Gespräch mit Michael Brand nach dem CDU-Parteitag

Historischer 1. Digitaler Bundesparteitag mit Wahlen: Michael Brand als Delegierter im heimischen „Plenarsaal“ in Fulda mit Dom. Foto: privat

Seit Samstag hat die CDU mit Armin Laschet einen neuen Bundesvorsitzenden.

Fulda. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen setzte sich beim digitalen Parteitag in einer Stichwahl gegen Friedrich Merz durch. Der dritte Bewerber Norbert Röttgen war nach dem ersten Wahlgang ausgeschieden. „Fulda aktuell“ hat sich mit Michael Brand unterhalten, der für die CDU den Wahlkreis Fulda/Lauterbach im Bundestag vertritt.

FULDA AKTUELL: Hätten Sie gedacht, dass Armin Laschet zum neuen Bundesvorsitzenden der CDU gewählt werden würde?

MICHAEL BRAND: Es war klar, dass es ein spannendes und knappes Rennen werden würde. Wir hatten drei ausgezeichnete Kandidaten, und jeder hatte eine reale Chance. Dieses Luxus-Problem hätten andere Parteien gerne. Es war auch klar, dass Armin Laschet und Friedrich Merz die beiden mit den größeren Chancen waren.

FA: Welche vordringlichen Aufgaben warten Ihrer Ansicht nach auf Laschet?

BRAND: Vordringlich ist, die CDU gut auf den Bundestagswahlkampf vorzubereiten. Dazu muss er nach innen und natürlich auch nach außen arbeiten. Seine ersten Auftritte nach der Wahl waren nach dem Echo, das ich erhalten habe, durchaus gute Schritte in diese Richtung. Nachdem Friedrich Merz nun auch noch einmal zu seiner Unterstützung aufgerufen hat, scheint diese Entscheidung des ersten digitalen Parteitages auch breit akzeptiert werden zu können. Das ist wichtig, weil die Geschlossenheit einer Partei eine zentrale Voraussetzung für ihren Erfolg ist. Er hat als Regierungschef des größten Bundeslandes starke Persönlichkeiten eingebunden und Führung bewiesen.

FA: Wie bewerten Sie den Vorstoß von Merz, sozusagen „aus dem Stand“ das Amt des Bundeswirtschaftsministers übernehmen zu wollen?

BRAND: Dazu hat Friedrich Merz sich in einem Schreiben an alle Mitglieder der CDU gewandt und sich sozusagen für die Irritationen, die das hervorgerufen hat, entschuldigt. Natürlich hat uns das alle sehr überrascht und gewundert, aber mit seinem Schreiben ist das Thema jetzt erledigt. Zudem hat er im selben Schreiben sehr nachdrücklich für die Unterstützung von Armin Laschet geworben. Auch das ist gut.

FA: Wenn Sie eine Standortbestimmung vorzunehmen hätten: Wo würden Sie aktuell die CDU auf Bundesebene einordnen?

BRAND: Es mag sich banal anhören, aber wir sind mitten in der Mitte, eine echte Volkspartei eben. Das bedeutet, dass wir eine breite Strömung in der Bevölkerung, die von konservativ über liberal bis sozial geht, bei uns repräsentieren. Das war schon das Erfolgsrezept von Helmut Kohl und Alfred Dregger. Natürlich haben wir im Jahr 2021 neue Herausforderungen, auf die wir entsprechend unserer Grundsätze konkrete Antworten entwickeln müssen. Dazu haben Armin Laschet und Jens Spahn vor dem Parteitag ein Konzept vorgestellt, um das Modernisierungsjahrzehnt für Deutschland anzugehen. Wir müssen uns in vielen Bereichen gut und neu aufstellen, damit wir im globalen Wettbewerb bestehen bleiben und nicht unter die Räder kommen. Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz sind keine Gegensätze, wenn man nicht ideologisch ist, sondern das Klima und die Beschäftigten zugleich schützt. Um mal nur ein Beispiel zu nennen.

FA: Wann wird Ihrer Meinung nach mit einer Entscheidung bezüglich Kanzlerkandidatur von CDU/CDU zu rechnen sein, und wen sehen Sie da vorne: Laschet, Söder oder eine dritte Persönlichkeit?

BRAND: Diese Frage hat etwas von Hase und Igel. Journalisten fragen immer, wer Kanzlerkandidat wird, und kluge Vertreter der politischen Parteien antworten immer: Das werden wir zu gegebener Zeit entscheiden. Also: Das werden wir zu gegebener Zeit entscheiden. Dabei werden der Vorsitzende der CDU, Armin Laschet, und der Vorsitzende der CSU, Markus Söder, in guter Tradition miteinander ein Gespräch führen. Sie werden dann darüber reden, wer unter den Bedingungen dieses Wahljahres 2021 die beste Chance dafür bietet, dass die Union insgesamt die Wahl gewinnt und wir den Bundeskanzler, den Nachfolger von Angela Merkel nach 16 Jahren ihrer Kanzlerschaft, stellen und weiter die Verantwortung für dieses Land tragen. Es wird auch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein gewichtiges Wort mitreden, weil sie die Klammer zwischen CDU und CSU ist. Also: Zu gegebener Zeit wird man wissen, wie es wird, und wir werden alle für den Kanzlerkandidat, für die Union und die Mehrheit kämpfen.

FA: Hat sich generell dieser digitale Parteitag bewährt oder bevorzugen Sie doch ein Live-Erlebnis?

BRAND: Natürlich ist es, wie im privaten Leben auch, persönlich immer besser. Aber wir sind schon stolz darauf, wie dieser Parteitag, der als erster Bundesparteitag in der Geschichte sogar eine digitale Wahl durchgeführt hat, wie am Schnürchen lief. Bis auf den inzwischen fast berühmten Parteifreund Adams, der durch das jeweils falsche Drücken des Knopf für sein Mikrofon leider nicht zu Wort kam, waren die Teilnahme der Delegierten bei Vorstellung, Wortmeldungen und auch bei der Wahl einfach problemfrei. Die erwarteten Hacker-Angriffe aus dem Ausland gab es auch. Diese konnten professionell abgewehrt werden. Es gab spannende Live-Formate und Gespräche, auch klasse Videos. Das alles hat nicht jeder vorher so erwarten können, und das ist sicher auch ein Ausweis einer tatsächlich modernen Volkspartei.

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