Gipfeltreffen zur Stromtrasse

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Fulda. "Runder Tisch" zeigt kontroverse Standpunkte zwischen Region und "TenneT".

Fulda. Ein "Gipfeltreffen" mit großer Resonanz wurde der "Runde Tisch Stromtrasse", zu dem der für Fulda, Rhön und Vogelsberg zuständige Wahlkreisabgeordnete Michael Brand den Chef des Netz-Betreibers der Stromtrasse Suedlink, Lex Hartman, und den Chef der Abteilung Netzplanung der Bundesnetzagentur, Dr. Heinz-Jürgen Scheid, zu einem Treffen mit Bürgermeistern und Landräten aus dem Kreis Fulda und dem Vogelsberg ins Fuldaer Landratsamt eingeladen hatte.

In dem Austausch ging es um Information, aber auch um handfeste regionale Interessen gegenüber TenneT und damit auch um kontroverse Standpunkte. Der TenneT-Chef musste sich wegen der Planung und auch wegen der Informationspolitik des Unternehmens teils harsche Kritik anhören.

Brand fasste Klima und Inhalt so zusammen: "Wir haben offen, höflich und hart zur Sache geredet." Der Wahlkreisabgeordnete mahnte zu Transparenz: "Es müssen alle Fakten auf den Tisch, auch die Planungen und Überlegungen zu einer zusätzlichen 380 kV-Wechselstromtrasse neben der Suedlink-Trasse. Eine Salami-Taktik darf es hier nicht geben. Die Bürger haben hier ein Recht auf zeitnahe Information."

Kritische Anmerkungen musste TenneT-Chef Hartman – der darauf verwies, dass die offizielle Planung erst mit dem Einreichen der Unterlagen am Ende des Jahres beginne und noch keine Trasse feststehe – sich unter anderem von Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller und Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller zu den vorgestellten Alternativ-Routen anhören, Fuldas Landrat Bernd Woide sowie der Vogelsberger Vize-Landrat Peter Zielinski warnten davor den "Bogen nicht zu überspannen". Viele der fast 40 kommunalen Bürgermeister und Fraktionsvorsitzenden aus den beiden Kreistagen Fulda und Vogelsberg kündigten energischen Widerstand an gegen die in der Öffentlichkeit diskutierten Pläne. Auch wurde bemängelt, dass die Planungen der Trasse durch Thüringen nicht weiter verfolgt wurden. Dazu kündigte Dr. Heinz-Jürgen Scheid, Chef der Abteilung Netzplanung in der zuständigen Bundesnetzagentur, an, dass von Bundesebene im Rahmen des Genehmigungsverfahrens auch geprüft werde, ob nicht weiter verfolgte Trassenführungen auch mit hinreichender Begründung aus der Planung genommen worden seien.

Nach über zwei Stunden fasste der einladende Bundestagsabgeordnete Michael Brand den intensiven und betont fachlichen Austausch aus Sicht der regionalen Verantwortlichen zusammen: "Die osthessischen Interessen sind heute klar artikuliert worden. Was den Bayern zugestanden wird, darauf haben auch wir ein Recht, und ich wünsche mir hier stärkere Unterstützung der Landesregierung und vor allem des zuständigen Wirtschafts- wie auch des Umweltministeriums. Es geht nicht nur um Naturschutz, sondern auch um Schutz der Menschen. Und es kann nicht sein, dass der Norden seinen hoch subventionierten Strom an den Süden liefert, beide davon profitieren, und wir in der Mitte als Transitland den Schaden und kaum Nutzen haben.Brand mahnte Offenheit in der Information und im grundsätzlichen Vorgehen an: "Wir haben einen Anspruch auf Argumente, die überzeugen. Es müssen alle Varianten geprüft werden, dazu zählt auch die Ost-Variante über Thüringen. Es ist ein wichtiges Signal, dass die Bundesnetzagentur diese Prüfung heute zugesagt hat. Die Energiewende wird nicht an ein paar Monaten mehr Bürgerdialog scheitern – dann schon eher an mangelnder Akzeptanz in der Bevölkerung."Für die kommenden Monate erwartet der Wahlkreisabgeordnete klare Haltungen und weitere Debatten: "Wir hier vor Ort werden auch weiter im Schulterschluss zwischen den Kommunen und den Abgeordneten unsere Interessen und Einwände vorbringen, und wir werden alle Schritte intensiv prüfen und uns aktiv einmischen. Es stehen uns und den anderen Beteiligten noch unruhige Zeiten bevor."

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