Hessischer Städteatlas: Historische Kartenschätze zugänglich gemacht

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Bei der Vorstellung des Städteatlas im Magistratssitzungssitzung (von links): Prof. Dr. Holger Thomas Gräf, Dr. Andrea Pühringer, Daniel Schreiner und Dr. Tomas Heiler.

Jetzt wurde der neue Hessische Städteatlas Band Fulda vorgestellt.

Fulda - Hessischer Städteatlas - das klingt auf den ersten Blick nach einem etwas nüchtern-trockenen Lesestoff mit ein paar Stadtplänen. Doch der jetzt erschienene Band zu Fulda ist für jeden lokalhistorisch Interessierten eine wahre Schatztruhe. Zum Teil noch nie veröffentlichte Pläne und Stadtansichten aus verschiedenen Jahrhunderten sind in hochwertigen Reproduktionen oder farbigen Umzeichnungen im Kartenteil zusammengefasst, daneben gibt es zwei Textteile mit Informationen zur Lokalgeschichte und zur Stadtentwicklung sowie detaillierte Erläuterungen zu einzelnen Gebäuden.

Bei der Vorstellung des Bandes, dessen Entstehung die Stadt Fulda aus Anlass des Jubiläums „1275 Jahre Fulda“ beim Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg angeregt hatte, sprach Stadtbaurat Daniel Schreiner sichtlich begeistert von einem „wunderschönen Baustein zum Stadtjubiläum“, der dem Nutzer zu einem erschwinglichen Preis sehr viel Inhalt biete und einzigartig anschauliche Erkenntnisse zur Stadtgenese ermögliche. Fulda sei die größte unter den bislang 17 Städten Hessen, die über einen eigenen Band zum Städteatlas verfügen, „insofern bin ich dankbar, dass Sie dieses Wagnis eingegangen sind“, sagte Schreiner an die Adresse des Herausgebers.

Für das Marburger Landesamt betonte Prof. Dr. Holger Thomas Gräf, der Band Fulda sei eine „schöne Herausforderung“ gewesen, angesichts der Fülle des Materials habe man sich entschieden, über die Standardkarten hinaus zwölf Sonderblätter und einen zusätzlichen Textteil zu veröffentlichen. Der Stadt Fulda dankte er für die finanzielle Unterstützung. Er erläuterte auch die Hintergründe des Projekts Hessischer Städteatlas, der sich als Teil des Deutschen Städteatlas versteht und zugleich einen Beitrag zu einem größeren europäischen Atlaswerk bilden möchte. Der jeweils ähnliche Aufbau der Kartenwerke soll zudem interdisziplinäre vergleichende Städteforschung erleichtern.

Die Autorin des Fuldaer Bandes, die Wiener Historikerin Dr. Andrea Pühringer, beleuchtete die Entstehungsgeschichte des Bandes, in dem etwa zwei Jahre intensive Beschäftigung mit dem Thema sowie eine aufwendige Arbeit der Kartografin stecken. Angesichts der Fülle des Materials war die relativ kurze Bearbeitungszeit nur deshalb möglich, weil Fulda für Pühringer kein Neuland war: Sie hatte bereits die zweibändige Fuldaer Stadtgeschichte 2008/2009 wissenschaftlich redigiert.

Herzstück eines jeden Städteatlas die Umzeichnung des sogenannten Ur-Katasters, der jeweils ältesten verfügbaren Karten-Quelle mit grundstücksbezogenen Angaben. In vielen Ländern Europas wurden solche Kataster im 18. Und 19. Jahrhundert flächendeckend erstellt, und der Hintergrund war ganz profan: Es wurde eine solide Grundlage für die Erhebung von Grundsteuern gebraucht. In Fulda stammt diese Katasteraufnahme aus den Jahren 1842-44. Die Originalkarten aus dieser Zeit sind oft in einem schlechten Zustand, so dass die Umzeichnungen des Städteatlas zugleich wichtige Daten und Quellen sichert, die sonst in einige Jahren oder Jahrzehnten unleserlich und damit verloren wären. Übrigens: Der vielzitierte sogenannte Jestädt-Plan von 1727 sei eine Besonderheit für Fulda, betonte Pühringer, da nur wenige Städte in Deutschland über eine so frühe Katastergrundlage verfügten. Allerdings seien die Jestädtschen Eintragungen zu ungenau, um als Ur-Kataster dienen zu können.

Dr. Andrea Pühringer

Pühringer erläuterte im Anschluss die verschiedenen Standardkarten des Städteatlas, die zum Beispiel die Stadtentwicklung von der Klostergründung bis zum 19. Jahrhundert oder vom 19. Jahrhundert bis heute mit einer klaren farblichen Gestaltung eindrucksvoll wiedergeben. „Man sagt ja gewöhnlich: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Aber ein solcher Stadtplan sagt noch viel mehr“, betonte Kulturamtsleiter und Stadtarchivar Dr. Thomas Heiler. Das neue Kartenwerk sei dabei kein Selbstzweck: Etwa mit Blick auf die Neugestaltung des Vonderau-Museums biete es – auch durch die digitalisierte Kartengrundlage - die Voraussetzung, die topografische Stadtentwicklung prägnant und publikumswirksam zu präsentieren. Und Stadtbaurat Schreiner ergänzte: „Dieses Kartenwerk kommt zur richtigen Zeit: Wer viel umgestaltet und in den Grundriss einer Stadt eingreift, der braucht verlässliche Quellen. Mit diesem Städteatlas können moderne Städteplaner direkt arbeiten und dabei historische Zusammenhänge und Bezüge erkennen und wieder erlebbar machen.“

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