Ungeahnte Herausforderungen in krisenhafter Zeit

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Stefan Schunck (links) und Michael Konow, sein Nachfolger als IHK-Hauptgeschäftsführer.

Gespräch mit Michael Konow, neuer Hauptgeschäftsführer der "IHK Fulda", und seinem Vorgänger Stefan Schunck 

Fulda - Der Wechsel in der Position als Hauptgeschäftsführer der Fuldaer „IHK“ fällt in unruhige Corona-Zeiten: Seit 1. April bekleidet Michael Konow das Amt, das Stefan Schunck 21 Jahre lang innegehabt hatte. Der 61-Jährige hatte als Grund für seinen Rückzug genannt, sich seiner persönlichen Lebensplanung widmen zu wollen. Schuncks 38-jähriger Nachfolger war im Oktober 2019 einstimmig bestellt worden. Im Doppelinterview äußern sich beide zu den unterschiedlichsten Themenkomplexen.

 „Der Neue

Fulda aktuell: Haben Sie sich schon ein wenig in der Region Fulda eingefunden?

Michael Konow: Jeden Abend erkunde ich die Region Fulda beim Jogging auf unterschiedlichen Wegen zwischen Künzell und dem „Schloss Fasanerie“. Obwohl derzeit das Leben leider nur eingeschränkt möglich ist, genieße ich jede Minute in einer wirklich lebenswerten Region. Und wenn im Sommer erst meine Familie aus Hamburg nach Künzell zieht und das Leben hoffentlich seinen gewohnten Rhythmus wiedergefunden hat, werden wir die Region gemeinsam intensiv entdecken.

FA: Wie beurteilen Sie nach dem ersten In-Augenschein-Nehmen die wirtschaftliche Situation im „IHK“-Bezirk Fulda?

Konow: Als ich im Oktober letzten Jahres zum Hauptgeschäftsführer bestellt wurde, konnte ich mich auf eine prosperierende Region mit nahezu Vollbeschäftigung freuen. Derzeit sind die Aussichten wegen der Corona-Krise deutlich eingetrübt wie auch verschiedene Umfragen unserer „IHK“ zeigen. Wie schlimm die konjunkturelle Delle wirklich werden wird und wie lange die regionale Wirtschaft brauchen wird, um wieder auf das Niveau vor der Krise zu kommen, vermag im Moment niemand zu sagen.

FA: Welche Herausforderungen stellt die aktuelle Coronakrise dar? Wie können diese bewältigt werden?

Konow:In vielen Unternehmen geht es in diesen Tagen um das schiere Überleben, insbesondere in der Gastronomie, Hotellerie und Teilen des Einzelhandels. Glücklicherweise hat die Politik auf allen Ebenen sehr schnell reagiert und milliardenschwere Unterstützungsprogramme auf den Weg gebracht. Dort, wo es Nachbesserungsbedarf wie bei den Unternehmen von elf bis 250 Mitarbeitern gab, wurde schnell nachgebessert. Unsere „IHK“ berät die Mitgliedsunternehmen über die verschiedenen Hilfsprogramme und ist über den „Hessischen Industrie- und Handelskammertag“ im steten Austausch mit Politik und Verwaltung. Wenn alle Akteure wie in den letzten Wochen weiterhin solidarisch und effizient zusammenarbeiten, werden wir auch diese Krise bewältigen.

FA: Gibt es ein (Lebens)-Motto, an dem Sie sich orientieren?

Konow: Ich bin zwar kein echter Rheinländer, aber zumindest in Meckenheim bei Bonn aufgewachsen und sozialisiert worden. Und da habe ich das „Rheinische Jrundjesetz“ quasi im Blut.

Artikel 1 lautet „Et es wie et es“,

Artikel 2 „Et kütt wie et kütt“

und vor allem mit Blick auf die aktuelle Corona-Krise:

Artikel 3 „Et hätt noch emmer joot jejange.“

"Der Alte"

Wie fällt Ihre Bilanz nach 21 Jahren aus?

Stefan Schunck: Wenn ich nun auf über 21 Jahre Tätigkeit in unserer Region für die „IHK“ zurückblicke, so habe ich drei unterschiedliche Blickwinkel: Einen regionalen, einen wirtschaftlichen und zuletzt den persönlichen. In diesen mehr als zwei Jahrzehnten hat sich Osthessen nicht nur weiterentwickelt, sondern auch verändert. Die Chancen der Grenzöffnung 1990 sind genutzt worden, die Region ist heute auch gesellschaftspolitisch deutlich offener als vor zwei Jahrzehnten und jünger geworden – was natürlich auch an meinem zunehmenden Alter liegen kann. Wirtschaftlich haben wir uns – zumindest bis zur Coronakrise – sehr gut entwickelt. Für unsere niedrigen Arbeitslosenquoten werden wir sehr respektvoll betrachtet. Diese tolle Entwicklung haben wir in erster Linie unseren familiengeführten Unternehmen zu verdanken, die nicht in Quartalszahlen denken und zur Region und ihren Mitarbeitenden stehen. Persönlich bin ich sehr dankbar, dass ich diese Entwicklung in der „IHK“ miterleben und eventuell auch ein klein wenig mitgestalten durfte. Ich hatte das große Glück, mit drei Präsidenten zusammenzuarbeiten – Helmut Sorg, Bernhard Juchheim und Dr. Christian Gebhardt –, die sich ehrenamtlich für die „IHK“ und die Region einsetzen. Das hat nahezu täglich viel Freude bereitet.

