Herr der Dinge: Wissen aus Jahrhunderten

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Fulda. Ein Blick in die Tiefen (und Höhen) des Fuldaer Stadtarchivs mit Stadtarchivar Dr. Thomas Heiler und Beate Kann.

Fulda. Wenn man an "Stadtarchiv" denkt, dann stellt man sich dunkle Katakomben vor, nach altem Papier riechend, Roll-Regale und haufenweise verstaubte Akten. Auf das Fuldaer Stadtarchiv im "Palais Buttlar", das von Dr. Thomas Heiler und seiner Stellvertreterin Beate Kann geleitet wird, trifft diese Erwartungshaltung nur bedingt zu. Zwar sind die Räumlichkeiten nicht absolut modern, jedoch auf einem aktuellen Stand. "Wir haben zusammengerechnet vier Kilometer Regale", erläutert Dr. Heiler.

Darin lagern Akten und Dokumente vom 13. Jahrhundert bis heute. Darunter sind nicht nur royale oder päpstliche Urkunden, sondern auch Akten von Sozialhilfeempfängern, Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung und städtische Verträge. "Eben einfach alles, was die Stadtverwaltung produziert. Es ist unsere Aufgabe, zu entscheiden, was archiviert werden muss und was nicht", sagt Beate Kann.  "Unsere Hauptaufgabe ist es, für nachfolgende Generationen eine geordnete Überlieferung zu bilden", fügt Heiler hinzu.

In diesem Zusammenhang sind er, Beate Kann und die weiteren Mitarbeiter des Fuldaer Stadtarchivs ihren Vorgängerinnen und Vorgängern aus den vergangenen Jahrhunderten dankbar für das, was aufbewahrt worden ist. Das älteste Archival ist eine Urkunde aus dem Jahr 1295.

Die Archivarinnen und Archivare in Fulda arbeiten stets daran, alles, was die Stadt Fulda betrifft, zu sammeln und aufzubewahren. "Das kann auch mal eine Speisekarte aus einem Fuldaer Restaurant sein", schmunzelt Kann. Ansonsten sind die Mitarbeiter auch auf Auktionsplattformen im Internet unterwegs, um beispielsweise alte Postkarten und ähnliches für das Stadtarchiv zu ersteigern. "Wir haben ein Budget für Instandhaltung der Archivale und Erwerbungen", sagt Heiler.

Digitale Archivierung

Inzwischen werden nicht nur Akten und Dokumente in Papierform aufbewahrt, sondern zunehmend auch digitale Datenträger genutzt. Das ist nicht zuletzt auch auf beschränkte räumliche Möglichkeiten zurückzuführen. Neben den Regalen im "Palais Buttlar" sind kürzlich auch im Keller des Stadtschlosses Rollregale installiert worden. Dennoch werden nach und nach Akten digitalisiert oder auf Mikrofilm oder Mikrofiche übertragen, um sie zu sichern. "Das ist sehr viel Arbeit und manche Mitarbeiter wissen, dass sie bis zu ihrer Pensionierung mit einer bestimmten Aufgabe beschäftigt sein werden", sagt Kann.

Anfragen beantworten

Eine weitere Aufgabe der Archivare besteht darin, Anfragen zu beantworten. "Das können Anfragen aus der Politik zu bestimmten Sachverhalten der Vergangenheit sein, aber auch private Anfragen nach Stammbäumen oder Verwandten, die irgendwann einmal in Fulda gelebt haben", sagt Kann. Letztere Anfragen kommen aus der ganzen Welt. "Wir wissen dann – sofern wir bestimmte Rahmendaten haben – sofort, wo wir suchen müssen und können Informationen herausgeben."

Doch das ist nicht unbeschränkt möglich. Bei Personendaten gilt laut dem Archivgesetz eine Frist von zehn Jahren nach Ableben der Person, nach der gefragt wird. Bei Informationen, die Sachverhalte betreffen, gilt eine Frist von 30 Jahren. "Was wir herausgeben dürfen, ist gesetzlich streng geregelt", erklärt Heiler. Auch über Vereins- und Firmengeschichten der vergangenen Jahrhunderte aus Fulda kann das Stadtarchiv Informationen liefern.

Doch das Wichtigste ist den Archivarinnen und Archivaren, Geschichte zu bewahrenund lebendig zu machen. Führungen durch das Archiv – auch von Schulklassen – und Wissensvermittlung durch Vorträge sind ein Teil davon. Am 8. und 9. März ist der "Tag der Archive", an dem auch das Fuldaer Stadtarchiv unter dem Motto "Frauen. Männer. Macht" teilnimmt.

Dr. Thomas Heiler und sein Team sind auch ständig auf der Suche nach Fuldaer Dingen, die vielleicht in Kellern oder auf Dachböden verstauben. Wer so etwas in alten Kartons entdeckt, kann sich direkt an das Stadtarchiv im "Palais Buttlar", Telefon 0661/ 1021452 wenden.

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