IHK-Neujahrsempfang

Bahnchef Dr. Rüdiger Grube: "Fulda ist das Herz der Bahn"

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Fulda. Der Fuldaer „IHK”-Präsident Bernhard Juchheim lobte das Netzwerk von Dr. Rüdiger Grube, der als Gastredner zum Jahresempfang der „Industrie- und Handelskammer” nach Fulda gekommen war. Grube revanchierte sich mit einem eindrucksvollen Kompliment: „Fulda ist für uns das Herz und die Seele der Eisenbahn.“ Rund 700 Unternehmer, Führungskräfte und Politiker waren ins „Schlosstheater” gekommen. Nichts war zu spüren vom Schatten des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der zeitgleich in Washington in sein Amt eingeführt wurde. Und wenn Präsident Juchheim und Bahnchef Grube dennoch in ihren Ausführungen immer wieder einen Blick über den Teich wagten, so galt dieser nicht der Politik, sondern den Entwicklungen im Silicon Valley. Der Fuldaer „IHK”-Präsident bezeichnete die Digitalisierung als die größte Herausforderung für die Zukunft. „Die digitale Transformation unserer Unternehmen ist keine Aufgabe der IT-Abteilung, sondern des gesamten Managements.“

Digitalisierung der Unternehmen

Juchheim hatte eindrucksvoll vor Augen geführt, wie wichtig es ist, jeden Mitarbeiter auf dem Weg der digitalen Transformation mitzunehmen. „Es keine heiligen Kühe. Alles muss und wird auf den Prüfstand gestellt.“ Für den Mittelstand bedeute dies ein komplettes Umdenken bei den Geschäftsmodellen – weg von der reinen Optimierung der Lohnstückkosten. Es sei, so Juchheim, noch nicht zu spät, um auf den fahrenden digitalen Zug aufzuspringen. „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. Lassen Sie uns gemeinsam Windmühlen bauen.“

Grube, der stilecht mit der Bahn nach Fulda gekommen war, erläuterte in einem wahren Zahlenfeuerwerk die wirtschaftliche Bedeutung der „Deutsche Bahn AG” – national und international. Immer wieder wies er dabei auf die große Komplexität der Aufgabenstellung hin. „Unsere jährliche Beförderungsleistung von 2,8 Milliarden Menschen entspricht der Einwohnerzahl von China und Indien zusammen.“

Auch bei der Digitalisierung will die Bahn verloren gegangenes Terrain zurückholen. WLAN in den Zügen werde vorrangig realisiert. Die Infotafeln auf den Bahnhöfen sollen ebenfalls „smarter“ werden. Überhaupt will die Bahn nach den Worten von Grube eine eigene Mobilitätsplattform schaffen. „Apps sind ein Auslaufmodell, wir setzen auf die Kommunikation per Voice-Stream”, erläuterte der Manager, der sich regelmäßig mit den Wirtschaftskapitänen im Silicon Valley austauscht.

Ausbau Fulda-Frankfurt

Auch und vor allem in die Infrastruktur wird laut Grube investiert. Mehr als 40 Milliarden Euro seien dafür bereitgestellt. So sei es das Ziel seines Aktionsprogramms „Zukunft Bahn“, nicht nur pünktlicher zu werden, sondern den Fahrgästen auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken alle 30 Minuten einen Anschluss zur Verfügung zu stellen. In der Fläche soll, so Grube weiter, eine Taktung von mindestens zwei Stunden entstehen. Ein wichtiges Projekt ist die Modernisierung der Infrastruktur. 130 neue ICEs der vierten Generation sollen angeschafft und die Güterzüge leiser werden. Aber auch Gleisanlagen und Bahnhöfe werden modernisiert.

Dazu zählt der Bahnchef den viergleisigen Ausbau Fulda-Frankfurt, der sich wie ein roter Faden durch alle Ausführungen zog. Grube: „Wenn wir in Deutschland nicht mehr den Mut für Infrastrukturprojekte haben, dann werden wir diesem Standort schaden.“ Der Bahnchef setzt dabei aber auf einen konstruktiven ergebnisoffenen Dialog. „Mit dem dicken Kopf durch die dünne Wand, das funktioniert nicht mehr.“ Auch Juchheim hatte in seiner Begrüßung alle Beteiligten aufgefordert, „hier das rechte Maß bei der Abwägung von Bedeutung und Betroffenheit zu finden“. Landrat Bernd Woide forderte von der Region ein Signal der Geschlossenheit. „Die Bahn will es, der Bund will es, und wir in der Region brauchen und wollen den viergleisigen Ausbau.“

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