Ein Freund klarer Worte

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Während des Gespräches: Wolfgang Bosbach (rechts) und der Fuldaer CDU-Wahlkreisabgeordnete Michael Brand

"Fulda aktuell"-Gespräch mit Wolfgang Bosbach  / "Die endlosen Debatten werde ich nicht vermissen"

Petersberg - Nach 23 Jahren als Abgeordneter zieht sich CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach zum Ende der Legislaturperiode aus dem Bundestag zurück. Vor Kurzem verabschiedete er sich mit einer sehr emotionalen Rede von Parlament und Parlamentariern. Am Samstag war Bosbach auf Einladung des CDU-Kreisverbandes Fulda zu Gast im Propsteihaus Petersberg und sprach vor gut 400 Zuhörern zum Thema "Sicherheit, Zusammenhalt und Werte – Deutschlands Herausforderungen 2017". Zuvor stand der "Querdenker" der Redaktion von "Fulda aktuell" für ein Gespräch zur Verfügung. Einstiegsthema war, weil Bosbach ein Theater- und Festspielfan ist, die Bad Hersfelder Premiere von Dieter Wedels Inszenierung "Luther - Der Anschlag".

Der 64-jährige Vollblutpolitiker Bosbach lobte die Aufführung als "spannende und anregende Inszenierung". Besondere Anerkennung gebühre - auch vor dem Hintergrund der personellen Querelen kurz vor der Premiere - dem "tollen Ensemble", das in dem historischen Ambiente der Stiftsruine eine starke Leistung gezeigt habe. "Hinzu kam natürlich das ideale Wetter", so Bosbach und die "unglaublich starke Verbundenheit" des Publikums, wie sie schon immer mit den Festspielen bestanden habe. "Alles rheinische Frohnaturen, als ob der Rhein durch Bad Hersfeld geflossen wäre", betonte der Abgeordnete des Rheinisch-Bergischen Kreises. 

Wegen des bevorstehenden Ruhestandes habe er sich noch keine Gedanken gemacht, formulierte Bosbach weiter. Was auch daran liegen dürfte, dass er "bis zum  23. September, dem Tag vor der Bundestagswahl" Unterstützung für 48 Kolleginnen und Kollegen der Union in deren Wahlkreisen leisten werde. Nach seiner aktiven Zeit als Abgeordneter wolle er verstärkt wieder als Rechtsanwalt arbeiten, aber natürlich auch mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen.

Auf die Frage, ob er Berlin und das Parlament vermissen werde, sagte Bosbach: "Ganz sicher werde ich nicht die endlosen Debatten vermissen, bei denen man schnell das Gefühl bekommen konnte, das wird heute nicht mehr. Vermissen werde ich die Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mit vielen Kollegen, die mir im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen sind. So wie Michael Brand, und das nicht nur, weil er Fan des 1. FC Köln ist".

An Herausforderungen, denen sich Deutschland in Zukunft stellen muss, nannte der 64-Jährige einen Punkt, "der Sie vielleicht überraschen wird, da Sie meinen könnten, der Bosbach als Innenexperte führt die Innere Sicherheit auf. Aber nein, große Sorgen mache ich mir, dass der Zusammenhang verloren gehen könnte zwischen der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der sozialen Leistungsfähigkeit unseres Staates". Die Bundesrepublik verfüge über ein sehr hohes Maß an sozialer Absicherung, das es mittelfristig zu sichern gelte. Das soziale Ansinnen dürfe nicht zu kurz kommen, so Bosbach.  Der im Übrigen für die Bundestagswahl "ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schwarz/Gelb und Rot/Rot/Grün" erwartet. Er gehöre nicht zu denen, die glaubten, das Rennen sei für die Union bereits gelaufen. Bestes Beispiel hierfür sei die Landtagswahl vor einigen Wochen in Nordrhein-Westfalen, wo aus der Regierung von CDU und FDP nichts geworden wäre, hätte die Linke 9000 Stimmen mehr bekommen.

Was den verstorbenen früheren Bundeskanzler Helmut Kohl angeht, so sei es dessen hohe geschichtliche Leistung, die deutsche Wiedervereinigung und parallel dazu die europäische Einigung vorangetrieben und gemeistert zu haben. "Hinzu kam die Einbettung des wiedervereinigten Deutschlands in das westliche Verteidigungsbündnis der NATO, ohne dass ein Blutstropfen vergossen wurde. Das war ein Bravourstück von Helmut Kohl".

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