FA: Wie stellt sich die wirtschaftliche Situation im „IHK“-Bezirk Fulda dar?

Schunck: Unser „IHK“-Bezirk zeichnet sich durch eine große Branchenvielfalt aus, so dass wir bislang von größeren konjunkturellen Verwerfungen verschont geblieben sind. Das hat sich zuletzt auch in der Finanzkrise 2009 gezeigt, durch die Unternehmen und Region gut hindurchgekommen sind. Das wünsche ich mir auch für die aktuelle Krise. Hinzu kommt die Durchmischung von großen, mittleren und kleineren Unternehmen mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten. Alle aber zeichnet eine hohe Innovationskraft und Standorttreue aus. Auch wenn nun Rückschläge nicht auszuschließen sind, ist das insgesamt eine gute Ausgangsbasis, in der wir uns befinden.

FA: Hätten Sie sich diesen Übergang so vorgestellt – vor dem Corona-Hintergrund?

Schunck:  Wer hätte sich noch vor ein paar Wochen das Ausmaß dieser Krise überhaupt vorstellen können? Ich jedenfalls nicht. Und schon gar nicht vor einem Jahr, als ich die Entscheidung bekanntgegeben habe, aus meinem Amt auszuscheiden. Deswegen: Nein, so habe ich mir den Übergang nicht vorgestellt und ich finde es schade, dass mein Nachfolger Michael Konow sich nun in dieser Zeit zurechtfinden muss. Aber ich bin davon überzeugt: Er bekommt das hin.

FA: Wie kann diese Krise bewältigt werden?

Schunck: Zunächst einmal gilt, dass vor allen wirtschaftlichen Überlegungen die gesundheitlichen Aspekte voranstehen. Auch mir persönlich fallen die unterschiedlichsten Einschränkungen nicht leicht. Dennoch aber glaube ich ist es besser, eher langsam als zu schnell Schritte in Richtung Normalität einzuleiten. Gut vertreten fühle ich mich derzeit durch unsere Exekutive, sei es auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene. Hier habe ich den Eindruck, dass Entscheidungen wohl durchdacht und nicht hektisch getroffen werden. Wohltuend für mich ist es im Übrigen auch, dass die manchmal doch recht kleinkarierten und auch populistischen parteipolitischen Auseinandersetzungen nicht mehr durchdringen.

FA: Welche persönlichen Pläne haben Sie für die Zukunft?

Schunck:  Einige Wochen bin ich nun noch in der „IHK“ mit unterwegs. Zum einen, um Unternehmen über die Corona-Förderprogramme zu beraten und zum anderen, um meinem Nachfolger Michael Konow den Weg in die Region zu erleichtern. Anschließend wollte ich für eine längere Zeit verreisen. Das wird nun eventuell nichts werden, sicherlich aber nachgeholt. Und abschalten kann ich auch auf ausgedehnten Wanderungen in der Rhön. Und was danach kommt: Ich bin selber gespannt. Warten wir es einfach ab.

Zur Person: Michael Konow

Konow, der mit einer Französin verheiratet und Vater eines siebenjährigen Sohnes ist, hat Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten Köln und Clermont-Ferrand und später berufsbegleitend „Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit“ an der „TU Kaiserslautern“ studiert. „2007 habe ich meinen Berufsweg als Trainee in der ,L-Bank‘ in Karlsruhe begonnen, danach zog es mich als Entwicklungshelfer des damaligen ,Deutschen Entwicklungsdienstes‘ nach Niamey in die Republik Niger, wo ich zwei Jahre lang den regionalen Handwerksdachverband beraten habe“.

Seit der Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2011 war er in der „Handelskammer Hamburg“ in unterschiedlichen Positionen tätig – zuletzt als Leiter der Abteilung Internationale Projekte und Partnerschaften.

Zur Person: Stefan Schunck

Nach seinem Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Fulda studierte Schunck Politikwissenschaften und Volkswirtschaft mit Abschluss als Diplom-Volkswirt. Der Assistenz eines Bundestagsabgeordneten folgte 1984 bis 1998 die Tätigkeit als Referent in der „Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände in Frankfurt“, bevor er vom 1. Oktober 1998 bis 31. März 2020 als Hauptgeschäftsführer der „IHK Fulda“ mit ihren 14.000 Mitgliedern wirkte.

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