Gespräch mit Hünfelder Bürgermeister Benjamin Tschesnok 

Die Stadt Hünfeld will ihr Leitbild fortschreiben. Dazu hat bereits eine Online-befragung mit sehr guter Resonanz stattgefunden. Um die Themen zu vertiefen, bietet Bürgermeister Benjamin Tschesnok seit Ende Mai zielgruppenspezifische Online-Bürgersprechstunden an. 
+
Die Stadt Hünfeld will ihr Leitbild fortschreiben. Dazu hat bereits eine Online-befragung mit sehr guter Resonanz stattgefunden. Um die Themen zu vertiefen, bietet Bürgermeister Benjamin Tschesnok seit Ende Mai zielgruppenspezifische Online-Bürgersprechstunden an. 

Ein Leitbild, das klingt nach Motivation, Zielen und nach neuen Rahmenbedingungen. Solches hat sich nun auch die Stadt Hünfeld auf die Fahnen geschrieben und bezieht hierzu verschiedene Zielgruppen ein.

Hünfeld. Corona bedingt können diese bislang nur über Bürgersprechstunden erreicht werden, die online abgehalten werden. Der Start war Ende Mai, ein Abschluss ist für Ende Juni geplant. „Fulda aktuell“ hat sich darüber mit Bürgermeister Benjamin Tschesnok ausgetauscht. Der Verwaltungschef äußert sich auch dazu, wie die Konrad-Zuse-Stadt bislang durch die Corona-Pandemie gekommen ist.

Das aktuelle Leitbild der Stadt Hünfeld stammt aus dem Jahr 2004. „Seitdem hat sich einiges getan. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, dieses Leitbild fortzuschreiben“, hatte Tschesnok im Vorfeld erläutert.

FULDA AKTUELL: Wie gut ist Hünfeld durch die Corona Pandemie gekommen (Gewerbe, Handel, Wirtschaft)?

BENJAMIN TSCHESNOK: Das ist natürlich branchenspezifisch sehr unterschiedlich. Ich habe den Eindruck, dass gerade die Bauwirtschaft sehr gut durch die Pandemie gekommen ist und heute eher an zu viel Aufträgen und Problemen bei der Materialbeschaffung leidet. Auch die Industriebetriebe in Hünfeld haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, offenbar nur wenig Einbußen gehabt.

Ganz anders stellt sich die Situation in den Bereichen Handel und Gastronomie dar. Die lange Schließungsphase während des Lockdowns hat manche Betriebe sicher an die Existenzgrenze geführt. Es kann heute noch nicht abgesehen werden, ob alle Unternehmen diese schwierige Phase nachhaltig überstehen werden. Das hängt aber von uns allen ab, ob wir die Angebote des heimischen Handels wieder verstärkt nachfragen und nutzen oder auch die Angebote der Gastronomie wahrnehmen.

Auf der Revitalisierung des Handels und der Gastronomie wird sicherlich in den nächsten Monaten ein besonderer Schwerpunkt liegen müssen. Wir sind im engen Gespräch mit dem Verein „City-Marketing“ und werden dieses Thema sehr stark in den Fokus nehmen müssen. Das wurde mir zuletzt auch bei den Ergebnissen der Online-Bürgerumfrage sehr deutlich, ohne Handel, ohne Gastronomie verliert eine Stadt ihre Vitalität und damit auch ihre Attraktivität. Das sehen offensichtlich auch die Bürger so. Deshalb müssen wir alles in unseren Kräften stehende tun, sowohl die Stadt aber auch die Bürgerschaft, unseren örtlichen Einzelhandel und die Gastronomie zu unterstützen und zu fördern.

FA: Warum legt sich die Stadt Hünfeld ein neues Leitbild zu?

TSCHESNOK: Unser bisheriges Leitbild stammt aus dem Jahr 2004. Wir haben es uns zur Hand genommen und dabei festgestellt, dass viele darin formulierten Handlungsansätze und Ziele bereits erreicht sind, dass dort aber auch Themen, die heute ganz oben auf der Agenda stehen, ganz einfach fehlen oder nicht entsprechend gewichtet wurden. Das hat sich in der Online-Bürgerumfrage sehr deutlich bestätigt. Ich fand es toll, dass sich 850 Hünfelder Bürger die Zeit genommen haben und uns 45.000 Antwort und Anregungen geliefert haben. Mit so viel hatten wir offen gestanden gar nicht gerechnet. Aber das ist sehr gut so.

