Grüne kritisieren: In Fulda regiert noch immer das Auto

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Klausurtagung: Grüne Stadtfraktion will neue Wege in der Verkehrspolitik gehen.

Fulda. "Neue Wege in der Verkehrspolitik" war eines der Hauptthemen der Klausurtagung der Fuldaer GRÜNE-Stadtfraktion.

"In Fulda diktiert noch immer das Auto die Verkehrsplanung. Die Belange von Rad fahrenden oder zu Fuß gehenden Menschen werden lediglich nachrangig berücksichtigt – zu Lasten der Verkehrssicherheit", kritisieren die GRÜNEN. Eine weitere Kehrseite dieser verkehrlichen Weichenstellung sei, dass die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt sinke und diese damit auch als Einkaufsstätte an Attraktivität verliere. "Vor dem Hintergrund, dass man von überall her faktisch alles per Internet bestellen kann und die Ware oft sogar schon am nächsten Tag geliefert wird, muss eine Innenstadt eine hohe Aufenthaltsqualität haben. Konkurrenzfähig zum Einkaufszentrum am Stadtrand oder auf der grünen Wiese ist ein Drive-in-Stadtzentrum ebenfalls nicht", betonen die GRÜNEN.

Als Positivbeispiel führen die GRÜNEN die Umgestaltung der unteren Bahnhofstraße an. "Die dortige Fußgängerzone belebt und wertet das Quartier erheblich auf. Mittlerweile fordern Anlieger, auch die mittlere Bahnhofstraße entsprechend umzugestalten."

Doch in der Friedrichstraße ist noch immer ein Großteil des zur Verfügung stehenden Raumes den durchfahrenden und parkenden Autos vorbehalten. "RadfahrerInnen, FußgängerInnen und Rollstuhl fahrende Menschen müssen sich zwischen fahrenden und parkenden Autos durchzwängen, die Gäste der Gastronomiebetriebe die Speisen neben deren Motorengeräuschen und Abgasen einnehmen. Eine Steigerung der Aufenthaltsqualität dieser Straße – sicherlich einer der schönsten unserer Stadt – tut Not. Menschen, nicht die durchfahrenden Autos sind potentiell Kundschaft der Läden und Restaurants. Der Autoverkehr besteht zum größten Teil – der aktuellen Zählung nach zu ca. 90 Prozent - aus Durchgangs- und Parksuchverkehr, auch die Parkplätze werden zumeist nicht vom Zielverkehr dieser Straße belegt", begründen die GRÜNEN, dass die Einrichtung einer Fußgängerzone den Umsatz hier keinesfalls senken würde.

"Wir möchten den Raum dieser wunderschönen Straße weitgehend den flanierenden, sitzenden, speisenden, spielenden, sich miteinander unterhaltenden oder ruhenden, einkaufenden, Rad, Rollstuhl und Rollator fahrenden Frauen, Männern und Kindern überlassen. Es kann nicht sein, dass die Minderheit derjenigen, die dort einen Parkplatz ergattern oder ihr Auto mit aufgedrehtem Motor und lauter Musik vorführen will, diesen Weg dominieren und blockieren", führen die GRÜNEN aus.

Auch eine zukunftsorientierte Freiraumentwicklung von Stadtzentren ist wichtig dafür, diese als attraktive Orte zum Leben, Wohnen, Arbeiten und für die Versorgung zu stärken. Daher gehören entsprechende Projekte auch zum hessischen Städtebau-Förderprogramm ‚Aktive Kernbereiche‘. "In diesem Zusammenhang haben die Fachleute 2011 beispielsweise festgestellt, dass in Fulda ein sehr großes Angebot an Parkplätzen zur Verfügung steht. Unmittelbar angrenzend an die Friedrichstraße sind das insbesondere die Parkfläche auf dem Bonifatiusplatz und die Tiefgarage Stadtschloss. Bemängelt wurde, dass die Stellflächen mitten im Stadtraum wesentlich günstiger seien als die in den Parkgaragen und daher diese für eine attraktive Freiraumgestaltung wesentlich verträglicheren Bauten nicht ausgelastet, wohingegen die Straßenränder überlastet seien."

Die GRÜNEN betonen, dass sie Mobilität nicht verhindern oder erschweren wollen, sondern "im Gegenteil, wir wollen Mobilität zukunftsfähig und gerecht entwickeln. Zentral ist hier ein vernünftiges und bequemes ÖPNV-Angebot. Auch Innenstadtziele müssen hiermit erschlossen sein. Beispielsweise könnte ein Kleinbus, der auch durch Fußgängerzonen fahren darf, die Stadtbusse sinnvoll ergänzen", erläutern die GRÜNEN.

"Fuldas Prioritätensetzung beim Zukunftsthema Mobilität gefährdet unsere Lebensqualität und die Qualität unserer Innenstadt. Der Flächenverbrauch für den Autoverkehr - insbesondere auch durch die Parkflächen – ist gigantisch. Will man nicht die Mobilität aller gefährden, muss man mit einer geschickten Verkehrspolitik gegensteuern. Das heißt nicht, Pkws zu verbieten, dies heißt, dass andere Verkehrsmittel nicht weiter benachteiligt werden und damit immer konkurrenzfähiger zum Auto werden", fassen die GRÜNEN abschließend ihre Position zusammen.

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