Gesundheit der Menschen geht vor: Stadt Fulda rückt dem Eichenprozessionsspinner zu Leibe

Für die Gesundheit der Bürger und Besucher der Stadt Fulda rückt diese jetzt dem Eichenprozessionsspinner zu Leibe.

Fulda - Nachdem im vergangenen Jahr der Eichenprozessionsspinner erstmalig massiv im Landkreis Fulda aufgetreten ist, hat sich die Stadt Fulda im Einvernehmen mit dem Naturschutzbeirat und dem Gesundheitsamt Fulda für Bekämpfungsmaßnahmen im Sinne eines vorbeugenden Gesundheitsschutzes entschieden. Mittels eines biologischen Präparats, welches in Kürze gezielt in die Baumkronen der städtischen Eichen ausgebracht wird, sollen die Raupen des Eichenprozessionsspinners vor dem Erreichen des dritten Raupenstadiums, ab dem die gefährlichen Brennhaare ausgebildet sind, abgetötet werden.

Der Kontakt mit den feinen Brennhaaren der Raupen kann Hautausschläge hervorrufen. Auch die Atemwege können gereizt werden und im Extremfall zum allergischen Schock führen. Sogar das Berühren der Gespinstnester ist gefährlich, da auch nach Verpuppung und Schlupf der Larven die giftigen Brennhaare dort verbleiben und bei Kontakt weiter Reizungen verursachen können.

Zeitweilige Sperrungen

Für die Bekämpfungsmaßnahmen wurden durch das Amt für Grünflächen und Stadtservice im Vorfeld gezielt stark frequentierte Eichenstandorte an Straßen, in öffentlichen Grünanlagen, Spielplätzen, Fried- und Schulhöfen sowie Freiflächen von Kindertagesstätten festgelegt und eine Fachfirma beauftragt.

Verwendet wird ein Biozid, welches humantoxikologisch, das heißt für Menschen, als unbedenklich gilt und zum Beispiel im Rhein-Main-Gebiet seit vielen Jahren erfolgreich gegen den Eichenprozessionsspinner eingesetzt wird. Hierbei handelt es sich um das Bakterium Bacillus thuringiensis, das vor allem im Boden, aber auch an Pflanzen und in Insektenkadavern natürlich vorkommt.

Die Bereiche um die besprühten Eichen werden temporär abgesperrt – die Stadt bittet, die entsprechenden Hinweisschilder zu beachten.

Der Leiter des Amts für Grünflächen und Stadtservice, Stefan Retter, erläutert die Hintergründe des Vorgehens: „Nach einem intensiven Austausch mit dem Grünflächenamt der Stadt Frankfurt und unter Hinzunahme von Sachverständigen haben wir uns für diesen Weg entschieden, weil er aus unserer Sicht am effektivsten ist. Würden wir darauf warten, bis die Gespinstnester sichtbar und die Gifthärchen der Raupen ausgebildet sind, wäre die Gefährdung für Fuldas Bürger sowie der Besucher der Veranstaltungen zum Stadtjubiläum umso größer. So erhoffen wir uns, einen entscheidenden Teil der Raupenpopulation vor allem an sensiblen Bereichen wie Kitas, Schulen, Spiel- und Sportplätzen sowie Parkanlagen und Friedhöfen abschöpfen zu können, bevor die Raupen die Brennhaare ausbilden.“

Nach Einschätzung von Experten wird sich der Eichenprozessionsspinner aufgrund des sich ändernden Klimas weiter ausbreiten. Für Kommunen und Städte wird die Bekämpfung aus Gründen der Gesundheitsfürsorge zukünftig zur Daueraufgabe werden. „Da diese Schmetterlingsart als Fraßschädling für den Forst nur in Ausnahmefällen zum Problem werden kann, wird der Eichenprozessionsspinner im Wald in der Regel nicht bekämpft. Dort kann er sich ungestört entwickeln und wandert so Jahr für Jahr aufs Neue in die Siedlungsräume ein. Damit müssen wir leben“, erläutert Retter.

Auf der Homepage der Stadt Fulda (www.fulda.de) stehen weitere Informationen zum Download bereit. Das Amt für Grünflächen und Stadtservice warnt ausdrücklich vor der eigenmächtigen Beseitigung der Eichenprozessionsspinnerraupen oder deren Nester. Sollte es nach Kontakt zu Haut- oder Atemwegreizungen kommen, so sollte umgehend der Hausarzt beziehungsweise der ärztliche Notdienst aufgesucht werden.

Entlang öffentlicher Anlagen oder Wege regelt das Amt die Beseitigung. Sollten dort an Eichenbäumen Gespinstnester entdeckt werden, so können diese über das Bürgerbüro unter Telefon 0661/102-0 oder -1111 der Stadt gemeldet werden.

Betroffenen privaten Grundstückseigentümern wird empfohlen, entsprechende Fachfirmen hinzuziehen.

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