Hessenweit an der Spitze: Arbeitsmarkt-Rückblick mit dem Agenturvorsitzenden

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Arbeitsmarkt-Pressekonferenz mit Rückblick auf das Jahr 2017: Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, Horst Kramer, Eiterfelds Bürgermeister Hermann-Josef Scheich und der Vorsitzende der Arbeitsagentur-Geschäftsführung, Waldemar Dombrowski (von links)

Aktuelle Zahlen von der Vollbeschäftigung bis hin zu Arbeitslosen mit Flucht-Hintergrund von der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda.

n Eiterfeld. Im Herzen des Zuständigkeitsbereichs der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda hatte Waldemar Dombrowski, der Vorsitzende der Geschäftsführung, zum Rückblick auf das Jahr 2017 eingeladen. Im Amtsgerichtsgebäude in Eiterfeld gingen er und der Operative Geschäftsführer Horst Kramer auf die Arbeitsmarktsituation des vergangenen Jahres ein.

„Mit 104 Tagen Arbeitslosigkeit im Durchschnitt haben wir die niedrigste Zahl in Hessen“, sagte Dombrowski voller Stolz. Doch das ist nicht der einzige Superlativ in Osthessen. Im Altkreis Hünfeld gab es im vergangenen Jahr mit 2,3 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote im Bezirk, im Landkreis Fulda mit 2,9 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung. Im gesamten Agenturbezirk betrug die Quote 3,4 Prozent – und damit die niedrigste in Hessen. „Im Altkreis Hünfeld kann man schon von Vollbeschäftigung sprechen“, sagte Dombrowski.

An der Spitze

Der Landkreis Fulda liegt damit noch immer hessenweit an der Spitze. „Hersfeld-Rotenburg liegt mit 4,4 Prozent im guten nordhessischen Bereich“, so Dombrowski. Dort gebe es allerdings ein Nord-Süd-Gefälle, denn im Altkreis Rotenburg lag die Quote bei 4,9 Prozent. Zum Vergleich: Die Quote in Hessen lag 2017 bei fünf Prozent, bundesweit betrug sie 5,7 Prozent. Insgesamt vermeldeten Dombrowski und Kramer im Jahresvergleich 2016 und 2017 eine offensichtliche Verbesserung der Lage. Positive Tendenzen sah Dombrowski auch bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit. In beiden Teilbereichen SGB II (Agentur für Arbeit) und SGB III (Kreisjobcenter) waren weniger Menschen von Leistungen abhängig. Lediglich bei den „Hartz-IV“-Empfängern („Grundsicherung") im Kreis Hersfeld-Rotenburg stieg die Zahl an: „Das lässt sich durch eine höhere Zahl von Menschen mit Fluchthintergrund erklären“, so Dombrowski.

Weniger Frauen und Schwerbehinderte arbeitslos gemeldet

Erfreulich fand der Vorsitzende der Geschäftsführung auch, dass im Landkreis Fulda die Zahl der arbeitslosen Frauen um acht Prozent, die der Schwerbehinderten sogar um 15,5 Prozent gesunken sei. „Das ist sensationell“, sagte Dombrowski. Hier würden die zahlreichen Initiativen der Agentur in Kooperation mit anderen Trägern Wirkung zeigen. Die Flüchtlingssituation habe im Landkreis Hersfeld-Rotenburg hingegen dafür gesorgt, dass die Zahl der Unter-25-Jährigen ohne Arbeit um 24,1 Prozent gestiegen sei. „Würde man diese Personen herausrechnen, sähe das ganz anders aus“, sagte er. Insgesamt sah Dombrowski die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im gesamten Bezirk „auf einem guten Niveau“.

Die Zahlen derer, die sich in Maßnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt befanden, blieben im Vergleich der Jahre 2016 und 2017 etwa auf einem Level – in Fulda 6,6 Prozent weniger (3.506 Menschen in 2017), in Hersfeld-Rotenburg 2,4 Prozent mehr (2.811 Menschen in 2017). „Wir investieren eine Menge, um Menschen fit für den Arbeitsmarkt zu machen“, so Dombrowski. „Sehr erfreulich“ bezeichnete er die Situation derer, die arbeitslos wurden im Vergleich zu denen, die eine Beschäftigung fanden. „Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt bedingt diese Zahlen“, erläuterte er. im Kreis Fulda meldeten sich 14.481 Menschen arbeitslos, während 14.815 einen Job fanden. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg waren es 8.341 Neumeldungen, denen 8.273 Abgänge gegenüberstanden.

