Engagiert in Wiesbaden, doch eng der osthessischen Region verbunden

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Gäste der "Fulda aktuell"-Redaktion: Michael Ruhl und Thomas Hering im Gespräch mit Redaktionsleiter Bertram Lenz und Redakteurin Antonia Schmidt.

"Fulda aktuell"-Redaktionsgespräch mit den beiden direkt gewählten CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Hering (Fulda) und Michael Ruhl (Herbstein)

Fulda/Herbstein - Als direkt gewählte Landtagsabgeordnete sind Thomas Hering (Wahlkreis 14 Fulda 1) und Michael Ruhl (Wahlkreis 20 Vogelsbergkreis) in große Fußstapfen getreten. Nämlich in jene von Dr. Walter Arnold und Kurt Wiegel. Auf Einladung von „Fulda aktuell“ zogen die beiden CDU-Politiker eine erste Bilanz ihrer bislang neunmonatigen Wiesbadener Tätigkeit.

Hohes Lob wird dabei ihrer Fraktion zuteil, die sie von Beginn an eingebunden und sehr viel Nähe vermittelt habe. Auch ihre Vorgänger Arnold und Wiegel hätten durch vielschichtige Kontakte Hilfestellung geleistet und stünden mit Rat und Tat zur Seite. Eines wird in dem Gespräch schnell deutlich: Sowohl der „knapp 48-jährige“ Hering als auch der mit seinen 34 Jahren jüngste CDU-Abgeordnete Ruhl sind sehr stark mit der Region verwurzelt, wo beide herkommen: Der eine mit Stadt und Landkreis Fulda, der andere mit Herbstein und dem Vogelsbergkreis.

Und genau hier liegt auch die Grundlage ihres politischen Engagements für die CDU, das sie mittlerweile bis in die Landeshauptstadt geführt hat. Beide profitieren dabei auch von ihrer beruflichen Tätigkeit: Diplom-Verwaltungswirt Hering, der drei Jahre Theologie am Priesterseminar in Fulda studiert hat, absolvierte nach seiner Ausbildung ein Studium bei der Hessischen Polizei und war nach mehreren Stationen zuletzt bei der Autobahnpolizeistation Petersberg tätig. Ruhl studierte an der TU Darmstadt Wirtschaftsingenieurwesen mit der technischen Fachrichtung Maschinenbau auf Diplom, begann danach bei der Deutschen Bundesbank in Frankfurt im Bereich Bankenaufsicht und bearbeitete als Bundesbankoberrat Grundsatzfragen der Rechnungslegung und bankaufsichtlichen Offenlegung.

Seine Partei, die CDU, ist für den im Nordend engagierten Hering gerade auch für Fulda maßgeblich gestalterische Kraft, „die Verlässlichkeit, Stabilität und Zusammenhalt in der Region garantiert“. Sie sei zugleich Förderer und Bewahrer des Ehrenamtes, des Mittelstandes und der Tradition. Auch Ruhl charakterisiert sich selbst als „sehr Heimat bewusst“ und zehrt nach eigener Aussage noch heute von den Kontakten und Gesprächen, die er vor zwei Jahren während des Herbsteiner Bürgermeisterwahlkampfes hatte machen können. An der Kommunalpolitik schätze er, dass eine direkte Rückkopplung mit den Bürgern möglich sei.

Sein CDU-Kollege aus Fulda bezeichnet kommunalpolitisches Engagement als „direkte Form der Politik“ mit einem hohen Gestaltungsspielraum. Hering, der sich nicht scheut, kontrovers zu diskutieren, Gegenwind zu verspüren und sich mit Meinungen anderer sachlich auseinander zu setzen, spricht von einem Spagat, dem man in Wiesbaden ausgesetzt sei: Zum einen die Wünsche aus dem Wahlkreis, zum andern die landesweiten Ziele und Interessen innerhalb der schwarz-grünen Landesregierung.

