Gottvergessenheit

Fulda. Um eine vertiefende Schau auf die groen Fragen und Konflikte der heutigen Zeit und ihre hilfreiche Begleitung hat der Fuldaer Bischof un

Fulda. Um eine vertiefende Schau auf die groen Fragen und Konflikte der heutigen Zeit und ihre hilfreiche Begleitung hat der Fuldaer Bischof und Grokanzler der Theologischen Fakultt Fulda, Bischof Heinz Josef Algermissen, die Professoren, Dozenten und Studierenden der Theologischen Fakultt Fulda gebeten. Es ist faszinierend, als Theologe an der Verwandlung unserer Welt in der Perspektive der vom Glauben begrndeten Hoffnung mitzuarbeiten", stellte der Oberhirte am Dienstag im Auditorium maximum der Theologischen Fakultt heraus. In seinem Schluwort als Grokanzler der Theologischen Universitt bei der Erffnung des neuen Studienjahres 2010/2011 wies Algermissen auf die extreme Gottvergessenheit" in Deutschland hin, die sich nicht allein in einem aggressiven Atheismus, sondern viel mehr noch in einem Austrocknen" religiser Sensibilitt uere. Wir schlieen unsere Welt ber unseren Kpfen und glauben, autonom alles selbst entscheiden zu knnen." Eine Konsequenz davon sei, da viele sich als Herren ber Leben und Tod" fhlten und sich am Leben anderen, insbesondere am Anfang und Ende des Lebens, vergriffen. Demgegenber gelte es, wie es Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika Deus carits est" dargelegt habe, die Lsung der groen Menschheitsfragen vom Evangelium her zu versuchen.

Nach dem Erffnungsgottesdienst in der Kapelle des Bischflichen Priesterseminars hatte im Auditorium maximum der Fakultt die Festakademie begonnen. Rektor Prof. Dr. Christoph Gregor Mller hatte nach seiner Begrung der Bischfe und des Domkapitels sowie von Vertretern der Ordensgemeinschaften sowie aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Regens Monsignore Dr. Cornelius Roth als neuen Professor fr Liturgiewissenschaft und die habilitierte frhere Assistentin Dr. Ute Leimgruber als neue Privatdozentin an der Fakultt vorgestellt. Diplomurkundenberreichung und Vorstellung vier neuer Studenten und zweier Studentinnen folgte als akademischer Vortrag die Antrittsvorlesung des neuen Professors fr Moraltheologie und Christliche Sozialwissenschaften, Prof. Dr. Rupert Scheule, zum Thema Homo animal morale. Weshalb es in der Natur des Menschen liegt, moralisch zu sein, und was die theologische Ethik daraus lernen kann".

Moral als natrliche Mitgift" des Menschen

Bischof Algermissen bezeichnete in seinem Dank an Prof. Scheule dessen Vortrag als spannend und didaktisch gut aufgebaut". Tatschlich gelang es dem 41jhrigen Moraltheologen, der aus dem Unterallgu stammt und in Augsburg ttig war, eher er im April nach Fulda kam, seine rund 100 Zuhrer mit seiner lebensnahen Betrachtung des Verhltnisses von Moral und Natur in seinen Bann zu schlagen. Es entspricht tatschlich der Natur des Menschen, moralisch zu sein", folgerte der Wissenschaftler aus seiner Betrachtung der Ergebnisse der evolutionren Anthropologie. Das mache es vor allem Christen leicht, die eigene Moralnatur zu bejahen und ihr entsprechend zu leben. Als Glubige mten sie Mitspieler" an der Globalisierung eines groen Wir-Projektes" sein, wie es das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter lehre. Denn auch Gott selbst habe wir" gesagt, als er sich entschlossen habe, in Jesus Christus einer von uns" zu werden. Ganz konkret hatte Scheule zu Beginn seiner Ausfhrungen nach dem Warum der Hilfsbereitschaft von Menschen gegenber einem ihnen oftmals unbekannten Mitmenschen gefragt. Habe Thomas von Aquin recht, der sagte, der Mensch sei von Natur aus des Menschen Freund, oder gelte doch die pessimistische Sichtweise des Englnders Thomas Hobbes, der Mensch sei des Menschen Wolf, so msse man sich fragen.

Moralisches Handeln lasse sich nicht aus der Hoffnung auf Gegenleistung erklren, fhrte Scheule aus, denn dann wre sie nur ein Verhalten unter Lebewesen, die einander nutzen oder schaden knnten. Vielmehr lasse sich von der Entwicklungsgeschichte des Menschen her zeigen, da es um einen Mutualismus, also ein gemeinsames Profitieren vom gegenseitigen Verhalten, gehe, der sich schon bei den frhen Menschen etwa in der gemeinsamen Aufzucht ihrer Kinder gezeigt habe. Versuche der Universitt Leipzig htten bewiesen, da bereits Kleinkinder bemht seien, Erwachsenen von sich aus zu helfen. Menschen htten demnach die Fhigkeit, auf der Basis eines Wir-Empfindens anderen spontan in entsprechenden Situationen behilflich zu sein. Aus der Zusammenfassung der Evolutionsanthropologie, da Mensch das Tier ist, das wir' sagt", ergebe sich, da Thomas von Aquin recht und Thomas Hobbes unrecht htten. Der Mensch ist von Natur aus nicht nur ein animal morale, sondern die Moral scheint seine natrliche Mitgift zu sein", folgerte der Moraltheologe.

Die akademische Feier erhielt ihre musikalische Umrahmung durch Silke Augustinski (Oboe) und Luise Knigshausen (Klavier) mit Musikstcken von G. F. Hndel, A. Vivaldi und B. Britten.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Ein „Monopoly“ für Hessen

Voting, welche Orte ausd Hessen auf dem Monopoly-Spielbrett erscheinen sollen
Ein „Monopoly“ für Hessen

Erfolgreiche Spendenaktion der Eisheiligen

Die gesamten Einnahmen des Tages gingen gestern an Lara und Lucie Gruber, die Spenden für das Flüchtlingslager auf Lesbos sammeln.
Erfolgreiche Spendenaktion der Eisheiligen

Kontrolle der Poser- und Tunerszene

Lärmbelästigungen durch meist unzulässige Veränderungen an getunten Autos sind immer wieder Grund für Bürgerbeschwerden. Aus diesem Grund führte die Polizeidirektion …
Kontrolle der Poser- und Tunerszene

Hessenweiter Aktionstag zur Glücksspielsucht am 30. September

In dreizehn hessischen Städten soll auf die Risiken von Glücksspielen aufmerksam gemacht werden.
Hessenweiter Aktionstag zur Glücksspielsucht am 30. September

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.