In Frankfurt zuhause, stark verbunden mit der Rhön

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Matthias Altenburg alias Jan Seghers 2015 bei einer Lesung im Rahmen des Fuldaer "Krimifestivals"

Gespräch mit dem aus Fulda stammenden Bestsellerautor Matthias Altenburg (Jan Seghers) / Neuer Kriminalroman "Menschenfischer"

Fulda/Frankfurt - Er ist mit Titeln wie „Die Akte Rosenherz“, „Die Braut im Schnee“, „Die Sterntaler-Verschwörung“, „Partitur des Todes“ oder zuletzt durch „Menschenfischer“ zu einem Bestsellerautor geworden, seine Titelfigur Kriminalhauptkommissar Robert Marthaler njcht idank der Verfilmungen weit über Frankfurt/Main hinaus bekannt: der in Fulda geborene Matthias Altenburg. Besser bekannt unter seinem Pseudonym Jan Seghers.

Weil sich bei dem 59-Jährigen die Termine drängen und vor dem Hintergrund des aktuellen Buches zahlreiche Lesungen anstehen – nur leider nicht in unserer Region – wurde aus dem ursprünglich geplanten Redaktionsbesuch nichts. Stattdessen gab es einen regen E-Mailaustausch, der schließlich in ein Frage-und-Antwortspiel mündete.

 Fulda aktuell:  Sie sind 1958 in Fulda geboren. Gibt es noch Beziehungen zu dieser Region – außer, wenn Sie auf Lesereise Station machen?

Jan Seghers: Bis vor kurzem haben meine Schwiegereltern in Poppenhausen gewohnt. Ich habe die Aufenthalte dort gern für einen Ritt mit dem Rennrad auf die Wasserkuppe genutzt. Dann bin ich runter nach Gersfeld gesaust und auf dem gleichen Weg zurück gefahren. Und ... ach, die Rhön ist doch viel zu schön, als dass man seine Bindungen an sie verlieren könnte. Außerdem bin ich Teilbesitzer eines Rhönschafs.

FA: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Seghers: Als Kind war ich oft krank. Da wir in den ersten Jahren noch keinen Fernseher hatten, musste ich lesen. Und wer viel liest, in dem entsteht wohl unweigerlich der Wunsch, mal selbst zu schreiben. Und dann sind daran wohl auch die vielen guten Deutschlehrer Schuld, die mich durch ihren Zuspruch ermuntert haben.

FA:  Sie leben in Frankfurt, ihr bevorzugtes Fortbewegungsmittel ist das Rad. Daher auch der Name „Jan“ in Ihrem Pseudonym?

Seghers: Tja, so ist es. Jan Ullrich war der Held meiner erwachenden Begeisterung für den Radsport. Dann, als sein Doping herauskam, hatte ich den Salat ... und mein Pseudonym. Aber es hätte nun auch nichts mehr geändert, wenn ich mich fortan Lance oder Erik genannt hätte.

FA: Wie hat sich der Charakter ihres polizeilichen Helden Robert Marthaler entwickelt?

Seghers: Sehr langsam. Und er verändert sich auch von Buch zu Buch. Je nachdem, was ihm widerfährt und wer ihm begegnet. Mal ist er ein Choleriker, mal ein Melancholiker, immer aber jemand, der sich an seiner Umgebung reibt. Das ist auch wichtig, denn aus Harmonie entsteht keine Spannung, die entsteht nur aus Konflikten.

FA: Finden Sie sich selbst in dieser Figur wieder?

Seghers: Ich weiß, das wird gerne vermutet. Aber die Wahrheit ist, ich habe immer versucht, mir Marthaler ein wenig vom Leib zu halten. Ich pflege so eine gewisse Halbdistanz zu ihm. Ich muss ihn kennen, das ist richtig. Aber ich darf ihn auch nicht zu gut kennen, wenn ich neugierig auf ihn bleiben will. Auch beschreibe ich ihn ja nicht. Ich sage nie, wie groß, wie alt, wie schwer er ist. Jeder soll sich sein eigenes Bild von ihm machen können.

FA: Ihre Bücher, so auch „Menschenfischer“, basieren oft auf realen Geschehnissen. Wie entdecken Sie diese Grundmotive?

Seghers:  Nun, schon aus Berufsgründen interessiere ich mich für aktuelle und historische Kriminalfälle – ob sie in Deutschland oder irgendwo sonst auf der Welt geschehen sind. Die Schwierigkeit ist allerdings, sich von den realen Fällen wieder zu lösen, damit der Roman sich frei entwickeln kann. Aber als stabile Grundlage für die eigene Phantasie sind sie sehr hilfreich. Luftgeborene Geschichten liegen mir nicht so.

FA: Wieviel Raum nimmt die Recherche, auch vor Ort, ein?

Seghers:  Die Leser von Kriminalromanen sind sehr geübt darin, sachliche Fehler beim Autor zu finden. Also muss ich recherchieren, muss Kriminaltechniker fragen, Rechtsmediziner, Juristen. Es muss nicht alles wahr sein, was ich schreibe, aber wenigstens sollte es wahrscheinlich sein. Und Orte sind mir ungemein wichtig. Die meisten Orte erzählen selbst schon Geschichten. Die Mühe einen Ort, den man beschreiben will, auch aufzusuchen, lohnt sich immer. Ich bilde mir ein, man merkt es hinterher beim Lesen, ob der Autor den Geruch, die Atmosphäre, das Licht seiner Schauplätze auch wirklich kennt.

FA: Wie zufrieden sind Sie mit den (bisherigen) Verfilmungen Ihrer Bücher?

Seghers:  Ein Roman und ein Film sind sehr unterschiedliche Kunstwerke. Ich frage nie danach, ob der Film meinem Buch entspricht. Wenn er in sich gelungen ist, bin ich zufrieden. Und ich hatte großes Glück: Die Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler, die auf der Grundlage meiner Bücher Filme gemacht haben, verstehen ihr Handwerk. So haben die Filme mich einen neuen Blick auf meine Geschichten werfen lassen. Mehr kann man nicht verlangen.

FA: Wie entspannt sich Matthias Altenburg vom Schreiben?

Seghers: Indem ich mit dem Rad durch die Gegend fahre, mit dem Rücken im Sand liege und indem ich den Menschen bei ihrem Treiben zuschaue. Ich bin ein hemmungsloser Voyeur.

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