Heimische Wirtschaft sieht Licht am Horizont

Fuldas IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow bei der Präsentation der Ergebnisse der Konjunkturumfrage am Donnerstagmorgen.
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Fuldas IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow bei der Präsentation der Ergebnisse der Konjunkturumfrage am Donnerstagmorgen.

Es kommt eher selten vor, dass die „Industrie- und Handelskammer“ (IHK) Fulda zu einer Pressekonferenz einlädt, und schon gar nicht um 8 Uhr am Morgen. Am Donnerstag aber konnte „IHK“-Hauptgeschäftsführer Michael Konow zahlreiche Journalisten begrüßen, ging es doch darum, die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage vorzustellen. Nun soll es zu einer Regelmäßigkeit werden, dass der Konjunkturbericht als „wichtiges Stimmungsbarometer unserer regionalen Wirtschaft“ öffentlich der Presse präsentiert wird.

Fulda. Befragt wurden auch diesmal 150 Unternehmen der verschiedensten Branchen, die im ganzen Landkreis Fulda beheimatet sind. Das Fazit laut Konow: „Die Konjunktur in der Region Fulda ist wieder auf Vorkrisenniveau. Allerdings bereitet der Fachkräftemangel Branchen übergreifend große Sorgen und könnte zukünftig Wachstums mindernd wirken“.

Die aktuelle Geschäftslage wird von 49 Prozent der Unternehmen als „befriedigend“ bezeichnet, von einer schlechten Lage sprechen zwölf Prozent. Im Mai lag dieser Wert noch bei 23 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit einer guten aktuellen Geschäftslage hat sich von knapp 29 Prozent (Mai 2021) auf 38 Prozent im Oktober verbessert. Auch die Erwartungen seien per Saldo positiver: Eine schlechtere Lage erwarten rund 16 Prozent der Firmen (Mai 2021: 22 Prozent), 63 Prozent gehen von einer konstanten Geschäftslage aus (59 Prozent) und 20 Prozent der Betriebe erwarteten eine eher günstigere Geschäftslage (Mai 2021: 19 Prozent).

Konow: „Als Ergebnis der Bewertung sowohl der aktuellen wie auch der Einschätzung der zukünftigen Geschäftslage ist der Geschäftsklimaindex, der sich zwischen 0 und 200 Punkten bewegen kann, von 101,0 Punkten im Mai 2021 auf 114,5 Punkte gestiegen. Damit liegt er erstmals wieder auf dem Niveau vor der Corona-Krise, ist aber noch weit entfernt vom 2018er-Wert, als die Konjunktur im absoluten Hoch war. Dennoch bleibt festzuhalten, dass wir aus dem Tal erstmal raus sind“.

Der konjunkturelle Aufschwung spiegele sich in der gestiegenen Investitionsbereitschaft wider. Nur noch 18 Prozent (Mai 2021: 32 Prozent) der befragten Unternehmen haben ihre Investitionsabsichten reduziert. Von steigenden Investitionen hingegen gehen 37 Prozent (Mai 2021: 24 Prozent) der Betriebe aus. Hauptmotive für Investitionen sind laut Konow Ersatzbedarf (70 Prozent) und Rationalisierung (30 Prozent). Mit ebenfalls 30 Prozent stark verbessert sei der Wert für Kapazitätsausweitung (Mai 2021: 17 Prozent), was auch für eine anziehende Konjunktur spricht. Die Zahl der Firmen, die von einem Beschäftigungsabbau ausgehen, sei erstmals seit langem wieder deutlich kleiner (zwölf Prozent) als die Zahl der Betriebe, die zusätzliche Beschäftigung planen (26 Prozent), was auch die auf 2,8 Prozent gesunkene Arbeitslosenquote bestätigt. Von einer drohenden Insolvenzwelle könne derzeit keine Rede sein; diese Gefahr sähen nur 1,4 Prozent der befragten Betriebe.

Als größte Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung werden der Fachkräftemangel (73 Prozent), steigende Energie- und Rohstoffpreise (61 Prozent), sich verschlechternde wirtschaftliche Rahmenbedingungen (58 Prozent) und höhere Arbeitskosten (45 Prozent) von den Firmen bewertet. Besonders gefragt seien Auszubildende, die jedes zweite Unternehmen suche.

„Die weitere regionale wirtschaftliche Entwicklung hängt stark davon ab, ob es uns gelingt, Fachkräfte in unserer Region zu halten und anzuziehen, denn der demographische Wandel macht sich immer stärker bemerkbar. Wir müssen stärker auf die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland setzen. Besonders das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz mit Erleichterungen für Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten sollte zukünftig stärker und unbürokratisch zum Zuge kommen. Daneben müssen wir weiterhin an der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf arbeiten, um gerade die Erwerbstätigkeit von Frauen zu erhöhen“, fasste Konow die aktuellen konjunkturellen Zahlen zusammen.

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