Der Hessentag rückt näher

Hessentagspaar Vera Vogt und Max Dudyka mit Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld.

Bildung, Kultur und Genuss werden die drei elementaren Bereiche des Hessentages.

Fulda -  „ZZ Top“ kennen ihn, Roland Kaiser und die Band „Silbermond“ waren gleich mehrfach da, auch die „Kelly Family“ spielte vor tausenden Gästen: Der Hessentag war in den vergangenen Jahren stets ein Fest der Superlative. Doch das war nicht immer so: Am Anfang stand 1961 ein überschaubares dreitägiges Trachtenfest in der Fachwerkstadt Alsfeld. Ins Leben rief es Georg-August Zinn als Ministerpräsident des Landes, um die Einwohner der verschiedenen Regionen des Landes und vor allem die nach dem Zweiten Weltkrieg in Hessen heimisch gewordenen Flüchtlinge aus ehemaligen Ost-Gebieten stärker zusammenzuführen. Integration war und ist das maßgebende Stichwort für den Hessentag.

Denn Hessen ist – wie einige andere Bundesländer auch – ein Kunstprodukt, entstanden nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Über 400 Jahre gab es auf diesem Territorium zahlreiche selbstständige Grafschaften und Fürstentümer. Ein landsmännischer Zusammenhalt konnte sich so kaum entwickeln. Zinns nachhaltige Idee war es, mit jährlich wechselnden Veranstaltungsorten die Menschen aus allen Regionen zusammenzuführen. Er prägte den Satz: „Hesse ist, wer Hesse sein will.“

Seit diesen Anfängen hat sich der Hessentag immer weiterentwickelt. So wird erst seit 1971 in jedem Jahr ein Hessentagspaar gekürt, das die jeweilige Hessentagsstadt repräsentiert. Auch die Dauer veränderte sich schrittweise: Erst seit dem 30. Hessentag in Fulda geht das Landesfest über zehn Tage. Inzwischen ist der Hessentag weit mehr als das, was die Besucher an diesen zehn Veranstaltungstagen sehen und erleben. Denn die ausrichtende Stadt erfährt mit Blick auf diese Veranstaltung eine erhebliche Förderung aus zusätzlichen Landesmitteln und investiert auch aus dem eigenen Budget in Maßnahmen zur Verbesserung der städtischen Infrastruktur. So ist der Hessentag ein nachhaltiges Projekt und wichtiger Impuls für die Stadtentwicklung. In Fulda gehören zum Beispiel der Bau der neuen Radbrücke an der Bardostraße, die neuen Rad- und Fußwege durch die Fulda-Aue, der Umbau der Tourist-Information und die Sanierung des Schlossgartens zu den sogenannten Hessentagsprojekten, von denen die Bürgerinnen und Bürger langfristig profitieren.

Ministerpräsident Zinn und Bürgermeister Kratz beim Eintreffen auf dem Marktplatz 1961 in Alsfeld, zum Auftakt des ersten Hessentages.

Im Laufe der Jahre trat das Traditionelle bei den Hessentagen ein wenig in den Hintergrund. Die jüngsten Hessentage waren vor allem eine Leistungsschau des Landes mit vielfältigen kulturellen Angeboten einschließlich der Großkonzerte internationaler Popstars. Behörden, Fraktionen, Wohlfahrtsorganisationen, Polizei, Bundeswehr, Verbände, Vereine und heimische Medien prägen das Fest, die Landesausstellung und zahlreiche Attraktionen rund um die sogenannte Hessentagsstraße. Immer größer – und damit teurer – wurden die Hessentage, was regelmäßige Kritik vom Bund der Steuerzahler hervorrief. Das Land Hessen reagierte 2017 mit dem Konzept für den „Hessentag der Zukunft“.

Eine Maßgabe: Der Hessentag soll sich der gastgebenden Stadt anpassen und maßstäblich sein. Das hatte sich die Stadt Fulda bereits in ihrer Bewerbung auf die Fahnen geschrieben. Die Corona-Pandemie stellte jedoch die bisherigen Planungen noch einmal auf den Kopf. Wird der 60. Hessentag in Fulda dadurch weniger attraktiv? Mitnichten: Das Hessentagsteam hat unter dem Motto „Foll hessisch“ ein maßgeschneidertes Konzept entwickelt, das eine flexible Anpassung an die aktuelle Corona-Lage zulässt.

Die Stadt Fulda wird in drei sogenannte thematische Quartiere unterteilt, die die Sicherstellung der aktuellen Hygiene-Vorgaben ermöglichen. Ja, der Hessentag 2021 wird anders aussehen als die Jahre zuvor, aber der Wesenskern des Landesfestes bleibt erhalten. In Anlehnung an Georg-August Zinn könnte es heute heißen: „Hesse ist … wer nach Fulda kommt“.