Grundsicherung vermeiden

„Wir wollen vermeiden, dass Menschen auf die Grundsicherung angewiesen sind“, bekräftigte der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Bei 239 Menschen haben wir das in 2017 nicht geschafft“, sagte er. Aber: Die Entwicklung zeigt nach oben: Im Vergleich zu 2016 waren das 20,9 Prozent weniger Menschen, im Vergleich zu 2015 sogar 34,2 Prozent weniger. „Das ist vor allem für die Betroffenen sehr gut. Zum Berufsleben gehört auch die soziale Teilhabe“, sagte Dombrowski. „Menschen werden einsam und krank durch lange Arbeitslosigkeit.“ Laut Dombrowski wurden 31,4 Prozent der Menschen, die sich 2017 arbeitssuchend meldeten, übergangslos vom alten zum neuen Job gebracht. „Wir können diese Zeit nutzen, die der Gesetzgeber vorgegeben hat“, so Dombrowski.

Der Operative Geschäftsführer Horst Kramer mahnte an, dass die osthessischen Unternehmen einen Bedarf an Fachkräften hätten. Die Agentur leiste durch Maßnahmen ihren Beitrag, Berufsschülern, die auf der Kippe stehen, und Menschen ohne Bildungsabschluss den Weg als Fachkraft zu ermöglichen. Von den Firmen seien in 2017 3,7 Prozent weniger offene Stellen gemeldet worden. „Das liegt zum Teil daran, dass viele Unternehmen längere Arbeitsverträge abschließen. Das befürworten wir natürlich“, so Kramer.

 Bei der Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zeigte sich im Zehn-Jahres-Vergleich im Kreis Fulda ein Plus von 19,9 Prozent (2007: 76.639 Menschen, 2017: 91.884 Menschen). Im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind es 19,6 Prozent (2007: 39.942 Menschen, 2017: 47.784 Menschen). „Das ist eine sehr gute und solide Beschäftigungsentwicklung in beiden Landkreisen“, so Dombrowski.

Prognose für 2018

Zuletzt wagte er auch eine Prognose für das Jahr 2018: „Die gute Konjunkturlage wird sich fortsetzen, die Verbraucherstimmung ist weiterhin gut und die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse werden zunehmen“, nannte er neben anderen Punkten als Chancen. Risiken sah er jedoch im steigenden Euro-Kurs, in den von Donald Trump angekündigten Steuersenkungen für US-Unternehmen und im Fachkräftemangel. Er warnte die Politik auch davor, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung nicht zu sehr zu senken. „Während der Finanzkrise haben wir erlebt, dass wir auf Rücklagen angewiesen sind“, so Dombrowski.

Entwicklungen in Eiterfeld

Zum Abschluss gab der Gastgeber Bürgermeister Hermann-Josef Scheich noch einen kurzen Überblick über die Situation der Marktgemeinde Eiterfeld: Von 7.100 Einwohnern seien 2.177 sozialversicherungspflichtig beschäftigt und die Eiterfelder Betriebe hätten eine hohe Auslastung. „Die Nachfrage nach Fachkräften ist uneingeschränkt hoch“, so Scheich. In den kommenden Jahren sind Investitionen von 2,7 Millionen Euro geplant, die unter anderem dafür sorgen sollen, dass junge Menschen – oder junge Familien – sich wieder in Eiterfeld ansiedeln. Wichtig ist dem Bürgermeister auch die hausärztliche Versorgung in Eiterfeld. Mit dem neuen Hausarztzentrum, das in der kommenden Woche eröffnet wird, sei ein erster Schritt getan, die Versorgung der Eiterfelder zu sichern.

Bürgermeister Hermann-Josef Scheich erläuterte das, was die Marktgemeinde Eiterfeld in den kommenden Monaten angehen möchte – unter anderem die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung.

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