Kämpferisch und humorvoll: Gabriele Leipold, Geschäftsführerin der "Kreishandwerkerschaft Fulda" 

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Gabriele Leipold im Gespräch mit "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz (links) und Mediaberater Andreas Duchrow

"Fulda aktuell"-Gespräch über die Situation des Handwerks in der Region Fulda und eine sich wandelnde Gesellschaft  

Fulda - Das Handwerkliche begleitet Gabriele Leipold von Kindesbeinen an: „Als Fuldaer Mädchen bin ich mit Handwerk groß geworden. Mein Vater war Metzgermeister in einem Geschäft in der Innenstadt, und wir haben auch in diesem Haus gewohnt“. Diese Verbindung hat sie nie mehr losgelassen: Seit Januar ist die 59-Jährige Geschäftsführerin der „Kreishandwerkerschaft Fulda“, nachdem sie seit Ende Juli interimsmäßig in diesem Amt tätig gewesen war. Zuvor war der seitherige Geschäftsführer Dr. Herbert Büttner im Juli von all seinen Aufgaben entbunden worden.

Mit „Fulda aktuell“ spricht Leipold unter anderem darüber, welche Probleme den 950 Mitgliedsbetrieben aktuell zu schaffen machen, und erweist sich während der gut eineinhalb Stunden als Gesprächspartnerin, die – kämpferisch und humorvoll zugleich – weit über den Tellerrand hinaus denkt. Und sich Gedanken über eine sich wandelnde Gesellschaft macht, was wiederum Herausforderungen für die Betriebe bedeutet.

Nach dem Besuch der Marienschule und dem Studium an der (Fach)-Hochschule Fulda kam die frisch gebackene Diplom-Betriebswirtin Mitte der 1980-er Jahre erstmals mit dem Sektor „Beratung“ in Kontakt. Und zwar für gastronomische Betriebe. 1987 wechselte sie zum „Fleischerverband Hessen“ mit Sitz in Frankfurt/Main und war – quer durchs ganze Land – bei Betrieben vor Ort unterwegs.

„Das war eine spannende Aufgabe“, erinnert sie sich, denn schon vor 30 Jahren habe sich im Fleischerhandwerk ein Umbruch abgezeichnet. Stichworte hier: Schließung von Betrieben, zunehmendes Filialwesen, Kombination mit Imbiss oder Partyservice. Damit verbunden sei ein hohes Informationsbedürfnis gewesen.

Ein erster Kontakt

Diese „schöne, wichtige und interessante Tätigkeit“ ging bis 1993. Es folgte eine längere Familienpause, bis sich die dreifache Mutter dazu entschloss, berufsmäßig wieder einzusteigen. „Auch, weil mir im gewissen Maße der Austausch fehlte und ich mein Wissen gerne weitergeben wollte“. Sie wurde zunächst in ihrer Heimatstadt als Stadtführerin aktiv, bis sich 2010 die Möglichkeit bot, als betriebswirtschaftliche Beraterin bei der „Handwerkskammer Kassel“ einzusteigen. „Natürlich hatte ich mich nicht einfach so um die Position beworben, sondern war zuvor schon freiberuflich als Beraterin tätig gewesen“.

In ihrer neuen Stelle jedenfalls war Leipold für die Handwerksbetriebe im Landkreis Fulda zuständig und kam hier zugleich mit der Institution „Kreishandwerkerschaft Fulda“ in Kontakt, deren Geschäftsführerin sie Jahre später werden sollte. Denn einmal pro Woche gab es einen Sprechtag in den Räumen in der Rabanusstraße, und Leipold hatte schon damals das Gefühl: „Das passt!“. Als sich dann im Oktober 2017 die Chance bot, in Fulda stellvertretende Geschäftsführerin zu werden, nahm sie diese wahr.

„Zumal ich ja schon viele kannte: Die Mitarbeiter ebenso wie die Betriebe“. Stets sei es ihr wichtig, „meine Erfahrungen zum Wohle des Handwerks einzubringen und Kontakt zu den Betrieben vor Ort zu halten und mitzugestalten“.

Die Region Fulda sei stark durch das Handwerk geprägt, die anfangs erwähnten 950 Mitgliedsbetriebe der „Kreishandwerkerschaft“ sind in 18 Innungen organisiert. Leipold weiter: „Ohne Handwerk würde die Wirtschaft nicht funktionieren, die Unternehmen sind Arbeitgeber und Ausbilder zugleich“, was besonders in eher ländlich strukturierten Gegenden von Bedeutung sei. „Nicht zuletzt auch im Hinblick auf ältere Menschen ist es wichtig, dass das handwerkliche Angebot flächendeckend erhalten bleiben muss“.

An die Gesellschaft formuliert die 59-Jährige die Erwartung eines Bewusstseinswandels hin zu einer höheren Wertigkeit und Anerkennung, die dem Handwerk entgegengebracht werden müsse: „Das bezieht sich nicht nur auf die Leistung des Handwerkers, sondern auch darauf, dass dem Einzelnen der Stellenwert zuteil wird, den er verdient“.

Dem Wandel begegnen

Andererseits müssten sich die Handwerksbetriebe offensiv den Herausforderungen und den veränderten Rahmenbedingungen in der Gesellschaft stellen. Stichpunkte seien hier: Digitalisierung, Nachfolgeregelung, Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und fehlender Nachwuchs. „Die Unternehmen dürfen nicht stehen bleiben, sondern müssen mit dem Wandel mitgehen“. Und sie müssten besonders jungen Menschen aufzeigen, wie groß Perspektiven und Chancen im Handwerk sind. Dies wiederum gelte gerade auch für junge Frauen.

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