Der Hessentag bezieht Quartier

Fulda. Ein Hessentag mit Quartierscharakter – so lautet der aktuelle Planungsstand im Organisationsbüro für den 60. Hessentag vom 21. bis 30. Mai 2021. Das Hessentagsteam um Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld geht neue Wege und entwickelt innovative Veranstaltungsformate, um Bildung und Kultur aber auch den Genuss nicht zu kurz kommen zu lassen. Besonderer Wert wird auf den Gesundheitsschutz von Besucherinnen und Besuchern sowie Mitarbeitenden des Hessentages gelegt.

Herausgekommen ist ein Veranstaltungskonzept, das drei elementare Bereiche der Barockstadt definiert und so die Chance für neue, zukunftsweisende Entwicklungen zur Durchführung des Landesfestes eröffnet. Die wichtige Landesausstellung mit Festhalle wird im „Quartier 1 – Wissen und Bildung“ an der Ochsenwiese mit dem benachbarten Kongresszentrum angesiedelt. Hier befindet sich auch das neuartige „Innovationsquartier“, in dem hessische Unternehmen zeigen, welche Innovationskraft in unserem Bundesland steckt. Das großzügig angelegte Areal bietet allen Ausstellenden die Möglichkeit, sich attraktiv zu präsentieren und dabei gleichzeitig alle gebotenen und notwendigen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln einzuhalten. Wer sich für das Thema Nachhaltigkeit, Diversität der heimischen Fauna und Flora und für regionale Initiativen interessiert, der ist im „Quartier 2 – Natur und Familie“ genau richtig. Auf einem großzügigen Gelände in den Fulda-Auen bieten die Sonderschau „Natur auf der Spur“, das Kinderland sowie vielfältige Inhalte zum Biosphärenreservat Rhön zehn Tage lang eine attraktive Open-Air Anlaufstelle für die ganze Familie. Rund 60 Ausstellende präsentieren eigene Produkte und regionale Spezialitäten, es gibt lebende Tiere und zahlreiche Mitmach-Aktionen für alle Altersklassen. Das Barockviertel Fuldas mit den herausragenden Bauten Stadtschloss und Dom ist ein echter Publikumsmagnet. Kein Wunder also, dass hier das „Quartier 3 – Kultur und Genuss“ angesiedelt ist. Der Domplatz wird zum regionalen Schaufenster mit den Themen Kulinarik, Kultur und Lebensqualität, der Schlossgarten lädt zum Verschnaufen für Körper und Geist ein. Die Planungen für dieses Quartier werden besonders flexibel gehalten, um – je nach Entwicklung der Corona-Lage – so viele Attraktionen anbieten zu können, wie aktuell möglich sein werden.

Weil die Wege zwischen den drei Quartieren auch fußläufig gut zu bewältigen sind, eröffnet sich die Möglichkeit, den Besuch auf dem Hessentag mit einem Bummel durch die wunderschöne Innenstadt von Fulda zu verbinden. Individuell oder mit einer Führung durch die ausgebildeten Gästeführer der Tourist Information kann man die Stadt neu oder erneut entdecken. So wird der lokale Einzelhandel und die Gastronomie ebenfalls in das Hessentags-Konzept eingebunden. Interessant für einen Besuch ist auch das Vonderau-Museum, wo von Mai bis Dezember 2021 die Sonderausstellung „Als die Demokratie zurückkam - 75 Jahre Verfassung in Hessen und Fulda“ stattfindet. Weil der Schutz der Besucher eine wichtige Rolle spielt, hat die Stadt Fulda Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen entwickelt, die auf den Hessentag zugeschnitten sind. So wird die Steuerung des Zutritts zu den Quartieren über ein personalisiertes Ticketing erfolgen, damit sichergestellt wird, dass Abstandsregeln eingehalten und Warteschlangen vermieden werden können. Besucher können sich so bereits im Vorfeld ihre Eintrittskarten buchen und den Zutritt sichern.

Zum ersten Mal in seiner 60-jährigen Geschichte findet der Hessentag in Zeiten einer Pandemie statt. Fulda wird bestens vorbereitet sein und einmal mehr beweisen, welch hervorragender Gastgeber die Stadt ist.

Dabei sein

Der Bewerbungsprozess für die Quartiere beginnt in den kommenden Wochen. Alle Informationen und das Anmeldeformular sind dann zu finden auf: www.hessentag-fulda.de. Bewerbungen für „Natur auf der Spur“ sind ab sofort im Internet möglich unter https://umwelt.hessen.de/ueber-uns/auf-dem-hessentag. Immer aktuell informiert unter: www.facebook.com/hessentagfulda oder www.instagram.com/stadtfulda.

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