Heirat auf dem höchsten Berg Hessens

Gersfeld. Es soll die spektakulärste Hochzeit Hessens werden: Die Vorbereitungen zur ersten Trausaison im Radom auf der Wasserkuppe in diesem Sommer

Gersfeld. Es soll die spektakulärste Hochzeit Hessens werden: Die Vorbereitungen zur ersten Trausaison im Radom auf der Wasserkuppe in diesem Sommer laufen auf Hochtouren. Ab jetzt können sich Brautpaare um ihren schönsten Tag im Leben auf dem Radom bewerben.

Der Magistrat der Stadt Gersfeld hat das Radom seit Jahresbeginn zur Außenstelle seines Standesamtes gemacht. Die Stadt Gersfeld, die Wirtschaftsförderung des Landkreises Fulda und der gemeinnützige Radombetreiber vermarkten Hochzeiten unter dem Slogan "Gipfel der Liebe – himmlisch heiraten auf 950 Meter". Zum Auftakt des Angebots halten die Initiatoren ein außergewöhnliches Angebot bereit: Ein ausgesuchtes Paar, das sich im Radom standesamtlich trauen lässt, bekommt eine Event-Hochzeit fast frei Haus.

Der Termin steht: Am 7. September soll diese Trauung über die Bühne gehen. Das Brautpaar traut sich dann nicht nur vor den Altar, sondern auch in die Öffentlichkeit. "Wir suchen ein medienaffines Paar", sagt Pia Groß, Vorsitzende der gemeinnützigen Radomflug-Gesellschaft, denn diese Trauung am geschichtsträchtigen und zugleich höchsten Ort in Hessen verspreche eine besondere Öffentlichkeitswirkung zu entwickeln. "Schon auf den Kampagnenstart haben wir unglaublich viele Rückmeldungen erhalten", sagt sie. Zudem soll das Paar "Liebes-Botschafter der Region und der Kampagne sein und auf Messen und Veranstaltungen für den "Gipfel der Liebe" werben.

Das Paar selbst sollte ebenso ungewöhnlich sein wie der Ort: Gesucht werde weniger das klassische Hochzeitspärchen mit Glitzer und weißem Kleid, sondern jene mit Geschichte(n): Als Beispiele nennt Groß Ost-West-Pärchen, gleichgeschlechtliche Paare, und Paare mit "Grenzerfahrung". Denn diese passten zu der Geschichte des Radoms: Als Kulturdenkmal gilt es als Symbol des Kalten Krieges, steht für die Teilung Deutschlands, zweier Weltmächte und ideologischer Blöcke, für Überwachung, Abschottung und Militarisierung. "Was früher teilte, soll heute einen, wo sich früher abgeschottet wurde, soll heute Zweisamkeit entstehen", sagt Groß. Angesprochen sind außerdem Paare mit einem spannenden Profil, ereignisreichem Lebenslauf und spannenden oder lustigen Geschichten, etwa über den Hochzeitsantrag – falls noch nicht geschehen –, ihrer Liebe, ihres Lebens und warum sie selbst denken, dass sie die ideale Besetzung für die Trauung auf dem Hessens höchstem Gipfel sind. Aber auch Paare, die im übertragenen Sinne hoch hinauswollen, sind auf der Wasserkuppe richtig, denn hier ist der Geburtsort des Segelflugs, heute erweiteret um Drachenflieger und Paraglider, ergänzt Gersfelds Bürgermeister Peter Wolff. "Auch diese historische Entwicklung, die sich lange vor der deutschen Teilung etablierte, wollen wir lebendig halten", so Wolff.

Wer sich als ideales Radom-Paar sieht und diese Bedingungen akzeptiert, der wird im Falle des Zuschlags reich belohnt. Das Brautpaar werde "von zahlreichen Unternehmen gesponsert": Unter anderem werde die Braut von Fulda oder einem anderen Flugplatz in den "siebten Himmel" auf die Wasserkuppe geflogen, von dort wird das Brautpaar in einem Mercedes-Benz zur Trauung chauffiert und sie können anschließend damit Touren drehen. Es wird zudem eigens eine Hochzeitsmusik für das Radom komponiert, die am 7. September uraufgeführt wird. Hinzu kommen weiße Tauben, ein Banner "Just married" an einem Flugzeug, Fotograf und Filmteam, das Abendmenue, die Blumenarrangangements in Radom und Kuppel, Gutscheine, um sich in Hessens höchstem Kletterwald auf der Wasserkuppe durchs Leben zu hangeln und für Ökostrom. Bis zur Trauung hofft Hauptorganisatorin Pia Groß auf weitere Unterstützer, etwa um Braut und Bräutigam mit Kleid, Robe und Ringen auszustatten, zu frisieren und mit Ton und Beleuchtung ins rechte Licht zu rücken. Der Hauptsponsor wird die Außenfassade der Radom-Kuppel ein Jahr lang als Werbepartner nutzen können.

Wer sich mit dem Gedanken an ein Ja-Wort – inklusivem mehrfachen Echo in der Kuppel – in 950 Metern Höhe anfreunden kann, die Öffentlichkeit jedoch nicht scheut, kann sich von heute an bis zum 1. Mai bewerben: Bei der Radom gGmbH, Postfach 1711, 36037 Fulda, Stichwort. Himmlisch heiraten– oder direkt im Internet unter www.gipfel-der-liebe.de. Auf der Homepage der Kampagne ist ein Fragebogen hinterlegt und dort gibt es weitere Informationen. Zudem sollte die Bewerbung originell und ausgefallen sein. Eine Jury trifft die Auswahl und wählt die originellste Bewerbung aus. "Abgesehen von diesem Event rufe ich aber alle Heiratswilligen ein, die vielleicht nicht so medienaffin sind, auch ganz klassisch mit Freunden und Familien an jedem anderen Tag im Jahr auf dem Radom zu heiraten, wenn sie das Besondere suchen. Das Radom als überragende Landmarke, als architektonisches Juwel und als Symbol einer überwundenen Teilung ist immer ein exquisiter Ort", so Gersfelds Bürgermeister Peter Wolff. Diese Heiratswünsche sind dann direkt beim Standesamt Gersfeld (Rhön) - Ebersburg in Gersfeld anzumelden, so der Bürgermeister. Doch alle anderen können sich über die Internetadresse gipfel-der-liebe.de bewerben.

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