Der Heimat den Rücken gekehrt

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Fulda. Drei Spanier absolvieren ihre Ausbildung innerhalb eines Pilotprojektes bei "R+S" in Fulda.

Fulda. Mit einer Ausbildung zur Informatikerin hatte Fadwa el Harrak eigentlich eine gute Basis für ihre Karriere gelegt. Im krisengeschüttelten Spanien reicht das momentan jedoch nicht aus: Die junge Frau aus Barcelona fand im erlernten Beruf keine Stelle. Schweren Herzens fasste die 24-Jährige deshalb den Entschluss, ihr Heimatland zu verlassen und einen Neubeginn zu wagen – in Deutschland, in einem neuen Job.

Seit 1. Oktober absolviert sie gemeinsam mit ihren Landsleuten Eduard Puig Serra (24) und Carlos Rodriguez Cerezuela (23) eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Zunächst für ein Jahr beim Bildungs- und Technologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik in Lauterbach (BZL). Untergebracht werden sie in Lauterbacher Gastfamilien. Im zweiten Lehrjahr wechseln die drei Spanier dann zur R+S-Gruppe. "Es war für die Kandidaten kein einfacher Weg bis hierhin, denn sie mussten erst einmal zeigen, ob sie für die Ausbildung geeignet sind", erklärt Alexandra Trygub von der R+S-Akademie. Während eines vierwöchigen Vorpraktikums im September stand zunächst einmal ein zweiwöchiger Deutsch-Intensivkurs auf dem Stundenplan.

Aber auch praktische Einblicke in den künftigen Beruf erhielten die Anwärter: Fadwa el Harrak, Eduard Puig Serra und Carlos Rodriguez Cerezuela durften bei Routinearbeiten in den Werken von Goodyear, Dunlop, Engelbert Strauss, in den Niederlassungen von Mercedes, Dänischem Bettenlager oder im Einkaufszentrum Kaiserwiesen den erfahrenen Monteuren über die Schulter schauen. Auch die Baustelle der R+S-Akademie stand auf der Agenda. Immer an ihrer Seite: Michael Jakob. Er gehört ebenfalls zum Akademie-Team und ist nicht nur in fachlicher Hinsicht ein wichtiger Ansprechpartner, sondern auch ein verlässlicher Dolmetscher, denn er spricht fließend spanisch.

"Von sechs Anwärtern haben wir schließlich mit dreien einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen", erläutert Katja Martini vom Team R+S-Ausbildung. Das Unternehmen hat sich durch die Bank gute Leute ausgesucht: Mit Carlos Rodriguez Cerezuela und Eduard Puig Serra treten ein studierter BWLer und ein Spezialist für Automatisierungsprozesse eine R+S-Ausbildung an. Und die jungen Spanier sind hochmotiviert. Mit Hilfe ihres Dolmetschers Michael Jakob erklären sie, warum im Moment kein Heimweh aufkommt: "Wir hatten uns für R+S interessiert, weil ein großes Unternehmen eine größere Palette an Projekten bearbeitet. Dennoch waren bei unserem Praktikum überrascht, wie viele unterschiedliche Aufgaben hier anfallen. Unser positiver Eindruck hat sich mehr als bestätigt und wir freuen uns auf unsere Ausbildung."

+++ Hintergrund +++

Das hessische Pilotprojekt ermöglicht 45 jungen Spaniern, die alle mindestens 18 Jahre alt sind, eine Ausbildung im Handwerk. Ausgeschrieben waren Lehrstellen im Sanitär-, Dachdecker- und Elektrohandwerk. 90 junge Leute hatten sich beworben, 50 wurden nach Deutschland eingeladen und konnten bei einem Schnupperkurs in diversen Betrieben erahnen, was auf sie zukommt. 45 haben einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Eine bestandene Gesellenprüfung eröffnet den jungen Spaniern viele Weiterbildungschancen. Nach dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) und dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) ist der Meistertitel dem Bachelor gleichgestellt.

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