Géraldine Schwarz erhielt den Winfried-Preis der Stadt Fulda: Ermutigung für eine überzeugte Europäerin

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Die Autorin Géraldine Schwarz hat am Mittwoch den Winfried-Preis der Stadt Fulda verliehen bekommen.

Fulda - Die deutsch-französische Journalistin, Autorin und Dokumentarfilmerin Géraldine Schwarz ist am Mittwochabend, 13. November, im Marmorsaal des Fuldaer Stadtschlosses mit dem Winfried-Preis der Stadt Fulda ausgezeichnet worden. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung, die seit 2001 jährlich verliehen wird, will besondere Verdienste um Frieden und Aussöhnung in Europa sowie um die europäische Einigung würdigen.

Géraldine Schwarz (44) ist die jüngste Preisträgerin in der Geschichte des Winfried-Preises. Vor diesem Hintergrund betonte Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, die Preisverleihung sei in diesem Jahr – anders als in früheren Jahren – nicht so sehr als Auszeichnung für ein Lebenswerk zu sehen, sondern vielmehr als Ermunterung für alle, nach dem Vorbild der Preisträgerin selbst aus gewohnten Bahnen auszubrechen und sich gesellschaftlich einzubringen, und zugleich als Ermutigung für die Preisträgerin selbst, dem vielgerühmten Roman „Die Gedächtnislosen“ weitere Werke folgen zu lassen und dem Thema der europäischen Völkerverständigung neue literarische oder journalistische Facetten hinzuzufügen. Die Jury des Winfried-Preises, der von der Dr. H.G.-Waider Stiftung in Abstimmung mit der Stadt Fulda vergeben wird, sieht in Schwarz‘ Buch „Die Gedächtnislosen – Erinnerungen einer Europäerin“ einen bedeutsamen Beitrag zur Neubesinnung auf den Wert der europäischen Einigung und der deutsch-französischen Freundschaft geleistet. Das Buch „Die Gedächtnislosen“ fördere die Völkerverständigung, „indem es die NS-Zeit aus deutscher und französischer Perspektive beschreibt, den Umgang der Nachkriegsgesellschaft mit der Vergangenheit analysiert und auf dieser Basis das Bewusstsein für den Wert eines friedlichen und demokratischen Europas stärkt“, betonte Wingenfeld.

Zugleich hob der OB den „Weitblick“ des Preisstifters Heinz G. Waider hervor, der offenbar sehr früh erkannt habe, „dass der zunehmende zeitliche Abstand zum 2. Weltkrieg dazu führen könnte, dass in der vermeintlichen Selbstverständlichkeit von Frieden und Freiheit womöglich die größte Gefahr für deren Fortbestand und die Demokratie liegen könnte.“ Dr. Waider habe erkannt, dass es zunehmend bedeutsamer sein wird, „Persönlichkeiten, die sich zur Völkerverständigung, zum Frieden und zu Europa bekennen, auszuzeichnen – vor allem aber zu ermutigen“, sagte Wingenfeld.

Auch die Laudatorin des Abends, die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann, die 2018 zusammen mit ihrem Mann Jan Assmann mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, würdigte die Verdienste der Preisträgerin. Im Spannungsverhältnis zwischen Familienloyalität und historischer Wahrheit habe Schwarz in ihrem Roman ein „neuartiges Geschichtsbuch“ geschrieben: „Ihre Familien stehen exemplarisch für die Mitläufer- und Mittätergesellschaft“, sagte Assmann. Das Buch sei ein wichtiger Impuls in Zeiten, in denen „die Gedächtnislosen“ in vielen Ländern Europas darangingen, die Geschichte umzudeuten und Verbrechen zu verharmlosen.

In ihrer Dankesrede bekannte Géraldine Schwarz, dass sie von der Preisvergabe sehr überrascht gewesen sei. Die Liste der bisherigen Preisträger umfasse illustre Namen und verdienstvolle europäische Persönlichkeiten. „Aber heute habe ich verstanden, dass es bei Preis auch um eine Ermutigung für die Zukunft geht, und diese nehme ich gerne an“, sagte Schwarz. Ihr Appell an die europäische Öffentlichkeit lautete: „Nur wenn wir Erinnerungen teilen, werden wir ein gemeinsames europäisches Bewusstsein stärken. Lassen Sie nicht zu, dass der Begriff ,Heimat‘ zu einem Ausschlusskriterium wird!“

Zur Person

Géraldine Schwarz wurde 1974 in Straßburg geboren, als Tochter einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters. Sie wuchs Frankreich auf, in Mannheim lebten ihre deutschen Großeltern. Das Abitur legte sie am Lycée Internationale, Deutsche Abteilung, in Saint-Germain-en-Laye ab und studierte unter anderem in London. Die Journalistin, Autorin und Dokumentarfilmerin kam später als Korrespondentin der Nachrichtenagentur Agence France Press (AFP) nach Deutschland und lebt heute in Berlin. Ihr Roman „Die Gedächtnislosen – Erinnerungen einer Europäerin“ erschien im Herbst 2017 im Secession-Verlag für Literatur, Zürich, und ist in zehn Sprache übersetzt worden. 2018 wurde das Buch mit dem Europäischen Buchpreis ausgezeichnet. In diesem Jahr kam neben dem Winfried-Preis auch der International Prize for Literature and Science der Pescarabruzzo Foundation in Italien dazu.

Hintergrund 

er Winfried-Preis: Mit dem Winfried-Preis der Stadt Fulda werden Persönlichkeiten geehrt, die sich in besonderem Maße um die Völkerverständigung und europäische Aussöhnung verdient gemacht haben. Preisstifter war der in Fulda geborene Unternehmer Heinz G. Waider (1926-2015). Namensgeber des Preises ist der aus England stammende Heilige Winfried-Bonifatius. Der missionarische Wirkungskreis des Heiligen hatte sowohl in geistiger als auch in geografischer Hinsicht eine völkerverbindende und friedensstiftende Dimension. Mit dem Winfried-Preis soll an dieses Handeln erinnert werden. Ausgezeichnet werden deshalb Personen, die den europäischen und völkerverbindenden Gedanken des Heiligen Bonifatius in ihrem Handeln fortführen. Bisherige Preisträger waren unter anderem Joachim Gauck (2018), Norbert Lammert (2017), Abtprimas Notker Wolf (2016), Rita Süssmuth (2015), Gesine Schwan (2011) oder Jean-Claude Juncker (2010).

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