Beide loben den kollegialen Umgang innerhalb der CDU-Fraktion, der es ihnen leicht gemacht habe, Fuß zu fassen. Während Hering dem Innenausschuss, Kulturpolitischen Ausschuss und Rechtspolitischen  Ausschuss angehört, ist Ruhl Mitglied des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie im Haushaltsausschuss und Petitionsausschuss. Gerade letztgenanntes Gremium verlange sehr viel Detailarbeit und besitze eine ungeheure Themenvielfalt. „Da ist die Nähe zur Kommunalpolitik gegeben“, so der 34-Jährige, der auch Sprecher seiner Fraktion für den Finanzplatz Frankfurt/Main ist. Hering dagegen ist Sprecher bei Themen rund um Migration und Asylrecht. „Das ist schon eine gewisse Herausforderung“, unterstreicht der Fuldaer, der sich eigener Aussage nach aber schon gut in die Materie eingearbeitet hat.

Apropos gut: Natürlich haben Hering und Ruhl auch schon so ihre Erfahrungen mit dem Politbetrieb in Wiesbaden machen können: Während der Mann aus Herbstein sich darüber freut, auf „kurzem Dienstweg“ über einen Staatssekretär den Zuschuss für einen Verein ermöglicht zu haben, macht den Mann aus Fulda stolz, wie ihn ein Fraktionsmitglied charakterisiert habe. „Ich will mich halt nicht verstellen“, so Hering, der wie auch Ruhl stolz darauf ist, als Landtagsabgeordneter die Interessen der Region zu vertreten.

Negativ merkt der Polizeibeamte die übertrieben häufigen Anträge der Opposition auf namentliche Abstimmungen an. „Wenn innerhalb der Fraktion und Koalition – auch heftig und kontrovers – diskutiert und eine Entscheidung herbeigeführt wurde, dann stehe ich dazu, auch wenn es weh tut. Das tue ich bei namentlicher Abstimmung genau so, wie ich es in geheimer Abstimmung täte. Hier den Verdacht zu nähren, Abgeordnete unter Druck setzen zu können, obwohl alle das politische Geschäft mit Kompromissen kennen, zeugt von schlechtem Stil“.

Apropos Regierung: Das Verhältnis zu den Mitgliedern der Grünen-Fraktion gestaltet sich insbesondere auf zwischenmenschlicher Ebene „sehr angenehm“, ist von Vertrauen geprägt. So kennen sich Ruhl und die Vogelsberger Grünen-Abgeordnete Eva Goldbach schon sehr lange von der gemeinsamen Arbeit in der „Europa-Union“. Auch Hering spricht von einem „ehrlichen und von gegenseitiger Sympathie“ geprägten Austausch, hat aber den Wunsch nach engerem Kontakt zu den Kabinettsmitgliedern des grünen Koalitionspartners. „So etwas gelingt am besten außerhalb des Plenarsaals bei Gelegenheiten zum Austausch und besseren Kennenlernen“, wie er betont.

Abschließend wird ebenso engagiert die Frage erörtert, wie sich gegenwärtig ihre Partei darstellt. Dabei unterscheiden beide vom Erscheinungsbild der CDU und von dem der GroKo in Berlin. Letzteres sei äußerst verbesserungswürdig, wie man erst vor Kurzem habe feststellen müssen, als die SPD sehr massiv die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kritisiert habe. Obgleich man mit dieser noch zuvor am Kabinettstisch in Berlin zusammengesessen habe.

Der CDU raten beide, nicht verschreckt in der Ecke sitzen zu bleiben, sondern Themen offensiv anzugehen und Standpunkte klar zu vertreten. „Erhobenen Hauptes und nicht beliebig und austauschbar sein“, so die Empfehlung. Damit die Bürgerinnen und Bürger draußen im Lande wüssten, was sie erwarte, sei es wichtig, eine Vision für die kommenden zehn bis 15 Jahre zu erarbeiten. Und dabei darzulegen, wie auf Herausforderungen wie Digitalisierung und Arbeitsmarkt reagiert werden müsse – bei gleichzeitiger Bewahrung traditioneller Werte.

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