Häusliche Gewalt und das Frauenhaus Fulda in der Pandemie

Im „Frauenhaus Fulda“ finden Opfer von Gewalt Schutz – an 365 Tagen rund um die Uhr. In Fulda betreibt der „Sozialdienst katholischer Frauen“ das „Frauenhaus“.
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Im „Frauenhaus Fulda“ finden Opfer von Gewalt Schutz – an 365 Tagen rund um die Uhr. In Fulda betreibt der „Sozialdienst katholischer Frauen“ das „Frauenhaus“.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf häusliche Gewalt im Landkreis Fulda?

Fulda. Durch die veränderten familiären Situationen in der Corona-Pandemie gibt es immer wieder Meldungen darüber, das die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt gestiegen sei. Grund genug für „Fulda aktuell“, beim „Sozialdienst katholischer Frauen“, der das Fuldaer „Frauenhaus“ betreibt, nach der Lage in der Region zu fragen.

„Die Anzahl der Anfragen hat sich seit Ausbruch der Pandemie im Vergleich zum Vorjahr nicht merklich erhöht. Allerdings verzeichnen wir einen leichten Anstieg der telefonischen Beratungen“, sagt das Team des Frauenhauses. „Uns sind bislang keine Fälle bekannt, die in offensichtlich direktem ursächlichen Zusammenhang durch eine Corona-bedingte Isolation stehen. Ausschließen lässt sich dies natürlich nicht, allerdings war dieser mögliche Umstand nicht Gegenstand bei Anfragen und in Beratungsgesprächen.“ Laut dem Team seien offenbar eher Großstädte von einem stärkeren Anstieg der (Fall-)Zahlen betroffen.

Familien, die vorher zwar zusammenlebten aber doch eine nicht unerhebliche Zeit des Tages getrennt voneinander mit Arbeit, Schule, Kindergarten und ähnlichem verbrachten, seien in Zeiten eines Lock-Downs gezwungen, Tag und Nacht auf manchmal engem Raum – ohne Ausweichmöglichkeit – zusammen zu sein. „Bereits latent vorhandene oder neu hinzugekommene Spannungen können sich in einer solchen Situation schon bei kleinem Anlass Bahn brechen“, so das Fuldaer „Frauenhaus“-Team. Hinzu komme, dass während der Corona-Zeit auch Beratungsstellen nur eingeschränkt arbeiteten und dementsprechend nur vermindert hätten in Anspruch genommen werden können. „Und schließlich ist es manchen Frauen schlicht nicht möglich, Hilfe zu suchen, weil sie beispielsweise nicht ungestört telefonieren oder unbemerkt das Haus verlassen können.“

„Wenn eine telefonische oder Online-Kontaktaufnahme möglich ist, erfolgt der Kontakt von betroffenen Frauen auf diesem Weg. Das „Frauenhaus Fulda“ ist Tag und Nacht telefonisch unter der Nummer 0661/9529525 oder per E-Mail an frauenhaus@skf-fulda.de erreichbar und kann auch rund um die Uhr Frauen mit ihren Kindern aufnehmen – vorausgesetzt es gibt freie Plätze.

Das „Frauenhaus Fulda“ ist eine Schutzeinrichtung für Frauen mit und ohne Kinder, die von körperlicher, seelischer und sexualisierter Gewalt bedroht und betroffen sind und bietet schnell und unbürokratisch Schutz und Unterstützung. Seit seiner Gründung im Jahre 1982 bietet es Kapazitäten für insgesamt 16 Frauen und Kinder. In Beratungsgesprächen am Telefon können vorab schon Möglichkeiten und Strategien erörtert werden, wie die Frau sich und ihre Kinder schützen und weiter vorgehen kann. „In Akutsituationen ist die Polizei über den Notruf Ansprechpartner“, so das Team.

Die Mitarbeiterinnen versuchen, die betroffenen Frauen an andere Frauenhäuser in Hessen als auch bundesweit weiter zu vermitteln, sollten in Fulda alle Plätze belegt sein. Jede Frau kann sich allerdings auch selbst über freie Plätze in Frauenhäusern informieren. Für Hessen findet man die Info unter www.frauenhaeuser-hessen.de im Internet. „Das Problem besteht allerdings darin, dass die hessischen Frauenhäuser fast immer voll belegt sind. Wir Mitarbeiterinnen versuchen dann alternative Möglichkeiten mit der betroffenen Frau zu finden. Sei es, dass es eine Unterbringungsmöglichkeit bei Verwandten oder Freunden gibt oder zunächst eine Vermittlung an eine Beratungsstelle erfolgt. Im schlimmsten Fall heißt das, dass die Frau mit ihren Kindern in der gewaltgeprägten Situation bleiben muss“, heißt es vom Team des „Frauenhauses Fulda“.

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