Für ein glückliches Leben: Gnadenhof Lebensfroh ist Heimat für gerettete Kühe

1 von 41
2 von 41
3 von 41
4 von 41
5 von 41
6 von 41
7 von 41
8 von 41

Fulda aktuell hat den Tiergnadenhof Lebensfroh in Heubach besucht und erlebt, wie glückliche Kühe leben.

Kalbach - Was aus einer kleiner Anzeige im Kleinanzeigenteil einer Zeitung werden kann, erlebte Matthias Jehn. Vor drei Jahren las er eine Anzeige des „Tierschutzvereins Rüsselheim“aus Allmannshofen, der nach einem Platz für gerettete Tiere suchte. Schon länger hatte Jehn mit einem Lebenswandel geliebäugelt, den Schritt jedoch nicht gewagt. „Meine Lebensgefährtin ermutigte mich dann, einfach mal beim Tierschutz anzurufen“, erinnert sich Jehn. Nach dem Telefonat war klar: sein Hof in Heubach sollte ein Gnadenhof werden. Der gelernte Landwirt betrieb auf seinem Hof eine Kuh- und Bullenmast und hatte 200 Schafe. „Jetzt besitze ich kein Tier mehr und bin wirklich froh darüber, nicht mehr entscheiden zu müssen, welches Tier zum Schlachter kommt“, erzählt der Tierschützer. Auch in seiner Zeit als Landwirt war es ihm immer schon wichtig, dass die Tiere gut geht. „Das kurze Leben sollte wenigstens schön sein“, so Jehn.

Auf 70 Hektar ist so der „Gnadenhof Lebensfroh“ entstanden. Ein Traum für Jehn, der sich weitestgehend vegan ernährt. Eine der prominentesten Bewohner des Gnadenhofes ist die Kuh Johanna. 2016 machte die Kämpfernatur bundesweit Schlagzeilen, als sie in Kaiserslautern aus einer Tötungsbox eines Schlachthofes türmte und drei Wochen in den Pfläzer Wäldern überlebte. „Johanna trug ein kleines Geheimnis mit sich, für das sie sicherlich diese Kraft aufgebracht hat, um zu überleben“, erzählt Jehn. Denn Johanna brachte auf dem Gnadenhof ein kleines Kälbchen zur Welt. Johanna und Tochter Josefine leben noch heute auf dem Hof. Aus Josefine ist eine stattliche Kuh geworden, die derzeit gemeinsam mit den anderen Kühen auf einer der vielen Weiden grast. Wenn es Winter wird, werden die Tiere in Ställen untergebracht.

Nicht nur Tiere aus der Schlachtung finden bei Jehn ein neues Zuhause, auch solche, die schlecht gehalten werden, kommen auf den Hof. „Vor kurzer Zeit kam eine Kuh zu uns, die zehn Jahre an der Kette lebte“, berichtet er. Auch ehemalige tierische Schauspieler finden den Weg zum „Gnadenhof Lebensfroh“. „Die Tiere wurden für einen Dreh gebraucht und sollten danach zum Schlachter gebracht werden. Zwei Mitarbeiter fassten sich ein Herz und riefen uns an. Seither haben sie die Patenschaft für die zwei Kühe und finanzieren ihnen damit ein glückliches Leben.“ Denn der Gnadenhof finanziert sich allein über Spenden. Für jedes Tier werden Paten gesucht, die den Gnadenplatz finanzieren. „Wir können ohne eine Finanzierung eigentlich keine Tiere aufnehmen, daher suchen wir vorher Paten für die Tiere“, so Jehn. Manchmal wäre jedoch der Zustand eines Tieres so schlimm, dass die Tierschützer sofort handeln müssten. 120 Euro kostet eine Kuh-Patenschaft im Monat. Die Teilpatenschaft sei jedoch auch möglich. „Uns geht es dabei nicht nur darum Menschen zu finden, die das Projekt finanzieren, sondern auch der Kontakt zu den Tieren ist wichtig“, sagt Jehn, der regelmäßig Patentreffen auf dem Gnadenhof organisiert. Für diese reisen die Paten sogar aus München, Berlin und vielen anderen Städten an. „Diese Treffen geben mir immer sehr viel Freude, da ich dann Gleichgesinnte auf dem Hof habe, die die Tiere über alles lieben“, schwärmt Jehn. Zu den Treffen gehört natürlich auch das Streicheln und Kuscheln mit den Tieren. Insgesamt kümmert sich der „Tierschutzverein Rüsselheim“ um 550 Rinder, 300 Schafe und 500 Schweine. Die meisten Tiere Leben auf Höfen im Landkreis Fulda. „Ich konnte schon einige meiner Kollegen für die Tierschutzarbeit begeistern“, freut sich Jehn, der selbst noch ehemalige Rennpferde beherbergt und Ponys vor der Schlachtung gerettet hat. In Uttrichshausen wurde nun der Hof „Fulda 7“ eröffnet. Alle Mitwirkenden sucht Jehn persönlich aus. Das Konzept des Hofes müsse zum Verein passen. Mit dem „Gnadenhof Lebensfroh“ lebt Matthias Jehn einen Traum. „Mein Wunsch ist es, 104 Jahre alt zu werden. Bis ich 100 bin möchte ich den Gnadenhof betreiben und vier Jahre Rente wären ganz schön“, träumt Jehn. Nachfolger hätte er bereits in seinen Neffen gefunden.

Weitere Informationen gibt es unter www.ruesselheim.com .

Wer die Arbeit des Gnadehofes unterstützen möchte, der kann dies mit einer Spende auf das folgende Konto tun: Kreissparkasse Augsburg Kontonummer: 0030207864 Bankleitzahl: 72050101 IBAN: DE9572050101003020 7864 BIC: BYLADEM1AU

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Klartext: Wohin geht die Reise, SPD?

Redakteur Christopher Göbel macht sich Gedanken, wohin die SPD mit den neuen Führungsduo steuern wird.
Klartext: Wohin geht die Reise, SPD?

Fuldas Radverkehrsnetz: Bürger sollen sich beteiligen

Kritik und Vorschläge sollen bis 31. Januar 2020  eingesandt werden
Fuldas Radverkehrsnetz: Bürger sollen sich beteiligen

Vier Auszeichnungen für soziales Bürgerengagement gehen nach Osthessen 

In Wiesbaden geehrt: Monika Krah, Margot Kraft, Hanns-Uwe Theele und " Leben und Arbeiten in Poppenhausen"  
Vier Auszeichnungen für soziales Bürgerengagement gehen nach Osthessen 

Wohnhaus in Lauterbach: Klingelanlage angezündet

Hausbewohnerin bemerkt Brandstiftung rechtzeitig und alarmiert Polizei, die nach Zeugen sucht.
Wohnhaus in Lauterbach: Klingelanlage angezündet

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.