Großenlüder: Traditionsbewusst und modern

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Beim Gespräch mit Corona-bedingtem Abstand im St.-Georg-Park im Ortsmittelpunkt von Großenlüder: Bürgermeister Werner Dietrich (links) und „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz.

"Fulda aktuell"-Gespräch mit dem Bürgermeister von Großenlüder, Werner Dietrich

Großenlüder - Es gibt Menschen, die einen immer wieder überraschen. Werner Dietrich, der Bürgermeister von Großenlüder, ist so jemand. Denn, Hand aufs Herz: Ich hätte nie vermutet, dass er auf die Bluesrocker von „AC/DC“ steht und mit 17 Jahren zum ersten Mal ein Konzert der australischen Band live erlebt hat. Damals in der Frankfurter Festhalle. „Mit 54 war ich dann gemeinsam mit meinem Sohn am Hockenheimring bei ,AC/DC‘ erzählt Dietrich. Da habe ihm die Lautstärke aber doch schon ein wenig zugesetzt.

Der 59-Jährige gesteht sich indes ein breitgefächertes musikalisches Interesse zu, hört beispielsweise auch gerne Mozart. Und er betont: „Neben meiner Familie und der Politik nimmt die Musik einen großen Platz in meinem Leben ein“. Kein Wunder, denn Dietrich ist ausgebildeter Kirchenorganist und Chorleiter. Mit Musik, und jetzt schließt sich der Kreis, hat es auch zu tun, wenn der Verwaltungschef der Großgemeinde im April 2021 aus dem Amt scheidet: Dann will Dietrich „natürlich viel mehr Zeit für die Familie haben“, aber auch E-Gitarre lernen und den Motorrad-Führerschein machen. „Und für mich und die Familie ein Buch schreiben über die Erfahrungen mit meinem Leben“.

Am 15. November steht die Bürgermeisterwahl an, und Dietrich hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, nach zwei Amtsperioden nicht mehr anzutreten. Der 59-Jährige, der mit seiner Familie in Uffhausen lebt, war (und ist) fast 32 Jahre kommunalpolitisch für seine Heimatgemeinde Großenlüder aktiv, davon 20 Jahre ehrenamtlich und eben zwölf Jahre als Verwaltungschef. Dietrich, Gründer der „Unabhängigen Bürgerliste“ (UBL) Großenlüder, war 2008 trotz zweier Gegenkandidaten im ersten Wahlgang zum Bürgermeister und damit zum Nachfolger von Silvia Hillenbrand (SPD) gewählt worden. Im November 2014 erfolgte dann mit großer Mehrheit die Wiederwahl.

Im Gespräch wird deutlich, dass der 59-Jährige Beruf und Amt liebt, auch wenn er kein Fazit seiner Bürgermeisterjahre ziehen möchte: Darüber sollen die Bürger entscheiden, was gut oder weniger gut gelaufen sei. Er jedenfalls halte den Zeitpunkt für richtig, „die Geschicke der Gemeinde in die Hände der jüngeren Bürgermeister-Generation zu legen“. Auch um den Kernort Großenlüder und seine sechs Ortsteile mit den rund 8.600 Einwohnern ins Digitalzeitalter zu führen. Und um – nicht nur dieser – Herausforderung zu begegnen und diese zu bestehen, sieht Dietrich die Gemeinde bestens aufgestellt. Sein Ziel sei stets gewesen, aus Großenlüder „eine kleine Stadt im Grünen, in der Natur“ zu machen. Dabei stets auf Höhe der Zeit bleibend „und mit der Vielfalt der Menschen, die so sind, wie sie sind“.

Der 59-Jährige findet, dass sich Großenlüder zu einer sehr lebenswerten, interessanten und vielfältigen Gemeinde entwickelt habe, die Tradition und Moderne gleichermaßen verbinde und lebe. Beide Elemente erzeugten ein Spannungsverhältnis und ergänzten sich ganz hervorragend. Was die Infrastruktur angeht, so sei von den Jüngsten bis zu den Senioren an alles gedacht: Die Gemeinde verfüge über Kindergärten, sei Schulstandort und habe ein Altenpflegeheim. „Und wir sind dank Bahn und Bus gut an den ÖPNV angeschlossen“, formuliert der Bürgermeister weiter und hebt den Vorteil hervor, an der B 254 zwischen dem Oberzentrum Fulda und dem Mittelzentrum Lauterbach zu liegen. Die Nachfrage sowohl nach Gewerbe- als auch nach Mischgebiet sei hoch und könne befriedigt werden. Ein weiterer Vorteil der Gemeinde ist für Dietrich der Branchenmix, den es in den Mauern der Gemeinde gibt: Alteingesessene Familienbetriebe, behördliche Einrichtungen und Unternehmen, deren Bedeutung weit über die Regionsgrenzen hinaus strahlt.

Ein wichtiges Standbein ist da auch die Digitalisierung, wo er Großenlüder „sehr weit“ sieht. Sein Credo, das auch für die Verwaltung und den Bauhof gilt, wo seit drei Jahren schrittweise auf digitales Arbeiten umgestellt wird: Man dürfe die Menschen nicht überfordern, sondern müsse sie auf dem Weg mitnehmen. Ein solches Gespräch wäre unvollständig, würde nicht das hohe ehrenamtliche Engagement zur Sprache kommen, das in den vielen Vereinen, Verbänden und Organisationen wie auch der Feuerwehr gepflegt wird. „Was dort für Sport und Kultur getan wird, kann nicht hoch genug bewertet werden“, so Dietrich, der freilich auch die Leistungen nennt, die die Gemeinde für die Vereine erbringt, damit die gute Übungs- und Trainingsmöglichkeiten haben.

Was generell das politische und gesellschaftliche Klima angeht, so sei dies gut. „Großenlüder ist viel mehr als das, was derzeit diskutiert wird“, betont Dietrich und meint die Debatte um die Erweiterungspläne der Firma Otterbein in Müs. Sein Bestreben sei stets gewesen, alle auf dem gleichen Informationsstand zu halten. Des Bürgermeisters Fazit nach dem sehr angenehmen Austausch: „Die Menschen und Betriebe fühlen sich in der Gemeinde wohl. Großenlüder ist einfach schön!“ Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

Nachtrag

Ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken von Gemeinde, Ehrenamtlichen und der „Bürgerstiftung Großenlüder“ ist die Einweihung des Schau-Gradierwerkes im Naturpark „Sodegarten“ am Nachmittag des 30. August. Durch gemeindliche Fachkompetenz und durch die von der „Bürgerstiftung“ organisierten Spenden- und Dienstleistungen wurde ein Stück Historie vervollständigt.

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