Mit der Vogelzählung die Seele streicheln: „Stunde der Wintervögel“ vom 8. bis 10. Januar

Die Blaumeisen litten im vergangenen Frühjahr sehr unter einer Epidemie, ausgelöst durch ein Bakterium

Auch in Osthessen sind die Menschen dazu aufgerufen, eine detaillierte Momentaufnahme der Vogelwelt zu ermöglichen

Region - Vom 8. bis 10. Januar ruft der NABU alle Naturfreunde dazu auf, bei der Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und zu melden. Und ein genauer Blick auf die Artenvielfalt vor der eigenen Haustür lohnt sich in jedem Fall.

„Gerade unter den Corona bedingten Einschränkungen haben viele Menschen neu für sich entdeckt, wie viel Freude sie aus Naturbeobachtungen schöpfen können und inzwischen ist dieser Effekt sogar durch eine wissenschaftliche Studie belegt worden“, sagt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen. „Ganz einfach durch eine Stunde Beobachtung von der eigenen Wohnung, dem Garten oder Balkon aus, kann man mithelfen, eine detaillierte Momentaufnahme der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern zu ermöglichen“, so Eppler. Im Mittelpunkt der Aktion stehen vertraute und oft weit verbreitete Vogelarten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen. Schwierige Vogelbestimmungen werden also von niemandem erwartet.

Experten des NABU konnten anhand der langjährigen Zählung nachweisen, dass die winterlichen Vogelzahlen in den Gärten stark von der Witterung abhängen. In kalten und schneereichen Wintern kommen deutlich mehr Vögel in die Nähe der Menschen. Die lange Reihe zunehmend milder Winter führte zuletzt zu sinkenden Wintervogelzahlen.

In diesem Jahr warten die Vogelexperten mit Spannung auf die Ergebnisse zu den Blaumeisen. Diese hatten im Frühjahr erheblich unter einer vom Bakterium Suttonella ornithocola ausgelöste Epidemie, dem sogenannten Meisensterben, gelitten. Viele Gartenbesitzer machten sich daher große Sorgen um „ihre“ Gartenmeisen. „Hier bei uns in Hessen hatte der Erreger des Meisensterbens schwer zugeschlagen und wir bekamen Meldungen von vielen besorgten Vogelfreunden. Wir hoffen aber, dass die Meisen die Verluste durch ihre Bruten im Sommer zumindest teilweise ausgleichen konnten“, sagt Eppler. Üblicherweise belegt die Blaumeise bei der Stunde der Wintervögel den dritten Platz. Für die Experten ist es nun spannend herauszufinden, ob der Effekt der Epidemie auch im Winter noch spürbar ist und wie sich der Blaumeisenbestand über die nächsten Jahre einpendelt.

Bei der letzten großen Wintervogelzählung im Januar 2020 beteiligten sich in Hessen über 10.643 Menschen. Insgesamt gingen Meldungen aus mehr als 7.480 Gärten und Parks mit 277.001 gezählten Vögeln ein. Bundesweit erreichte die Vogelzahl über 3,6 Millionen. Um an der Stunde der Wintervögel teilzunehmen, reicht das pure Interesse und die Freude an der Vogelwelt aus, eine besondere Qualifikation ist für die Wintervogelzählung nicht nötig.

Jeder kann eine Stunde lang die Vögel am Futterplatz, vom Garten, Balkon oder Fenster aus oder im Park zählen und dem NABU melden. Von einem ruhigen Beobachtungsplatz aus wird von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist. Die Beobachtungen können unter www.NABU.de/onlinemeldung bis zum 18. Januar gemeldet werden. Zudem ist für telefonische Meldungen am 9. und 10. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800/1157-115 geschaltet. Auch über die NABU-App „Vogelwelt“ (Download unter www.NABU.de/vogelwelt) kann gemeldet werden.

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