Es gibt offenbar ein großes Interesse, sich aktiv in diesen Prozess einzubinden. Im Moment sind wir dabei, im Rahmen von Online-Bürgersprechstunden einzelne Themen zielgruppenspezifisch zu vertiefen und ich habe den Eindruck, dass da sehr lebhaft und engagiert diskutiert wird. Die Corona-Pandemie hat es nicht zugelassen, dass wir dies im direkten Dialog vor Ort mit den Bürgern tun konnten. Ich bin aber sehr froh darüber, dass dies bislang in digitalen Formaten so gut gelungen ist. Das neue Leitbild soll für die kommenden Jahre einen Handlungsrahmen und eine Orientierung für alle, die kommunalpolitisch Verantwortung tragen, bieten. Deshalb war es mir wichtig, so breit als möglich die Bürgerschaft in diese Diskussionen einzubeziehen. Das neue Leitbild wird ein Auftrag der Bürger an die Politik sein, den wir in den kommenden Jahren Schritt für Schritt bearbeiten und umsetzen wollen.

FA: Wie beurteilen Sie die Resonanz, beziehungsweise die Ergebnisse der Online-Bürgerumfrage zum neuen Leitbild?

TSCHESNOK: Ich hatte es gehofft und mir gewünscht, dass möglichst viele Bürger von der Möglichkeit Gebrauch machen, ihre Ideen, Anregungen und Wünsche im Rahmen der Online-Bürgerumfrage, aber auch bei den Online-Sprechstunden einbringen. Die Erwartungen, die wir hatten, sind nicht nur erfüllt worden, sondern wurden weit übertroffen. Nicht nur die Zahlen, 850 Teilnehmer allein bei der Online-Umfrage und 45.000 Antworten, Hinweise und Anregungen, machen das sehr deutlich. Worüber ich mich aber auch gefreut habe, ist die hohe Qualität vieler Antworten und manche Anregungen, die wir in der Vergangenheit noch gar nicht so auf dem Schirm hatten.

Ein erfreuliches Ergebnis ist auch, dass die Bürger sich stark mit ihrer Heimatstadt identifizieren. 97 Prozent der Befragten haben uns mitgeteilt, dass sie gerne in Hünfeld wohnen. Die familiäre und freundliche Atmosphäre der Stadt, die gute Infrastruktur das besondere Kleinstadt-Flair und die tolle Umgebung werden sehr gelobt. 66 Prozent der Befragten sehen die Entwicklung der Stadt positiv oder sogar sehr positiv. Nur sieben Prozent erachten die Entwicklung der Stadt eher negativ. Das sind Zahlen, die machen es ja deutlich, dass sich die Bürger mit ihrer Heimatstadt stark identifizieren.

So geht‘s weiter

Im Anschluss an die Bürgerumfrage und die Bürgersprechstunden werden die Ergebnisse zusammengetragen und ausgewertet. Ab dem Sommer sollen die Ergebnisse in die Kommissionen weitergegeben werden und daraus das neue Leitbild der Stadt entstehen. Anschließend soll die Stadtverordnetenversammlung über das Leitbild Beschluss fassen.

Den Anfang machten das Buchfinkenland, Sargenzell und Rückers. Danach folgten Jugendliche und Junge Erwachsene sowie am Freitagabend die Kernstadt.

Die nächsten Termine

Freitag, 11. Juni, 19 Uhr: Vereine

Montag, 14. Juni, 19 Uhr: Familien

Mittwoch, 16. Juni, 19 Uhr: Roßbach/Kirchhasel/Malges/Großenbach

Freitag, 25. Juni, 19 Uhr: Senioren

Dienstag, 29. Juni, 20 Uhr: Gewerbe/Handel/Wirtschaft

Mittwoch, 30. Juni, 20 Uhr: Mackenzell/Molzbach/Dammersbach/Nüst.

Die Bürgersprechstunden dauern rund eine Stunde. Vorab wird um Anmeldung per E-Mail an leitbild@huenfeld.de gebeten. Die Teilnehmer bekommen den Link zum Einloggen zugeschickt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

QR-Code statt des gelben Hefts: Wie und wo kommt an den digitalen Corona-Impfpass?

Seit Donnerstag können vollständig Geimpfte den Nachweis darüber per App auf das Smartphone laden lassen.
QR-Code statt des gelben Hefts: Wie und wo kommt an den digitalen Corona-Impfpass?

Unwetter: Feuerwehren meisterten über 330 Einsätze

Notrufnummer der Leitstelle war zeitweise überlastet
Unwetter: Feuerwehren meisterten über 330 Einsätze

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.