Herr Bombelmann und sein Weihnachtserlebnis

Von WOLFGANG LAMBRECHT Das schne, aber alte und immer saubere Auto holperte in der frhen Dunkelheit des 24. Dezember gemtlich vor si

Von WOLFGANG LAMBRECHT

Das schne, aber alte und immer saubere Auto holperte in der frhen Dunkelheit des 24. Dezember gemtlich vor sich hin. Herr Bombelmann befand sich auf dem Weg nach Hause, denn er wollte auf keinen Fall die Bescherung verpassen das sei schlielich das Spannendste des Tages, fand er. Gerade bog er um die Ecke und hatte nur noch wenige Meter bis zu seinem kleinen bunten Haus zu fahren, als aus der dichten, schweren Wolke ber ihm Sterne herauspurzelten. Diese waren jedoch nicht, wie er es bisher kannte, golden glitzernd. Nein, sie leuchteten mal, waren im nchsten Moment nicht mehr zu sehen, blinkten wieder, erloschen und lsten sich auf zu feinem Staub - der dunkel auf den Boden herabrieselte.

Herr Bombelmann stoppte am Straenrand, denn so etwas hatte er noch nie gesehen. Und langsam, ganz langsam, aus dem dicken Nebel der Wolken, senkte sich in Richtung Strae ein vornehmer Schlitten, dessen geschwungene Kufen vorne rund nach oben gebogen waren. Die Polster schienen weich und angenehm zu sein, soweit dies bei dem schwachen Licht der Straenlaternen zu erkennen war.

Auf dem Schlitten sa ein rundlicher Mann mit einem langen weien Bart, eingehllt von dunklem Staub und hustete, was das Zeug hergab. Aus dem hinteren Teil des Schlittens schoss stoweise dieser Staub heraus, vermischt mit den seltsamen Sternen, die sich auflsten, und verteilte sich sofort rundherum. Man konnte meinen, sogar die Rentiere, die vor das Gefhrt gespannt waren, htten ein wenig die Orientierung verloren. Auch sie husteten und niesten und fhlten sich bestimmt nicht gerade sehr wohl.

Inzwischen war der Schlitten gelandet und der Mann, der einen roten Mantel mit weiem Fellkragen trug, heruntergestiegen. Mit angenehm dunkler und doch sanfter Stimme sagte er wie zu sich selbst: Jahr um Jahr hast du mich zuverlssig berall hingeflogen, noch nie mussten die Menschen auf ihre Geschenke verzichten und jetzt machst du solche Sachen mit mir. Na, dann mchte ich doch mal schauen, was mit dir los ist.

Er lie sich auf die Knie sinken, beugte sich seitlich weg und versuchte unter das ungewhnliche Fluggert zu sehen. Hallo Weihnachtsmann, rief Herr Bombelmann, falls dein Schlitten schlapp macht und du ihn reparieren musst, kannst du das gerne in meiner Garage tun. Da hast du Licht und es kann dich niemand sehen.

Der Schlittenfahrer erhob sich, wandte sich Herrn Bombelmann zu und antwortete nach kurzem berlegen: Ja, es wre in der Tat schade, wenn mich zu viele Menschen sehen wrden noch dazu in einer solchen Situation. Auerdem ist es hier viel zu dunkel um den Schlitten reparieren zu knnen. Und nach einer kurzen Pause fgte er hinzu: Woher weit du, wer ich bin?

Herr Bombelmann lchelte: Wer sollst du denn sonst sein? Ich wsste nicht, wer auer dir am 24. Dezember mit einem Schlitten aus den Wolken herausgleiten knnte.Der Weihnachtsmann wurde nachdenklich: Viele Menschen zweifeln daran, dass es mich gibt und glauben nicht mehr an mich. Das finde ich sehr, sehr schade. Dann zeige dich doch einfach hufiger und lass dich sehen. Sptestens dann wei jeder, dass du existierst!, schlug Herr Bombelmann vor.

Der Weihnachtsmann aber wiegelte sofort ab: Nein, das mchte ich auf keinen Fall! Es muss etwas Besonderes bleiben, mein Besuch auf der Erde, bei den Menschen. Geheimnisvoll und fast lautlos gleite ich seit vielen, vielen Jahren vom Himmel herab und sorge fr leuchtende Augen und strahlende Gesichter. Jahr fr Jahr bringe ich Freude und Glck. Ich mchte, dass es so bleibt wie es ist und schon immer war. Das ist eine alte Tradition. Dabei nickte er und lie keinen Widerspruch zu: ffne schon mal die Garage, damit wir hinein knnen.

Zum Glck waren es nur wenige Schritte dorthin und so schoben die beiden Mnner mit Hilfe der Rentiere den Schlitten hinber. Schnell war er zwischen den Wnden verschwunden, das Tor geschlossen und somit fr andere Augen nicht mehr zu sehen.

Der Weihnachtsmann versuchte zu erklren: Die Heizung am Schlitten ist ausgefallen und rut vor sich hin. Das ist noch nie passiert! Es knnte daran liegen, dass die Luft im letzten Jahr durch die Menschen zu stark verschmutzt wurde und nun den feinen Filter zugesetzt hat. Ich werde ihn ausbauen und reinigen mssen. Zuvor allerdings sollte ich die Zeit langsamer laufen lassen, damit ich heute nicht zu spt in die Huser komme!

Er schob seinen linken rmel nach oben und drehte am kleinen Rdchen der Uhr. Zwinkernd nickte der Weihnachtsmann Herrn Bombelmann zu und lud zwei schwere Scke vom Schlitten.

So, dann fange ich mal an, meinte er und begann den Filter auszubauen. Das war eine schwierige und komplizierte Angelegenheit und dauerte ziemlich lange. Wenn es einfach gewesen wre, htten wahrscheinlich wohl die meisten Schlitten eine eingebaute Heizung.

Endlich war es geschafft und der Weihnachtsmann hielt den verstopften Filter in der Hand.

Da brauche ich mich nicht zu wundern! So wie das Ding aussieht. Ihr Menschen solltet freundlicher mit der Umwelt umgehen, sonst verderbt ihr euch sogar noch das Weihnachtsfest!, mahnte er. Kannst du den bitte etwas abbrsten und mir wiederbringen?

Herr Bombelmann hatte den Filter schon bernommen und lief ins Haus: Bin gleich wieder da!, rief er und verschwand. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, weil so ein Filter Stck fr Stck gebrstet werden musste, schlielich sollte er richtig sauber sein und fr den Abend durchhalten.

Der Einbau dauerte genauso lange wie der Ausbau und eigentlich htte es schon mitten in der Nacht sein mssen, doch tatschlich waren gerade einmal zwlf Minuten vergangen.

Der Weihnachtsmann lud die Scke wieder auf und nahm Platz. Das haben wir gut hinbekommen. Danke, dass du mir geholfen hast. Spter werde ich bei dir sein und dir deine Geschenke bringen, Herr Bombelmann. Aber das mache ich heimlich du weit schon warum!

Vorsichtig ffnete Herr Bombelmann das Garagentor und der Weihnachtsmann war mit seinem Schlitten und den Rentieren schnell und lautlos in der Dunkelheit zwischen den Wolken verschwunden. Es war, als sei nichts gewesen.

Hoffentlich hat er daran gedacht, seine Uhr wieder richtig einzustellen. Denn sonst wrde die Zeit vor der Bescherung viel zu langsam vergehen

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