ausgesetzt sind, wenn Regale nicht schnell genug aufgefüllt wurden.

Oder jene, die sich zusammengetan haben, um anderen Menschen zu helfen. Auch in unserer Region gibt es gottlob solche Beispiele, die zeigen, dass auch in Krisenzeiten die Mit-Menschlichkeit und das Füreinander-Dasein noch eine Chance haben.

Ihnen allen ein DANKE!

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